Die Buch-Rezension „Diebe und Vampire“ von Doris Dörrie

Dörrie Diebe und Vampire, Quelle: Diogenes
Dörrie Diebe und Vampire, Quelle: Diogenes

In dem neuen Roman „Diebe und Vampire“ von Doris Dörrie, Filmemacherin und Autorin, der famosen Filmkomödie „Männer“, spielen diesmal Frauen die absolute Hauptrolle.

Alice, eine junge, etwas naive deutsche Studentin, genießt als Geliebte eines respektablen verheiraten Arzt, gemeinsam mit ihm einen luxuriösen Urlaub in Mexiko genießt.

Dort lernte sie eine ältere erfolgreiche Schriftstellerin kennen, die sie nur als „die Meisterin“ bezeichnet. Für Alice ist die eleganten Amerikanerin, die selbstbewusst und souverän auftritt, ein großes Vorbild, dass sie förmlich anhimmelt. Sie träumt selber davon, eine Karriere als erfolgreiche Schriftstellerin zu machen. Nur wie das Schreiben lernen? Eine Ausbildung dafür gibt es nicht.

Als Alice in der Zeitung einen Artikel liest, wittert sie ihre Chance, um mit der „Meisterin“ ins Gespräch zu. Das Schicksal eines mexikanischen Jungen, der im Gefängnis sitzt, weil er eine Kuh auf dem Gelände eines Großgrundbesitzers weiden ließ, hat das Potential für eine große Geschichte. Alice und ihre „Meisterin“ freunden sich an und kümmern sich gemeinsam um den Jungen. Sie erreichen sogar, dass er in ein Jugendgefängnis verlegt wird.

Die Begegnung mit der Meisterin hat für das Leben von Alice weitreichende Folgen. Sie beginnt zu schreiben. Erfolgreich ist sie jedoch nur mit einem Schreibratgeber für „schreibgehemmte“ Autoren, wie sie selbst. Dies verschafft ihr eine ausreichende Einnahmequelle und den Ruf als eine erfolgreiche Autorin.

Dörries Roman handelt von den Irrungen und Wirrungen beim Schreiben. Die „Meisterin“ bezeichnet Schriftsteller als Diebe und Vampire. Sie saugen anderen die Geschichten aus, stehlen Ideen, Charaktere und Gefühle. Die Menschen sind ihr dabei gleichgültig und sie nehmen es billig in Kauf, andere zu verletzten. Im letzten Kapitel reist Alice, inzwischen selbst gealtert, noch einmal nach Mexiko. Dörrie nimmt dies zum Anlass, mit Seitenhieben auf den Literaturbetrieb mit all seinen Stipendien, Förderpreisen und hochnäsigen Jungautoren nicht zu sparen.

Der unterhaltsame Roman „Diebe und Vampire“ ist erfrischend geschrieben. Dörrie lässt interessante Charaktere auftreten, die trotz der leichten satirischen Überzeichnung lebendig wirken. Die Sprache ist schnörkellos und die Bilder stimmig. In drei knappen Kapiteln erzählt Dörrie die Geschichte von Alice, die sich von einem unbedarften jungen Mädchen zu einer gestandenen Frau entwickelt, die ihren Platz im Leben gefunden hat.

„Diebe und Vampire“ ist aber nicht nur eine Buch über das Schreiben, sondern auch über den Umgang mit Vorbildern, wie man seinem Lebensweg findet und schließlich auch über das Älter werden.

Kurz&Knapp: Absolut empfehlenswert. Ein unterhaltsames Buch über das Schreiben und das Leben.

Doris Dörrie
Diebe und Vampire
Gebundene Ausgabe, 214 S.
Diogenes, 2015

Doris Dörrie, geboren in Hannover, studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen. „Männer“, ihr dritter Kinofilm, wurde ein Welterfolg. Parallel zu ihrer Filmarbeit veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher. Sie lebt in München.

Ich danke dem Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s