Die Buch-Rezension „Mieses Karma hoch 2“ von David Safier

Mieses Karma hoch zwei Quelle: Kindler/Rowohlt

Wahrlich mit „Mieses Karma hoch 2“ hat David Safier mehr als nur eine halbherzige Fortsetzung seines Bestsellers „Mieses Karma“ geschrieben. Er haucht der irrwitzigen Geschichte um Tod und Wiedergeburt völlig neues Leben ein. Diesmal trifft es ein sehr ungleiches Paar, die Gelegenheitsschauspielerin Daisy Becker aus Bremerhaven und den arroganten Hollywoodstar Marc Barton.

Daisy ist alles andere als eine erfolgreiche Schauspielerin. Ihr letzes Engagement liegt schon einige Zeit zurück. Sie ist unausstehlich, zickig, rücksichtslos und völlig pleite. Das Einzige was Daisy im Überfluss hat sind Probleme. Überhaupt der Tag beginnt in der Berliner WEG für sie mit einer kalten Dusche, ihre Mitbewohnerin Sylvie weckt sie und mahnt die seit Monaten fällige Miete an. Dies ist aber nur Rang 6 auf der Liste der Top Ten „Der miesesten Momente des Tages“. Daisy schildert in Berlin von einem Schlamassel ins nächste. Auch die angebotene Nebenrolle in dem neuen Bond Film, der gerade in Babelsberg gedreht wird, entpuppt sich für sie nicht als Glücksfall, sondern das Schicksal schlägt erbarmungslos zu. Aus der Rolle wird nichts und Daisy gerät am Ende mit dem arroganten Hollywoodstar Marc Barton in einen tödlichen Autounfall.

Daisy und Marc bekommen prompt die Rechnung für ihr verkorktes Leben präsentiert. Grinse-Buddha hält ihnen vor, dass sie viel zu viel „mieses Karma“ angehäuft hätten. Fortan müssen sie sich als rote Ameisen durchs Leben schlagen. Um auf der Inkarnationsleiter aufzusteigen, sind gute Taten angesagt. Aber leichter gesagt als getan. Auf ihrem eigenen Begräbnis müssen sie mit ansehen, wie sich Daisys Freund Jannis und Marcs Frau „Die Kelly“ näherkommen. Beide wollen verhindern, dass sie ein Liebespaar werden. Zu allem Überfluss will Kommandant Frtxl sie in den Ameisenkrieg schicken …

In Safier Geschichte menschelt es gewaltig, denn in jedem Tier kann ein inkarnierter Mensch stecken. Der Autor hat ein vollkommen ungleiches Paar geschaffen, das er auf deren Weg durch verschiedene Inkarnationen begleitet. Gemeinsam müssen Daisy und Marc als Ameisen, Goldfische, Störche und Schnecken viele tierische Abenteuer bestehen. Schon als Menschen konnten sie sich nicht ausstehen, was soll das erst in der Tierwelt geben? Wäre da nicht der innige Wunsch, ihre Herzallerliebsten wieder zurückzubekommen, der sie eint, die Abenteuer zu bestehen. Oder bewahrheitet sich eher die abgedroschene Tennnagerweisheit „Was sich neckt, das liebt sich“? Liebe oder Karma? Nicht nur das Schicksal kann manchmal arg ironisch sein, Safier ist es in „Mieses Karma hoch 2“ garantiert bis zur letzten Seite.

„Mieses Karma hoch 2“ lebt vom erfrischenden Erzählstil des Autors, dem es gelingt, jede Szene leichtfüßig in aberwitzige Situationskomik zu verwandeln und urkomisch auf die Spitze zu treiben. Safier spürt gerade über vor kuriosen Einfällen und brennt ein Feuerwerk von coolen Sprüchen und irrwitzigen Gags ab. Natürlich darf in seinem neuen Buch auch der Fußnotenheld Casanova aus „Mieses Karma“ nicht fehlen, dem er diesmal noch den in seiner Ausdrucksweise eingeschränkten Steinzeitmenschen Urrgh zur Seite stellt.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein schräger Roman, der einfach Spaß beim Lesen macht und bestimmt für gute Laune sorgt.

David Safier
Mieses Karma hoch 2
Gebundene Ausgabe, 320 S.
Kindler, 2015

David Safier, 1966 geboren, schrieb nach seiner Journalistenausbildung und ersten redaktionellen Erfahrungen im Hörfunk und Fernsehen seit 1996 überwiegend Drehbücher. 2007 erschien sein Debütroman „Mieses Karma“. Es folgten „Jesus liebt mich“, „Plötzlich Shakespeare“, „Happy Family“, „Muh“ und „28 Tage lang“. David Safier lebt und arbeitet in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund. 2010 gründete er seine eigene Stiftung, die er in Anlehnung an seinen ersten Roman „Gutes Karma Stiftung“ nennt.

Ich danke dem Kindler/Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar.

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