Die Buch-Rezension „Purpursegel“ von Alexander Grin

Grin Purpursegel, Quelle: Unionsverlag
Grin Purpursegel, Quelle: Unionsverlag

Eindrucksvoll beschreibt der russische Autor Alexander Grin in dem schmalen Büchlein „Purpursegel“ die Sehnsucht nach der Liebe und dem Meer. Das romantische Märchen entstand bereits 1923, hat aber bis heute nichts von seiner gefühlvollen Strahlkraft eingebüßt.

Das junge Mädchen Assol wächst in ärmlichen Verhältnissen allein bei ihrem Vater Longren in einem kleinen Haus am Meer auf. Der ehemalige Matrose hat nach dem Tod seiner Frau, seinen Beruf an den Nagel gehängt und widmet sich ganz seiner Tochter. Den Lebensunterhalt verdient er mehr schlecht als recht mit der Herstellung von Spielzeugbooten. Die beiden werden von den anderen Dorfbewohner gemieden und bekommen es auch deutlich zu spüren, dass sie außerhalb der Dorfgemeinschaft stehen.

Eines Tag begegnet Assol dem alten Märchen- und Liedersammler Egl, der ihr eine wundersame Prophezeiung macht: “Ein weißes Schiff unter riesigen leuchtenden Purpursegeln wird die Wellen durchschneiden und geradewegs auf dich zukommen.“ Wenn sie erwachsen ist, wird ein Prinz kommen und sie für immer mitnehmen.

Unter ganz anderen Lebensbedingungen wächst zur gleichen Zeit Arthur Grey in einem weit entfernen Ort auf. Der Sohn wohlhabender Eltern ist eigensinnig und geht seinen eignen Weg. Als 15-Jähriger verlässt er seine Familie und heuert auf einem Schoner an. Bald gibt der Kapitän den begabten Jungen sein Wissen weiter und nach fünf Jahren kauft Gray sich sein eigenen Schiff, die „Secret“.

Während eines Landgangs entdeckt Gray die im Gras schlafende Assol und verliebt in das Mädchen. Unbemerkt steckt er ihr einen wertvollen Ring an. Wird sich die Prophezeiung des Liedersammlers bewahrheiten?

Vom Meer und von der Liebe

„Purpursegel“ entfaltet seine Strahlkraft durch die Gegensätzlichkeit von romantischer Liebesgeschichte und rauen Dorfalltag. Die bereits 1923 erstmals veröffentlichte Feerie, wie sie der Autor Alexander Grin selbst nannte, verzaubert bis heute den Leser. Es ist eine Geschichte, die darin bestärkt, dass es mehr als nur die „nackte“ Wirklichkeit gibt. Neben der „Jagd“ nach Geld, Erfolg und materiellen Werten gibt es auch geistige, ideelle Werte, die einfach unser Herz erfreuen können. Dazu gehört natürlich besonders die Liebe und auch die Sehnsucht nach ihr, beidem verleiht Alexander Grin in gefühlvollen Worten Ausdruck. Die herzerwärmende Liebesgeschichte von Assol und Grey und die romantische Naturbeschreibungen stehen in einem starken Kontrast zur Beschreibung der Armut und Ausgrenzung der Fischerfamilie.

Beim Lesen des schmalen Büchleins spürt man förmlich auch die tiefe Sehnsucht des russischen Autors nach dem Meer. Longren „sah zu, wie die Wellen in ihrem donnernden Lauf zum sturmdurchtosten schwarzen Horizont den Raum mit ganzen Scharen von fantastischen, langmähnigen Wesen füllten, die in entfesselter , wütender Verzweiflung einer fernen Erlösung entgegenstrebten…“. Grin wollte selbst zur See fahren, doch sein großer Traum erfüllte sich nicht. In jungen Jahren führte er ein Leben als Vagabund.

„Purpursegel“ ist ein stimmungsvolles faszinierendes Buch. Es vermittelt das Gefühl, das Wunder immer möglich sind. Man sollte nie die Hoffnung aufgeben und nicht vergessen, das seine dazu beizutragen, dann werden Wunder auch wahr. Das Buch ist Balsam für Herz und Seele und vertreibt düstere Wolken am Horizont.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. „Purpursegel“ ist ein kleines herzerwärmendes Juwel, ein zauberhaftes Märchen über die Kraft der Hoffnung und des Glaubens an die Liebe.

Alexander Grin
Purpursegel
Broschiertes Taschenbuch, 128 S.
Unionsverlag, 2016

Als E-Book erhältlich

Alexander Grin, geboren 1880 als Alexander Stepanowitsch Grinewski in Wjatka, Russland, konnte seinen großen Traum – zur See zu fahren – nie realisieren. Stattdessen wurde er Wolgamatrose, Goldwäscher, Hafenarbeiter, Badewärter, Amtsschreiber, Torfstecher, Gelegenheitsarbeiter und von Maxim Gorki geförderter Schriftsteller. Politische Verfolgung und Verbannung trieben ihn kreuz und quer durch Russland. Alexander Grin starb 1932 in Stary Krim.

Ich danke Unionsverlag für das Rezensionsexemplar.

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