Die Buch-Rezension „Neun Farben der Stille“ von Angelika Winklhofer und Christian Meyer

Winklhofer Meyer Neun Farben der Stille, Quelle: Verlag zeit-und-raum
Winklhofer Meyer Neun Farben der Stille, Quelle: Verlag zeit-und-raum

Das spirituelle Enneagramm als Instrument der Selbsterforschung widmen sich Angelika Winklhofer und Christian Meyer in ihrem Buch „Neun Farben der Stille“. Mit Hilfe des Buches gelingt die eigenen Charakterfixierungen zu entdecken und führt zu einer umfassenden Selbst-erkenntnis.

Die Arbeit mit dem spirituellen Enneagramm steht bei Winklhofer und Meyer ganz in der Tradition des spirituellen Lehrers Eli Jaxon-Bear, der das Enneagramm als Weisheitsspiel betrachtete: „Das ist, was das Enneagramm für uns sortiert: Dies ist das Ego und dies ist das wahre Selbst.“ Mithilfe des Enneagramms kann man eigene Handlungsweisen und Muster entschlüsseln und so erkennen, was man nicht ist. Übrig bliebt das wahre Selbst. Die beiden Autoren verbinden in ihrem Buch die Arbeit mit dem Enneagramm und Erkenntnisse aus der modernen Psychologie.

Was ist das Enneagramm?

Das spirituelle Enneagramm ist ein über 1000 Jahre alter Weisheitsspiegel, gekannt haben ihn die Wüstenväter in Ägypten und Nordafrika, die Sufis und die Inder. Im spirituellen Enneagramm werden neun verschiedene Fixierungen mit den unterschiedlichen Merkmalen der jeweiligen Charakterzüge beschrieben. Die Merkmale beschreiben die Motivation und psychischen Grundlagen des jeweiligen Denkens, Fühlens und Handelns.

Zu den neun Fixierungen gibt es noch die drei Unterfixierungen Selbsterhaltung, sexueller und sozialer Trieb. Die Grundtriebe entsprechen unserer animalischen Natur. „Jeder Mensch hat den Instinkt, sich zu erhalten, sich zu paaren und Teil der Herde zu sein, jeweils in unterschiedlichem Ausmaß.“

Als Menschen leben wir alle neun Aspekte des Enneagramms, aber einer dieser Aspekte ist von Beginn an besonders stark. Somit hat jeder Mensch eine Fixierung. Wenn man seine Fixierung annimmt, kann man mehr mit dem in Frieden kommen was ist. Der Weg dahin ist innehalten, still werden und spüren, über den Körper in das Gefühl, von dem Gefühl in die Erfahrung. Wenn das zur Gewohnheit wird, dann wird das Leben lebendiger, ist die Erkenntnis der beiden Autoren.

Charakterfixierungen und Merkmale

Das spirituelle Enneagramm und die Fixierungen sagen nichts über die Persönlichkeit eines Menschen aus, sondern über die tiefere Charakterstruktur. Dalai Lama und Stalin haben dieselbe Fixierung, aber völlig verschiedene Persönlichkeiten. Diese tiefe Charakterstruktur kann man mit dem Enneagramm entdecken. „Je weniger du urteilst und je mehr du einfach neugierig bist, desto mehr darf sich vom Unterbewusstsein zeigen.“

Und woran erkennt man seine Fixierung? Zu jeder der neun Fixierungen gibt es eine Vielzahl von Merkmalen. Neben dem Archetypen (Herrscher, Held, Krieger u.a.) sind das u.a. Grundeigenschaften, Hauptmerkmal, Physis, Redestil, aber auch Abwehrmechanismus, Vermeidung und Schatten, einbezogen werden auch Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Den neun Fixierungen ist jeweils ein ausführliches Kapitel gewidmet mit den dazugehörigen Merkmalen sowie Beispiele von bekannten Persönlichkeiten.

Die jeweilige Fixierung ist nicht an eine Person (Vater, Mutter), einem biografischen Ereignis oder eine bestimmte Geschichte festzumachen. Jeder hat eine Fixierung und keiner hat Schuld. Die Fixierung ist von Anfang an da.

