Die Buch-Rezension „Wer wachsen will braucht starke Wurzeln“ von Jennie Appel

Appel Wer wachsen will brauch starke Wurzeln, Quelle: GU Verlag
Appel Wer wachsen will brauch starke Wurzeln, Quelle: GU Verlag

Schamanismus ist keine „exotische“ Angelegenheit, sondern ein Wechsel der Perspektive zur Natur hin, der uns eindrucksvoll an unsere Wurzeln erinnert. Jennie Appel zeigt in ihrem Buch „Wer wachsen will braucht starke Wurzeln“ die heilende Qualität der Natur auf und wie man dadurch seine Potenziale entfaltet kann. Alltagstaugliche schamanistische Rituale und Übungen, die auf altem Wissen unserer Vorfahren basieren, lassen eine tiefe Verbundenheit mit der Welt spürbar werden.

In unserer modernen Gesellschaft sind heute vielen Menschen die Wurzeln abhanden gekommen. Entfremdung ist der Hauptgrund der hinter vielen Beschwerden steckt. Doch wo findet man einen festen Halt? Jennie Appel führt anschaulich vor Augen, dass die Wurzeln in unserem kulturellen Ursprüngen liegen. Früher lebten die Menschen ein natürliches Leben und war innig mit der Natur verbunden. Sie hatten Ehrfurcht vor den Kräften der Natur. „Alles hat eine Seele, und daher kann ich auch mit allem Kontakt aufnehmen, was eine Seele hat“, lautet eine uralte schamanische Sichtweise. Eine schamanisch geprägte Spiritualität kann tiefe und weitreichende Wurzeln bieten, meint Appel. „Schamanismus ist ein Weg durch das „Dickicht seines Geistes, um seine Seele und die Seele der Welt zu entdecken.“ Für sie ist der Schamanismus keine „exotische Angelegenheit“, sondern einfach ein Perspektivwechsel. „Worum es wirklich geht, ist die individuelle Erfahrung, die jeder macht, der diese Reise antritt. Das innere Abenteuer führt uns in unser Herz, das in tiefer Verbindung mit der Welt und all ihren Wesen steht.“

Mit anderen Augen sehen

In ihrem Buch „Wer wachsen will braucht starke Wurzeln“ liefert sie einfache und alltagstaugliche Handwerkszeuge, um einen stärkeren Zugang zur Natur und sich selbst zu finden, im Hier und Jetzt anzukommen und sein Potenzial im Einklang mit der Seele zu leben. Mit jeder Übung, mit jeder Meditation, mit jedem Ritual und mit jeder schamanischen Reise lernt man sich besser kennen. Die im Buch vorgestellten Übungen sind leicht umsetzbar. Die Autorin liefert dazu zahlreiche Erfahrungsberichte und Hintergrundwissen und schlägt eine Brücke zu und Ursprüngen und Traditionen des Schamanismus in Europa und der ganzen Welt,

Schamanismus ist für Appel eine Lebensweise, die keine aufwendigen Rituale braucht, sondern lässt sich in jeden Alltag integrieren. Mit dem schamanistischen Weltbild und der schamanistischen Praxis haben wir die Kraft, die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Durch kleine Alltagsrituale und Übungen kann zu jeder Zeit und überall spüren, dass man mit allem verbunden ist. Außerdem ermöglicht uns die Beobachtung der Natur Wissen zu sammeln, um sich die Welt zu erklären und Erkenntnisse über sich selbst zu sammeln, wie es einst auch unsere Vorfahren taten.

Schamanismus ist immer persönlich

Schamanismus ist eine ganz persönliche Angelegenheit, es geht ausschließlich um eigene Erfahrungen. „Der Beweis liegt immer in Ihren Erfahrungen, nicht in Ihren Überzeugungen“, stellte der amerikanische Autor Steven D. Farmer, ein schamanisch Praktizierender, fest. Was spürt man, wenn seinen Blick über eine weite Landschaft schweifen lässt? Wie fühlt sich die Erde unter meinen Füßen an? Was empfinden ich beim Anblick einer Pflanze oder eines Tieres? Es geht um die individuelle Verbindung zur Welt. „Wir nehmen die Natur besser wahr, begegnen der Welt jeden Tag mit Freude und Staunen. Dabei ist es wohltuend, in eine Freiheit einzutauchen, die von gesellschaftlichen Vorstellungen, Konventionen und Konzepten absieht.“ Es geht darum, auf unser Bauchgefühl zu hören und unsere eigene Wahrheit zu entdecken. Reich beschenkt von der Fülle der Natur können wir dem Höhen und Tiefen des Alltags anders begegnen und Herausforderungen spielerischer meistern.

