Die Buch-Rezension „Der Trick“ von Emanuel Bergmann

Bergmann Der Trick, Quelle: Diogenes
Bergmann Der Trick, Quelle: Diogenes

Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, Menschlichkeit, Magie und natürlich die Liebe vereint der zauberhafte Erstlingsroman „Der Trick“ von Emanuel Bergmann. Er erzählt die bewegte Lebensgeschichte des „Großen Zabbatini“. Der Zauberer und Mentalist beherrscht nicht nur die Kunst der Magie auf der Bühne, sondern erfährt sie auch im Leben.

Der Roman „Der Trick“ erzählt die Geschichte zweier jüdischer Kinder, die in unterschiedlichen Zeitepochen und auf zwei Kontinenten leben: Mosche Goldenhirsch wächst zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Prag auf. Er ist der Sohn eines Rabbis und sein Vater sorgt sich darum, dass sein Sohn den Glauben ernst nehmt. Als Fünfzehnjähriger besucht Mosche eine Zirkusvorstellung, verliebt sich unsterblich in eine „persische Prinzessin“ und läuft von zuhause weg. Er schließt sich dem Zirkus an und reist mit den Zirkusleuten umher. Zuerst arbeitet als Helfer bis ihn der Zirkuschef und Zauberer „Halbmondmann“ unterrichtet, wie man es am besten anstellt, das Publikum mit Illusionen zu verzaubern. Eines Tages verlässt er mit seiner „persischen Prinzessin“, die eigentlich eine junge Berlinerin ist, den Zirkus und schafft es in den 1930er Jahren als „Großer Zabbatini“ in Berlins berühmtesten Varieté-Theater, dem Wintergarten.

Der Liebeszauber des „Großen Zabbatini“

Der zweite Handlungsstrang erzählt parallel dazu vom elfjährigen Max Cohn, der in Los Angeles zu Beginn des 21. Jahrhunderts lebt. Als seine Eltern sich scheiden lassen wollen, wünscht er sich nichts sehnlicher als das sich die beiden wieder versöhnen. Durch Zufall findet er eine Schallplatte vom „Großen Zabbatini“ und beschließt, sich auf die Suche nach ihm zu begeben. Er hofft, dass dieser seine Eltern mit einem „Liebeszauber“ wieder zusammenbringen kann. Zabbatini, inzwischen alt, verarmt und verbittert, landet als Gast in der Wohnung der Cohns.

Der Roman „Der Trick“ erzählt auch, welches Schicksal Mosche im Nazideutschland ereilte. Die wahre Identität des gefeierten Zauberers und Mentalisten kommt heraus, er überlebt zwei Konzentrationslager und gelangt schließlich mittellos nach Los Angeles. Mosche und Max ahnen nicht, dass sie etwas verbindet. Nur soviel vorweg: Ohne den einen, gäbe es den anderen wohl nicht …

Zauberkunst des Geschichtenerzählens

Emanuel Bergmann gelingt es in seinem Roman, auf faszinierende Weise die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts einzufangen. Er erzählt die Geschichte des bewegten Lebens des „Großen Zabbatini“ so als hätte es ihn tatsächlich gegeben. Bewegend und humorvoll fabuliert Bergmann eine Fülle von glücklichen und tragischen Momenten, die manchmal dicht beieinanderliegen. Auch in der Geschichte von Max beschreibt, der Autor einfühlsam und bewegend, wie der kleine Junge alles daransetzt, dass seine Eltern wieder zusammenfinden.

Wirklich eindrucksvoll sind aber die Passagen, in denen der Autor schildert, wie Mosche die Folter in den Gestapo-Kellern sowie das Grauen im Konzentrationslager Theresienstadt und auf der Rampe von Auschwitz erlebt und sich trotzdem nicht unterkriegen lässt. Fast möchte man als Leser manchmal lächeln über seine Gewitztheit und Dreistigkeit, wäre da nicht dieser fast unermessliche Schrecken, der dadurch nur um so tiefer berührt. Hier beweisen der „Große Zabbatini“ und der Autor ihre wahre Kunstfertigkeit.

Mit der Zauberkunst des Geschichtenerzählens gelingt es Emanuel Bergmann auf eindrucksvolle Art Illusionen in den Köpfen des Lesers und Gefühle in den Herzen der Menschen auszulösen. Der Roman „Der Trick“ lässt sich am besten mit einem berühmten Zitat von Hermann Hesse beschreiben:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.“

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein zauber-zauberhafter Erstlingsroman voller heiterer und aufwühlender Bilder.

Emanuel Bergmann
Der Trick
Roman
Gebundene Ausgabe, 400 S.
Diogenes, 2016

Als E-Book erhältlich.

Emanuel Bergmann, geboren 1972 in Saarbrücken, ging nach dem Abitur nach Los Angeles, um dort Film und Journalismus zu studieren. Er war viele Jahre lang für verschiedene Filmstudios, Produktionsfirmen und Verlage in den USA und Deutschland tätig. Derzeit unterrichtet er Deutsch, übersetzt Bücher und schreibt Artikel für diverse deutsche Medien. „Der Trick“ ist sein erster Roman.

Ich danke Diogenes für das Rezensionsexemplar.

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