Die Roman-Rezension „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ von Jonas Jonasson

Jonasson Moerder Anders, Quelle:  Carl's books
Jonasson Moerder Anders, Quelle: Carl’s books

Gleich drei lukrative Geschäftsideen heckt ein illustres Außenseiter-Trio in „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ aus. In gewohnter Manier sorgt Jonas Jonasson in seinem dritten Roman wieder für eine super schräge Handlung mit allerlei komischen Verwicklungen rund um einen Ex-Mörder, eine Ex-Pfarrerin und einen Ex-Bordellmitarbeiter.

Das Leben geht oft seltsame Wege. Auf einer Parkbank begegnen sich Per Persson und die kürzlich entlassene Pfarrerin Johanna Kjellander. Für eine persönliche Fürbitte schnorrt sie seine Pausenbrote und Himbeersaft. Per lebt und arbeitet perspektivlos in der Rezeption eines schmuddeligen Hotel. Für seine Misere macht er seinen Großvater und seinen Vater, sie ihm sein Leben bereits gründlich vermasselt haben. Johanna Kjellander, teilt ein ähnliches Schicksal. Ihr Vater empfand es als Strafe, dass er statt eines Sohn eine Tochter hatte und zwang sie, in seine Fußstapfen als Pfarrer zu treten. Johanna ist redegewandt und kennt jede Bibelstelle auswendig, aber gläubig ist sie deshalb noch lange nicht. Der dritte im Bunde ist Johan Andersson, genannt „Mörder Anders“. Die meiste Zeit seinen Erwachsenenlebens verbrachte er hinter Gittern. Seine latente gewalttätige „Argumentationstaktik“ ging, angereichert mit reichlich Schnaps und Tabletten, eine tödliche Konstellation für seine Gegenüber ein. Drei Menschen hat er auf dem Gewissen. Frisch aus dem Knast entlassen hat die Absicht, nie wieder dorthin zurückzukehren. „So hatte er es zumindest geplant. Er musste nur dem Schnaps aus dem Weg gehen. Und den Tabletten. Und allem und jedem, der oder das mit Schnaps oder Tabletten zu tun hatte.“

Vom Knochenbrecher zum Erweckungsprediger

Das Trio, das am Rande der Gesellschaft lebt, vereint seine Fähigkeiten und gründet eine „Firma der Körperverletzungsbranche“. Mörder Anders, nicht der Hellste aber sehr schlagkräftig, ist für die Verletzungen zuständig. Die Pfarrerin Johanna Kjellander plant und redet, der Rezeptionist Per Persson rechnet und organisiert. Die Geschäfte entwickeln sich hervorragend, „abgesehen davon, dass aus links manchmal rechts wurde und umgekehrt, hatten die Kunden nie Grund, sich über die Qualität der Ausführung zu beklagen“. Doch Mörder Anders erscheint sein Dasein zunehmend sinnlos. „Mit anderen Menschen hatte er sein Leben lang mit den Fäusten diskutiert, doch mit sich selbst konnte man auf diese Art nicht so gut reden. Deswegen flüchtete er sich vormittags immer früher und auch immer ausgiebiger in den Alkohol.“ Er fragt Johanna, „wie das alles so läuft, mit Gott und Jesus und der Bibel und so“. Bald steht sein neuer Entschluss fest: „Ich werde keinem Menschen mehr wehtun. Und keinen Alkohol mehr trinken. Ab heute lege ich mein Leben in Jesu Hände.“ Doch dem Ideenreichtum der Ex-Pfarrerin mit Mörder Anders viel Geld zu verdienen, sind kaum Grenzen gesetzt. Mörder Anders wird zum gefeierten Erweckungsprediger. Doch sie haben ihre Rechnung ohne die Stockholmer Gangsterbosse gemacht…

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Wie auch schon in „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ steht der neue Roman „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ von
gleich ein illustres Trio kreiert, das sich mit allerlei Listen und Schlichen durch das Leben schlägt. Mörder-Anders, der Rezeptionist und die ehemalige Pfarrerin, entwickeln sich zum „Dream-Team“, das Millionen scheffelt. Sie gründen eine „Firma der Körperverletzungsbranche“ und andere Unternehmungen frei nach dem Motto „Nehmen ist seliger denn geben“. Dazu gibt es ein wahres Feuerwerk an Widrigkeiten des Lebens und das Trio muss sich mit einer nicht unerheblichen Anzahl von Gangstern herumschlagen.

Der skurrile Roman ist gespickt mit wilden Besäufnissen und schaurigen Untaten, doch immer wieder schafft es das Trio, sich aus allen brenzligen Situationen zu retten. Überraschende Wendungen sind da garantiert. „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ ist ein gelungener Spaß, der für ein amüsantes und unterhaltsames Lesevergnügen sorgt.
Jonas Jonasson thematisiert augenzwinkernd die menschliche Habgier und spart auch nicht mit saftiger Sozialkritik. Medien, Facebook und vor allem die freikirchliche Erweckungsbewegung in Schweden nimmt er respektlos auf Korn.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein amüsanter Roman mit reichlich schräger Handlung und herrlich skurrilen Typen.

Jonas Jonasson
Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind
Gebundenes Buch, 352 S.
carl’s books, 2016

Jonas Jonasson, geboren 1961 im schwedischen Växjö, arbeitete nach seinem Studium in Göteborg als Journalist und gründete später eine eigene Medien-Consulting-Firma. Nach 20 Jahren in der Medienwelt verkaufte er seine Firma und schrieb den Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (2011) und landete damit einen Weltbesteller. Jonassons zweiter Roman „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ (2013) avancierte in Deutschland sofort zum Nr.-1-Bestseller.

Ich danke dem Carl’s books für das Rezensionsexemplar.

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