Die Buch-Rezension „Taguari“ von Angelika Selina Braun

Braun Taguari. Quelle: Smaragd Verlag
Braun Taguari. Quelle: Smaragd Verlag

„Taguari“ ist die faszinierende Lebensgeschichte des „weißen“ Schamanen Don José Ariza aus Kolumbien, aufgeschrieben von Angelika Selina Braun. Es ist eine spannende und emotionale Reise in den Urwald des Amazonas. Das Buch erzählt von einem ursprünglichen Leben mit der Natur und zeigt, dass in uns allen eine Weisheit innewohnt, die es vermag, unser Leben zu verwandeln.

Angelika Selina Braun gelingt es in ihrem Buch „Taguari – Das Leben findet seinen Weg“, den uralten Lebensraum des Amazonas auf faszinierende und emotionale Weise lebendig werden zu lassen. Über drei Jahre traf sie den 108 Jahre alten Schamanen Don José Ariza und zeichnete seine Erzählungen über seine 8-jährige Ausbildungszeit zum Schamanen bei den Piapocas, einen indigenen Nomadenstamm, auf.

Begegnung mit den Piapocas

Als 14-Jähriger weißer Kolumbianer machte Ariza sich allein auf den Weg in den Amazonas, „des großen und geheimnisvollen Dschungels, dem Hüter des übersinnlichen Wissens und der ursprünglichen, überbordenden Natur“, wie er ihn bezeichnet. Tief taucht er in die Mysterien des Regenwaldes ein und begegnet den Piapocas, einem indigenen Nomadenstamm, der auch im Alltag einen hohen Grad an Spiritualität lebt. Er begegnet dem Schamanenen Etéwa, den „Hüter und Eingeweihten der großen Gesetze des Lebens“ und erhält den Namen Taguari. Das Naturvolk lebt in absoluter Harmonie mit seiner Umwelt. Niemand jagt mehr als er für sich und seine Familie braucht. Sie legen keine Vorräte an, es wird nichts aufbewahrt und nichts für andere mitgebracht, „denn jeder hatte seine eigene Verantwortung zu tragen, um seinen persönlichen Beitrag zur natürlichen Balance von Mutter Erde zu leisten“. In ihrer Welt gibt es so gut wie keine materiellen Bedürfnisse, sie besitzen kaum eigenes Hab und Gut und leben gemeinsam in großen Hütten, die alle zwei Jahren an einer anderen Stelle aufgebaut werden. In ihrer Sprache gibt es keinen Ausdruck für „ich“, es gab nur Wörter für „wir“, denn für die Piapocos stand immer „die Gemeinschaft im Mittelpunkt des Lebens, und die Betrachtung einer von ihr getrennten Einzelperson ergab für sie keinen Sinn“.

Ausbildung zum Schamanen

Ariza lernt viel über das Leben mit der Natur und macht eine Wandlung durch, in dem er die Heilkraft der Natur für sich entdeckt. „Bäume waren Wesen voller Liebe und Weisheit, die in uns Menschen wahre Wunder bewirken konnten, wenn wir uns darauf einließen. Mich zumindest holten sie aus tiefster Depression und führten mich in einen Zustand des Vertrauens und des sicheren Gefühls, nicht alleine zu sein, sondern ein ebenbürtiger und geliebter Teil des gesamten Kosmos.“
Etéwa nimmt ihn als Schüler an. In der neuen anfangs befremdlichen Welt steht im Tutex, die auch über besondere Fähigkeiten verfügt, zur Seite. Sie begleitet und hilft ihm, sich zurechtzufinden. Sie ist ihm Mutter und Freundin zu gleich. Sein eigenlicher Lehrer ist Yagè, die heilige Meisterpflanze des Amazonas, die die menschliche Seele stärkt, schult und ihr andere Dimensionen der Realität zeigt. „Schamanismus kann dich niemand lehren…Worte sind schön und gut, aber sie helfen dir nicht sonderlich dabei, ein Schamane zu werden. Vergiss nicht: Es geht nicht um das Verstehen, es geht um das Fühlen und das Tun!“, erklärt ihm Etéwa.

