Die Buch-Rezension „Die Hütte“ von William Paul Young (Limitierte Geschenkausgabe)

Young Die Hütte, Quelle: Allegria Ullstein
Young Die Hütte, Quelle: Allegria Ullstein

Der spirituelle Roman „Die Hütte“ von William Paul Young, neu aufgelegt in einer limitierten Geschenkausgabe, wirft auf unterhaltsame Art grundlegende Lebens- und Glaubensfragen auf und schildert eindrucksvoll, welche Kraft der Vergebung innewohnt.

„Die Hütte“ erzählt die Geschichte von Mackenzie Allen Phillips, den Freunde einfach nur Mack nennen, und wie ein Wochenende mit Gott, seine Einstellung zum Leben ändert. Mack ist der Sohn eines Farmers aus dem Mittleren Westen der USA. Macks Kindheit ist geprägt von seinem Vater, Kirchenältester und zugleich gewalttätiger Alkoholiker, der ihm tiefe seelische Wunden schlägt. Als der Vater ihn zwei Tage lang an eine Eiche festbindet und mehrmals verprügelt, schüttet er ihm Rattengift in eine Schnapsflasche und läuft davon. Jahre später kehrt in die Staaten zurück, schließt Frieden mit seiner Mutter und den Schwestern und lässt sich auf dem Land in Oregon nieder. Er heiratet die Krankenschwester Nan, mit der er fünf Kinder hat: Jon, Tyler, Josh, Katherine („Kate“) und Melissa („Missy“) Anne.

Als seine jüngste Tochter Missy sechseinhalb Jahre ist, unternimmt Mack allein mit seinem Kindern einen Campingausflug zum Wallowa-See. Am letzten Tag wird Missy entführt. In einer Blockhütte im Wald findet sich ihr blutiges Kleid, aber ihre Leiche wird nicht aufgefunden.

Jahre später findet Mack in seinem Briefkasten einen Brief unterzeichnet mit Papa, der ihm zu einem Treffen in diese Hütte einlädt. Mack fragt sich, von wem der Brief stammt. Von Missys Mörder oder von Gott selbst, den seine Frau liebevoll als „Papa“ bezeichnet, zu dem er selbst aber keine rechte Beziehung mehr hat? Er glaubt, dass es sich um einen üblen Scherz – vielleicht des Mörders – handelt.

Mack erzählt seiner Frau Nan nichts von dem Brief. Als sie mit ihren Kindern ihre Schwester besucht, plant er, das Wochenende für eine Fahrt zur verschneiten Hütte zu nutzen. Mack braucht eine Antwort, Wut und Trauer über seine verlorene Tochter lassen ihn nicht los. „Auf der Fahrt kommen seine unterdrückten Gefühle und Ängste wieder an die Oberfläche. Er wusste, dass er geradewegs ins Zentrum seines Schmerzes fuhr, in den Strudel der Großen Traurigkeit, die ihm so viel von seiner Lebendigkeit genommen hatte.“(S. 94)

Bis auf einen fast verblassten Blutfleck auf dem Fußboden entdeckt Mack nichts und kehrt enttäuscht zum Fahrzeug zurück. Da verwandelt sich die fast verfallende Hütte plötzlich in ein solides Blockhaus umgeben von einer blühenden Landschaft statt der verschneiten Winterlandschaft. Mack kehrt zur Hütte zurück und trifft dort auf Gott in Gestalt der Dreifaltigkeit: Gottvater ist eine dicke Afroamerikanerin, die in der Küche mit Mehl und Teig hantiert, Jesus, ein hebräischer Handwerker, und der Heilige Geist, eine zierliche Asiatin mit dem Namen Sarayu („Wind“). Mack führt zahlreiche Gespräche mit „Papa“, Jesus und Sarayu, Zuerst drehen sie sich um Fragen über das Wesen Gottes und allgemeinen Glaubensfragen („Warum verhindert Gott das Böse nicht einfach?“), doch dann geht es für Mack um die Aussöhnung mit seinem Vater und mit dem Mörder seiner Tochter. Kann Mack ihnen vergeben?

„Die Hütte“ ist nicht nur ein „Wochenende mit Gott“, sondern eine verschachtelte Geschichte. Im Vorwort berichtet Jack von seiner schwierigen Kindheit, dann beginnt das Buch wie ein Krimi und endet ebenso. Dazwischen liegt der Hauptteil, der von Jacks Begegnung mit Gott erzählt. Die einzelnen unterschiedlichen Teile fügen sich harmonisch zu einer Geschichte, die packend erzählt und unterhaltsam zu lesen ist. Die Geschichte führt auf eindrucksvolle Weise zu den zentralen Fragen: Wie verkraftet ein liebender Vater den Mord an seiner Tochter? Wie kann Gott solches Leid überhaupt zulassen?. Die Hütte ist für Mack das Symbol seines tiefsten Schmerzes und führt ihn direkt in sein verschlossenes Herz. Nur wenn er seinem Vater und dem Mörder seiner Tochter vergibt, wird er die „große Traurigkeit“ hinter sich lassen. Diesen inneren Prozess der Vergebung hat der Autor in fantastische Bilder gegossen. Die Begegnung mit Gott in der Hütte ist voller Überraschungen. Young präsentiert mit Papa, Jesus und Sarayu ein Gottesbild, das deutlich von den Vorstellungen des traditionellen Glaubens unterscheidet. Die Begegnungen und Gespräche mit den Dreien haben ihren ganz besonderen Charme. „Papa“ will mit Jack „die Liebe und Freude und Freiheit und das Licht teilen“, der Heilige Geist kommt als zarter Wirbelwind daher und Jesus lädt ihn ein, mit ihm über das Wasser des Sees zu gehen. Manches wirkt dabei allzu zuckersüß, allen voran Jacks Begegnung mit seiner Tochter im Jenseits. Hollywood lässt freundlich grüßen.
Das Buch hat mich trotzdem im Herzen berührt. Es erzählt auf eindrucksvolle Weise, wie Jack von den Dreien geführt wird. Er schenkt Gott wieder sein Vertrauen, stellt sich seinem inneren Schmerz und verarbeitet seinen größten Verlust. Das Buch ist eine Quelle des Trostes, muntert auf und gibt einem die Hoffnung, dass man nicht alleine ist. Alles hat seinen Sinn, auch wenn man ihn nicht sofort versteht. Jeder hat in seinem Leben schwere Momente der Trauer und Verzweiflung, egal ob er an einen Gott glaubt oder nicht. Das Buch leitet dazu an, seine eigenen Gefühle zuzulassen, tief in sein eigenes Inneres zu schauen und auf seine eigene Art zu vergeben. Wer Frieden mit sich selbst schließt, sieht das Leben auf einmal wieder mit ganz anderen Augen.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein bewegendes Buch über die Kraft der Vergebung unabhängig von der jeweiligen Glaubensvorstellung.

William Paul Young
Die Hütte
Hardcover, 352 S.
Allegria, 2015
Limitierte Geschenkausgabe mit silbernen Buchschnitt, Lesebändchen sowie bedrucktes Leinen und Bildmotiv in Hochglanz.

William Paul Young arbeitete viele Jahre als Büroangestellter und Nachtportier in Hotels. Der gebürtige Kanadier wuchs als Sohn von Missionaren in Papua-Neuguinea auf, war selbst viele Jahre lang Mitarbeiter einer christlichen Gemeinde. Mit seiner Frau Kim und seinen sechs Kindern lebt er in Oregon, USA.

Ich danke dem Allegria Verlag für das Rezensionsexemplar.

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