Die Roman-Rezension „Eva“ von William Paul Young

Young Eva, Quelle:  Allegria
Young Eva, Quelle: Allegria

In dem spirituellen Roman „Eva – Wie alles begann“, interpretiert der amerikanische Bestellerautor William Paul Young, bekannt bei uns vor allem durch „Die Hütte“ , die biblische Schöpfungsgeschichte auf seine eigene fantasievolle Art neu und verbindet sie mit dem bewegenden Schicksal eines verletzten Menschen, der eine tiefe innere Heilung erfährt.

Die Geschichte beginnt damit, dass ein Schiffscontainer an die Küste einer Insel gespült wird, die weit ab der Erde liegt. John, der „Sammler“ entdeckt neben zwölf Toten ein 15-jähriges Mädchen. Lily ist schwer verletzt, psychisch gebrochen und gerade noch am Leben. Er bringt sie ihn sein Haus, „Zuflucht“ genannt, und sorgt sich rührend um sie. Nur langsam entwickelt sich eine vertrauensvolle Basis zwischen den beiden, da Lilly von ihren Erlebnissen traumatisiert ist. „Anscheinend waren Finder immer auf geheimnisvolle Weise mit ihrem Fund verbunden. Wenn sie John richtig verstand, galt dieses Gesetz grundsätzlich im gesamten Universum“. Nur allmählich verheilen ihre Verletzungen und sie beginnt sich mit Hilfe von drei Gelehrten zu erinnern, wer sie ist. Immer mehr versteht sie ihre eigene Bedeutung in der Geschichte.

Lilly pendelt zwischen zwei Welten. Sie ist sich nicht sicher, welche davon eigentlich Traum und welche Wirklichkeit ist. In der anderen Welt erlebt sie die Schöpfungsgeschichte hautnah mit. Sie nimmt teil an der Erschaffung der Welt. Wie sich herausstellt, ist Lilly dazu bestimmt, Zeugin der Anfänge zu sein. Sie begleitet Adam und Eva, unterhält sich mit der Schlange und erlebt den Sündenfall und den Rauswurf aus dem Paradies. Ihr Schicksal ist mit dem Schicksal der biblischen Figuren eng verwoben und sie findet schließlich dadurch eine tiefe innere Heilung.

Der Roman „Eva“ erzählt den langwidrigen Genesungsprozess von Lilly, die immer wieder in tiefe Träume (oder sind es Visionen) versinkt. Young lässt Lilly dabei ständig zwischen den beiden Welten hin und her pendeln. Es ist eine fantastische Geschichte, die voller Magie und Zauber steckt. „Wieder hatte Lilly das Gefühl, durch einen schwarzen, alles verschlingenden Vorhang zu treten, der die Zeiten und Welten voneinander trennte, eine dunkle Barriere zwischen der Zuflucht und den Anfängen. Kaum hatte sie die Grenze durchquert, ließ Eva ihre Hand los, blieb aber neben ihr stehen, hinter ihnen war der wandähnliche Vorhang aus Licht und Wasser.“

Wie schon in „Die Hütte“ behandelt Young auf ungewöhnliche Art grundlegende Lebens- und Glaubensfragen. Young präsentiert seine eigenen Vorstellungen von Gott sowie vom Garten Eden mit Adam, Eva und der Schlange, die sich deutlich von den Vorstellungen des traditionellen Glaubens unterscheiden. „Möge das Buch unsere oft festgefahrenen Gedanken – und Herzen – auf eine Weise öffnen, die es ermöglicht, dass sich in jedem Individuum und in uns allen als Gemeinschaft etwas Grundlegendes bewegt“, schreibt Young in seinem Nachwort.

Der Roman „Eva – Wie alles anfing“ lässt sich auf verschiedene Arten lesen. Wer sich mit Glaubensfragen beschäftigt, für den kann das Buch eine inspirierende Anregung sein, sich intensiver und auf kreative Art mit der Auslegung religiöser Texte zu beschäftigen. Manches, was der Autor schreibt, mag dabei befremdlich wirken, da er existierende Überlieferungen in einem ganz anderen Licht darstellt. Seine Absichten sind aber wohlwollend, für ihn war sein kreatives Werk „ein vierzig Jahre währender Prozess des Fragens, Studierens und Lebens“. Dabei liegt es dem Autor fern, andere zu seinem Glauben zu bekehren. Schließlich geht es bei den Fragen, die das Buch aufwirft, auch um Werte und Moral, die an keinen Glauben gebunden sind. Für weniger religiös denkende Menschen erzählt der Autor mit viel Herz und Verstand eine spannende und fantastische Reise zu den Anfängen der Schöpfung.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein spiritueller Roman über die Schöpfungsgeschichte, der berührt und inspiriert.

William Paul Young
Eva – Wie alles begann
Gebundene Ausgabe, 368 S.
Allegria Verlag, 2016

William Paul Young arbeitete viele Jahre als Büroangestellter und Nachtportier in Hotels. Der gebürtige Kanadier wuchs als Sohn von Missionaren in Papua-Neuguinea auf, war selbst viele Jahre lang Mitarbeiter einer christlichen Gemeinde. Mit seiner Frau Kim und seinen sechs Kindern lebt er in Oregon, USA.

Ich danke dem Allegria in Ullstein Verlage für das Rezensionsexemplar.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s