Appel nimmt den Leser mit auf eine Reise, um behutsam in die schamanische Welt einzutauchen. Wir sind von Lebendigen umgeben. Tiere, Pflanzenwesen, Steinwesen, Ahnengeister und andere Naturwesen bevölkern unsere Welt. Diese Spirits existieren mit uns und jeder hat seine eigenes Wissen und seine eigene Stimme, der wir lauschen können. Der schamanistische Weg schult, achtsamer zu werden und alle Sinne zu schärfen. Heilung bedeutet im Schamanismus, sich wieder als ganzen Menschen zu erfahren, der in der ihm umgebenen Natur zu Hause ist. Er ist keine Medizin, sondern eine ganzheitliche Methode, um Menschen in ihre vollständige Kraft zurückzubringen.

Appel gibt in ihrem Buch, das Rüstzeug an die Hand, um in die Welt der Schamanen eintauchen zu können. Sie erläutert für jeden verständlich die grundlegende Praxis. Neben der Einrichtung eines heiligen Raumes und die Verwendung eines Medizinrades werden Medizinwanderung, Visionssuche, Krafttiersuche und schamanisches Reisen ausführlich und leicht nachvollziehbar beschrieben.

Schamanisches Reisen

Das grundlegende Werkzeug ist die schamanische Reise. Mit diesen inneren Reisen öffnen sich dem Bewusstsein völlig andere Welten. „Unsere Seele kann ihre Flügel ausspannen, sich weiten und selbst erfahren.“ Sie ist ein „Seelenflug“ in die geistige oder „Anderswelt“. Die „Anderswelt“ teilt sich in Mittlere Welt, Untere Welt und Obere Welt, die oft in der schamanischen Tradition als Weltenbaum dargestellt werden. Der Baum ist so groß, dass alle Welten und alle Realität auf ihn Platz haben. „Jeder Mensch hat die Fähigkeit, seinen Geist aus eigener Kraft zu öffnen und sich innerhalb der geistigen Welt zu bewegen.“ Auf der beiliegenden Übungs-CD finden sich Reisen in die verschiedenen Welten sowie ein Trommelsolo für freies Reisen.

Das Buch liefert eine „Gebrauchsanweisung“ um sich mit der Natur verbunden zu fühlen oder einen noch intensiveren Kontakt mit ihr zu haben. Den Weg muss jeder für sich selbst beschreiten. Man muss kein Schamane sein, um den schamanischen Weg zu gehen. Manche Dinge bleiben allerdings Schamanen vorbehalten, die dazu wirklich berufen sind.

Appel ist ein sehr praktisch orientiertes Buch über Schamanismus gelungen, dass aufzeigt, welche Bedeutung die Naturverbundenheit einst hatte und wie wichtig es ist, sich an ihr wieder zu erinnern. Wir sitzen alle in einem Boot, dazu gehören die Menschen, Tiere, Pflanzen und die gesamte Erde. Bei der Auswahl und Beschreibung der praktischen Übungen, merkt man deutlich, das die Autorin auf einen reichen Wissens- und Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Das Buch „Wer wachsen will braucht starke Wurzeln“ ist ein ausgezeichneter Wegweiser, um wieder zu einem naturverbundenen Lebensweg zurückzufinden oder ihn zu vertiefen.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein praktisches, alltagstaugliches Praxisbuch eines bodenständigen und modernen Naturschamanismus.

Jennie Appel
Wer wachsen will braucht starke Wurzeln
Mit der Kraft des Schamanismus sein volles Potential entfalten
Klappenbroschur (Buch mit CD), 160 S. und ca. 70 Min. Laufzeit
Gräfe und Unzer, 2016

Jennie Appel arbeitet seit 2006 in eigener Praxis als psychologische und energetische Beraterin sowie als initiierte Schamanin. Sie verbindet dabei traditionelle Heilweisen mit modernen psychologischen Methoden wie Bewusstseinstraining, Coaching und Kinder-Focusing. Als Autorin veröffentlichte sie zahlreiche Bücher und Meditations-CDs zu den Themen Schamanismus und Naturspiritualität.

Ich danke dem GU Verlag für das Rezensionsexemplar.

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