Die Buch-Rezension „Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte“ von Yolande Duran-Serrano und Laurence Vidal

Yolande Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag, Quelle: Knaur MensSana
Yolande Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag, Quelle: Knaur MensSana

Spontane Erleuchtung ohne Jahrzehnte lange Meditation ist das möglich? In dem Buch „Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte“ berichtet Yolande Duran-Serrano, die zuvor nie ein spirituelles Buch gelesen hatte, eindrucksvoll wie die „Stille“ über sie kam und ihr Leben schlagartig veränderte.

Yolande wurde im Sommer 2003 von einem Tag auf den anderen „erleuchtet“. „Es war etwas wie Stille in meinen Kopf. Ja, auffallend still. Wo waren meine Gedanken hin? Es war eine Art Raum zwischen meinen Gedanken, wie Zwischenraum, und die Gedanken selbst wirkten so, als stünden sie im Hintergrund. Als gehörten sie gar nicht mehr zu mir oder hätten zumindest keinen Einfluss mehr auf mich“, beschreibt Yolande ihre spontane Erleuchtungserfahrung. Die tausend kleinen Nöte und Sorgen einer ganz normalen verheirateten Frau, die unter anderem in der Immobilienbranche arbeitete und Mutter eines Sohnes, berührten sie nicht mehr. Sie wurde von der Stille ergriffen, die „vor allem kommt“. Ihr eigenständiges ICH existiert plötzlich nicht mehr. „Alles war einfach so, wie es eben war“. Ihre Erfahrung zeigt, dass die Gnade der „Erleuchtung“ oder des „Erwachens“ für jeden Menschen in jedem Moment möglich ist, unabhängig davon, ob er zuvor spirituell ausgerichtet war oder nicht.

Die Stille, die vor allem kommt

„Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte“ berichtet von Yolandes Erfahrung mit der Stille. Es geht aber nicht um eine konkrete Definition des Wortes Stille, sondern darum, die Stille einfach zu erfahren. Die Einfachheit des Seins, ohne Anstrengung als wahre Natur zu akzeptieren. Die Sinne sind dann quasi auf die unbewegte Stille gerichtet und nicht auf die Bewegungen im Raum. Es ist die Befreiung von der Last des Tuns. Für sie ist das tägliche Leben ihre spirituelle Praxis. Den Tod ihres Sohnes erlebte sie „in dieser großen gelassenen Ruhe“. Es gab in ihre keine Aufregung, keine Tränen, keine gedrückte Stimmung und keinen Zusammenbruch. „Es gab Augenblicke der Traurigkeit, Augenblicke der Niedergeschlagenheit, aber sie flossen durch mich hindurch und dann weiter. Immer war diese Stille da, dieser Raum des Unbekannten.“ Etwas in ihr erlaubte ihr, bei all dem tief in Frieden zu sein.

In ihrem Buch bezeichnet diese Stille auch als Präsens, absolute Wirklichkeit, Liebe, reines Bewusstsein, Nichtsein oder einfach als „diese Sache“. Begrifflichkeiten für einen Bewusstseinszustand, der jenseits von Worten und damit eigentlich nicht beschreibbar ist. „Schließlich ist die Stille das, was dir in „dieser Sache“ zu bleiben erlaubt“.

Begegnungen mit Yolande

Das Buch ist auch eine intensive Begegnung mit Yolande, wie sie die Journalistin Laurence Vidal erlebt. Als Leser nehmen wir teil an der Entstehung des Buches. Einen breiten Rahmen nehmen lose aneinandergereihte Interviews ein, die sie mit der Erleuchteten führt. So erlebt der Leser eine Begegnung mit dem „Unsagbaren“. Manches wiederholt sich, die Worte kreisen immer wieder um „die Sache“, die sich mit dem Verstand nicht erfassen lässt.

Vidal, die ebenfalls auf der Suche nach der „Stille“ ist erzählt von den Begegnungen mit Yolande und wie sie gemeinsam mit Freunden das Leben genießen. Dabei wird deutlich, das alltägliche Leben ist für Yolande ihre spirituelle Praxis. Das Leben genießen und „erleuchtet“ sein schließen sich nicht aus. Sei es bei einem Bootsausflug auf dem Genfer See oder einen Treffen in einer Hütte im französischen Morvan-Gebirge. Vidal, die gleichzeitig Schülerin von Yolande ist, macht selbst einen Wandel durch, sie beschreibt ihren eigenen inneren Prozess. „Nur zusehen, wie Handlungen, Gedanken, Bewegungen geschehen, ohne selbst Anteil daran zu haben – welche plötzliche Ruhe, welche Leichtigkeit!“ Für sie wirkt Yolandes Präsenz auch, wenn sie nicht da ist, sie wirkt durch ihre Worte. Doch Vidals Erfahrungen mit der „Stille“ bleiben flüchtige Momente, anstelle des Zugangs zu der Stille tritt wieder ihre Alltagsbewusstsein mit all seinen Sorgen und Problemen.

Und was rät Yolande zu tun, solange man nicht erleuchtet ist? Sei im Einklang mit deinem Leben, deinen Wünschen, deinen Leiden, mit allem, was dir begegnet. „So lebst du ganz und intensiv und einfach.“

„Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte“ berichtet von den faszinierenden Erfahrungen der beiden Autorinnen mit der „Stille“. Es beschreibt Yolandes innere Freiheit jenseits der Erfahrungen des normalen Alltagsbewusstseins sowie den tief gehenden Prozess den Vital durchmacht. Es ist in erster Linie ein unheimlich gefühlvolles Buch jenseits aller spirituellen Praktiken, das klar macht, dass die Persönlichkeit, die man zu sein glaubt, eine Illusion ist.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. „Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte“ vermittelt auf authentische Weise, wie sich „Erleuchtung“ anfühlt.

Yolande Duran-Serrano und Laurence Vidal
Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte
Paperback, 192 S.
Knaur MensSana, 2014

Yolande Duran-Serrano, geboren 1963 in Frankreich, ist eine spirituelle Lehrerin ohne Anbindung an irgendeine spezielle Tradition.

Laurence Vidal ist Journalistin und Schriftstellerin und ist seit 2008 Schülerin von Yolande. Aus ihrer spirituellen Freundschaft entstand dieses Buch.

Ich danke dem Knaur MensSana Verlag für das Rezensionsexemplar.

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