Die Buch-Rezension „Mindcrash“ von Werner Ablass

Mindcrash, Quelle: Goldmann
Mindcrash, Quelle: Goldmann

Wie oft lassen wir uns von Gedanken stressen? Ständige Probleme und Konflikte in einer immer komplexer werdenden Welt sorgen dafür, dass die „Datenmenge“ der Gedanken beständig zunimmt. In seinem Buch „Mindcrash“ zeigt Werner Ablass unterschiedliche Wege auf, wie es möglich ist, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen und der nörgelnden Unzufriedenheit im Kopf endlich ein Ende zu setzen.

Unter Mind versteht Ablass mehr als nur den Begriff Verstand. Mind ist für ihn das menschliche Bewusstsein, „das sich als Gedanke, Sinneswahrnehmung, Wille, Gedächtnis und Vorstellungskraft manifestiert“. Sitz des Minds ist das Gehirn, das genau wie Herz und Magen ein Organ im Körper ist. Die menschliche „Denkmaschine“ verfügt über eine bestechende Intelligenz, anderseits bereitet sie dem Menschen kolossale Probleme. Sie erzeugt Ängste, Scham, Schuldgefühle, Selbstanklagen und Opferverhalten.

Ablass sieht in der Illusion des persönlichen Ichs, das er als „angelernte Denkgewohnheit“ bezeichnet, den tieferen Grund für vielfältige Probleme. Er folgt damit der alten hinduistischen Lehre des Advaita (auf Deutsch: Nicht Zweiheit), die das Sein als eine ungeteilte Einheit versteht. Dualität und damit Getrenntheit entsteht eben durch diese „Vorstellung“ eines separaten „ Ichs“. Seinen persönlichen Mindcrash hatte Ablass nach einem Besuch bei Ramesh Balsekar, einem einflussreichen Advaita-Meister, der 2009 verstarb. Beim Advaita Vedanta geht es um die Auflösung aller falschen Vorstellungen, sowie der fest sitzenden Muster und Programmierungen und all der unnützlichen Gewohnheiten. Letztlich ist die Lehre ganz einfach, schwierig ist es nur diese einfache Wahrheit zu erkennen.

Die Lösung ist laut Ablass der Mindcrash, eine „Dekonditionierung der Ich-Illusion“, um vor „den Trümmern seiner lebenslangen Überzeugungen zu stehen“. Für den westlichen Menschen ist der Unterschied zwischen ganzheitlichem Jetzt und mental konstruierter Scheinrealität schwer zu verstehen. Durch seine Erziehung sind für ihn gedankliche Vorstellungswelten realer als die Wirklichkeit. Er ist tief greifend konditioniert. Die „Diktatur des Verstandes“ ist überall präsent. Ablass zeigt dies an konkreten Beispielen unterschiedlicher gesellschaftlicher Themen auf, sei es Politik, Wissenschaft oder Sex. Weitere Beispiele, wie das Denken uns antreibt, verdeutlicht er an beruflichen, persönlichen und Beziehungsgeschichten. Die alte Lehre hat also nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Doch ist sie ein gangbarer Ausweg aus den „modernen Problemen“?

Bevor Ablass verschiedene Strategien vorstellt, wie es gelingen kann, um endlich zu leben, statt nur über das Leben nachzudenken, erklärt er die drei wichtigsten Aspekte der Philosophie der Nondualitität: Alles entspringt einer Quelle, die Abwesenheit des Subjekts sowie alle Objekte sind temporäre Erscheinungen und somit Illusion. Ergänzend liefert der Autor 100 Denkanstöße, für den Fall, dass der Mindfuck zurückkehrt. „Du kannst nirgendwo ankommen. Das Leben ist immer nur hier. Niemals dort.“

Werner Ablass gelingt es in seinem Buch „Mindfuck“ das alte Wissen verständlich formuliert in eine moderne, zeitgemäße Form zu verpacken und anhand von konkreten Beispielen nachvollziehbar zu beschreiben. Einige Begriffe sind mir allerdings zu plakativ geraten und die Statements von Anwendern der Strategien wirken eher wie Testimonial aus dem Empfehlungsmarketing. Hier gilt für mich, weniger wäre mehr.
Eine Garantie, dass man bei der Anwendung der „richtigen“ Strategie, der „Diktatur der Gedanken“ entkommt, gibt es allerdings nicht. Das Leben schert sich eben nicht immer um unsere Vorstellungen. Oder wie es schon Blaise Pascal (1623-1662), der französische Mathematiker, Physiker, Literat und christlicher Philosoph, ausdrückte: „Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne“.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Die alte hinduistische Lehre des Advaita im modernen, zeitgemäßen Gewand.

Werner Ablass
Mindcrash
Taschenbuch, 192 S.
Goldmann, 2015
Erhältlich auch als eBook

Werner Ablass war einige Jahre im Management eines internationalen Unternehmens tätig, ehe er sich 1994 als Managementtrainer und NLP-Master selbstständig machte. Im Jahr 2004 traf er den indischen Advaita-Meister Ramesh Balsekar, der seine spirituelle Entwicklung und seine Arbeit entscheidend prägte. Seither arbeitet er vorwiegend als Autor und Coach, bietet Einzelsitzungen an und veranstaltet sogenannte Mindcrash-Seminare.

Ich danke dem Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s