Es geht aber nicht darum die Fixierung zu verbessern und die Persönlichkeit verträglicher zu gestalten, sondern das Problem ist die Identifizierung mit der Fixierung. „Wenn die Identifizierung zurücktreten kann, weil die Angst und die Vermeidung der Gefühle nicht mehr so wichtig sind wie die Suche nach Wahrheit, dann kann die Identifikation mit der Fixierung aufhören. Mit dem Stillerwerden und der Bereitschaft, Gefühle zu fühlen, hält die Fixierung nach und nach an. Sie ist dann nicht mehr das Bestimmende im Leben.“

Wenn ich die Fixierung durchschaue und erkenne, welche Gefühle ich vermeide, dann verliert die Fixierung ihre destruktive Kraft. „Blockierung auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene sind so eingefleischt, sie sind uns so selbstverständlich geworden, dass sie gar nicht mehr als ein Tun wahrgenommen werden. Deshalb müssen das Loslassen, das Nichts-Tun, das Stillsein erst erarbeitet werden.“ Das Enneagramm ist eines der wichtigsten Werkzeuge der Selbst-Erkenntnis, um Vermeidungen, Wünsche und Motive zu erkennen. „Nur dadurch entdecke ich, was ich unterbewusst alles „tue.“

Suche nach dem Selbst

Das Buch „Neun Farben der Stille“ vermittelt nicht nur ein umfassendes Wissen über die 9 Fixierungen des Enneagramms, sondern hat auch den Charakter eines Arbeitsbuches. Fragen der Selbsterforschung helfen, die eigene Fixierung zu erkennen und besser zu verstehen. Selbsterkenntnis bedeutet, dass ich erkenne, wer ich selbst bin und was mein Selbst ist. Bei der Selbsterforschung nutzen die Autoren als Werkzeug die „wiederholende Frage“. Die Befragungen lassen sich allein oder zu zweit mit einer vertrauten Person durchführen. Ergänzend dazu gibt es Übungen zur Selbsterfahrung.

Für die Struktur des Buches haben die Autoren sich an Tradition der mündlichen Weitergabe des Enneagramms gehalten. Ihr Wissen vermitteln sich im Frage- und Antwortstil. In ihrem Buch haben sie das Ergebnis von fast zwei Jahrzehnten intensiver Arbeit verdichtet. „Neun Farben der Stille“ ist ein sehr lebendiges Buch und durch die unterschiedlichen Aussagen von Teilnehmern ihrer Seminare entsteht eine Leichtigkeit, die das Lesen und Nachvollziehen des Wissens einfacher erfahrbar macht. Und bei der Erforschung der eigenen Charkaterfixierung hat man fast das Gefühl, als stehe man im Austausch mit einer Vielzahl von Menschen.

Das Buch „Neun Farben der Stille“ kann für Leser ein Meilenstein bei ihrer spirituellen Entwicklung sein. Es bietet unzählige Anregungen und Impulse sich und andere, besser zu verstehen. Geeignet ist es sowohl für Leser, die erst angefangen haben sich, für den spirituellen Aspekt ihres Lebens zu öffnen, aber auch für Reisende, die schon länger auf dem Weg sind. Das Buch eignet sich ausgezeichnet als Impulsgeber und ständiger Wegbegleiter auf der Suche nach dem eigenen Selbst.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Das Buch „Neun Farben der Stille“ nimmt den Leser mit auf eine faszinierende Reise zur Selbst-erkenntnis und ist ungemein hilfreich bei der Suche nach sich selbst.

Angelika Winklhofer und Christian Meyer
Neun Farben der Stille
Spirituelles Enneagramm & Selbst-Erfahrung
Hardcover, 512 S.
Verlag zeit-und-raum, 2016

Angelika Winklhofer, Psychotherapeutin und Seminarleiterin. In ihrer Praxis in Michendorf bei Berlin begleitet sie mit tiefenpsychologischer und spiritueller Psychotherapie Menschen bei intensiven Prozessen, führt Autogenes Training, Coaching und Supervisionen durch. 1992 lernte sie das Enneagramm und 1999 seine transformative Kraft durch ihren Lehrer Eli Jaxon-Bear kennen. Sie lehrt in ihrer gemeinsamen Arbeit mit Christian Meyer das Enneagramm als Instrument der Selbst-Erfahrung.

Christian Meyer, spiritueller Lehrer und Psychotherapeut. Seine Suche endete 1998, als er seinem Lehrer Eli Jaxon-Bear begegnete. Er erkannte seine wahre Natur und unterstützt seitdem Menschen, die den Wunsch nach vollständiger Freiheit und Selbstverwirklichung haben. 1999 gründete er das spirituelle Zentrum „zeit-und-raum“ in Berlin. Seine Arbeit verkörpert die Verbindung von Spiritualität und Therapie und er erforscht die Erfahrung des Aufwachens bei den verschiedenen spirituellen Wegen.

Ich danke dem Verlag zeit-und-raum für das Rezensionsexemplar.

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