Ariza macht seine eigenen neuen Erfahrungen: Er kommuniziert mit Bäumen, Tieren und Steinen, begegnet seinen Krafttieren, erlernt den Umgang Heilpflanzen, verwendet Pfeil und Bogen, unternimmt Traumreisen und erlernt Heilungsrituale. Er lernt die hohe Kunst der Magie in Einklang mit Mutter Erde. „Die Natur war voller Worte, Weisheiten und Belehrungen. Sie schien jeden Moment unserer Existenz genau zu wissen, was wichtig für uns war. Jedes Wesen, das zu mir sprach, hatte seine ganz persönliche Botschaft für mich, die stets zur aktuellen Situation und zu den Gedanken und Fragen passte, die mir durch den Kopf gingen.“

Mit den Jahren ändert sich auch sein Verhältnis zu den Stammesmitglieder der Piapocos. Nach Jahren der Isolation wird er von ihnen immer mehr respektiert. „Die Zeiten, in denen ich mich aufgrund ihrer abwertenden Blicke unwohl gefühlt hatte, waren zum Glück vorbei.“ Es gibt aber immer noch Dinge in der Welt der Piapocos, die ihm fremd bleiben. „Ich war begleitet von einem inneren Wissen, das mich nachhaltig davon abhielt, gänzlich mit dieser neuen Welt zu verschmelzen und meine Herkunft und Traditionen aufzugeben. So konnte ich in Harmonie mit den Indigenas und dem Wald leben und trotzdem ich selbst bleiben. Ich war anders als sie.“ Seine Einweihung in die Geheimnisse des jahrtausendalten Wissens der amazonischen Schamanen und die Prüfungen, die er zu bestehen hat, ändern ihn von Grund auf bis in seinen tiefsten Kern. „Ich hatte mich selbst gefunden in dieser Zeit. Meine Kraft, mein Zentrum. Und aus dieser neuen Verbindung heraus hatte sich alles in mir und um mich herum verändert. Mein Körper, meine Bewegungen, meine Betrachtungsweise mir selbst und dem Leben gegenüber.“

Magisches Buch

„Taguari – Das Leben findet seinen Weg“ ist ein magisches Buch, das voller tiefer Weisheiten über das Leben und die Natur steckt. Es ist eine Reise in eine Welt, die viel näher als unsere westliche Zivilisation am Ursprung des menschlichen Sein existierte. Die Autorin versteht es, den Leser in den uralten Lebensraum des Amazonas mitzunehmen und ihn die Erfahrungen von Ariza hautnah miterleben zu lassen. Er inspiriert uns, uns alle als ein Teil des großen Ganzen zu sehen. Wenn wir unserem Herz folgen und uns auf unsere eigenen Abenteuer einlassen, dann findet das Leben seinen Weg auch in uns. Dafür bedarf es des Mutes, der Disziplin, des Glaubens und des Vertrauens. Wichtig ist auch, dass wir uns unseren inneren Schattenseiten und Dämonen stellen. Taguaris Krafttier, der Jaguar, weist dabei den Weg: „Du bist nur ein Teil der Natur. Ich weiß, dass dies für euch Menschen ein recht schwieriger Standpunkt ist, da ihr diese Demut für etwas Negatives haltet. Es fällt euch schwer zu glauben, dass Mutter Natur euch grenzenlos liebt und ihr euch in totalem Vertrauen ihr überlassen könnt. Hört ihr aber auf, euer Leben kontrollieren zu wollen und geht den bewussten Schritt der Hingabe, wird plötzlich alles leicht und liebevoll in eurem Leben.“

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Eine berührende Entdeckungsreise über das ursprüngliche Leben – voller Magie und Weisheit.

Angelika Selina Braun
Taguari – Das Leben findet seinen Weg
Taschenbuch, 408 S.
Smaragd Verlag, 2015

Angelika Selina Braun traf im Jahr 2008 auf den damals 107jährigen, weissen Schamanen Don José Ariza, der mir seine Einweihungsgeschichte mitsamt seines naturmedizinischen Wissens überließ, worüber sie ihr erstes Buch verfasste. Heute – wieder in meine Heimatstadt Berlin zurückgekehrt – widmet sie ihre Zeit und Energie Menschen, die sich bereits dazu entschieden haben, ihren Weg des Herzens zu gehen. Sie gibt Workshops, Webinare und Einzelsitzungen.

Ich danke dem Smaragd Verlag für das Rezensionsexemplar.

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