Die Buch-Rezension „Kraftorte“ von Anselm Grün

Grün Kraftorte, Quelle: Herder
Grün Kraftorte, Quelle: Herder

Kraftorte sind nicht nur mystische Orte mit einer magischen Ausstrahlung, sondern auch Orte der Ruhe, Entspannung und Kraft. In seinem Buch „Kraftorte“ unternimmt Anselm Grün einen ganz persönlichen Streifzug durch die Welt der Kraftorte in Wort und Bild und lädt dazu ein, seine ganz persönlichen Kraftplätze aufzusuchen.

Als Kraftorte werden oft Plätze bezeichnet, die einst als rituelle Stätten dienten. Dazu gehören alte Kultstätten, geschichtliche Plätze oder auch historische Klöster und Kirchen. Ein Kraftort kann aber auch ein natürlicher Ort sein, wo jemand sich rundherum wohlfühlt. Eine unscheinbare Gartenbank, ein uralter Baum oder eine kleine Quelle – bis hin zum berühmten Steinkreis von Stonehenge. Kraftorte sind besondere Plätze, die aber sehr individuell sind, wie die Menschen, die sie aufsuchen. In dem Buch „Kraftorte“ beschreibt Anselm Grün Orte, die ihm selbst innerlich bereichern und eine Quelle der Inspiration und Stärkung sind. Andere hat er noch nicht aufgesucht, aber von ihnen gelesen und gehört.

Orte der Kraft, Ruhe und Entspannung

Die Fülle der Kraftorte, die Grün ausgewählt hat, sind ganz unterschiedlicher Natur und in 25 Kapiteln unterteilt. Orte der Ruhe und Einkehr sind für ihn Klöster, Kreuzgänge und Wallfahrtskirchen. Auch in der Natur finden sich Orte der Ruhe, geeignete Plätze sind Waldlichtungen, Bäume, Höllen und eine Klamm. Die besondere Bedeutung von Wegkreuzen und Gipfelkreuzen verbindet Grün mit eigenen Erlebnissen auf Wanderungen. Dazu kommen noch Friedhöfe und Kerzen als Zeichen und Wunder. Für die Weite und einem offenen Blick stehen das Meer und die Wüste. Quellen, Wasserfälle haben ihre eigene Symbolik wie der Felsen in der Brandung. Brücken sind für Grün ein Zeichen der Verbundenheit. Sie zu bauen ist für ihn ein wichtiges Anliegen, das er von seinem Vater mitbekam. „Brücken zwischen Menschen zu bauen, zwischen den Konfessionen, zwischen den Religionen, zwischen verfeindeten und zerstrittenen Menschen“, sieht er als eines seiner wichtigen Anliegen an.

Stille Rückzugsorte

Als Orte des Rückzugs und der Mitte eignen sich am besten Gartenlauben, Labyrinthe, Bibliotheken, Bänke und Leseecken. Der Aufenthalt an einem Rückzugsort ist für Grün keine Flucht vor dem Leben, sondern ein Ort der Stille, zu dem der Lärm der Welt keinen Zutritt hat. In einer Gartenlaube sind einige von Grüns Bücher entstanden. „Denn dort ist der Geist weiter, er ist befruchtet von der Lebendigkeit und Weisheit der mich umgebenden Natur.“

Bei einer Zusammenstellung von Kraftorten dürfen natürlich auch bedeutende heilige Stätten, wie Pyramiden, Tempel und Stonehenge, nicht fehlen.

Entdeckungsreise in äußere und innere Landschaften

Kraftorte erschließen sich nur durch ein behutsames Sich-Nähern, sei es ein Baum, ein Wasserfall oder ein Bauwerk. „Die Kunst des Schauens besteht darin, mit dem Geschauten eins zu werden“, meint Grün. An Kraftorten kann man Ruhe, Geborgenheit, Klarheit, Kraft, Liebe und Freude erfahren. Kraftorte sind Orte, die „uns Halt geben in der Haltlosigkeit der Welt“ und sie führen zur eigenen inneren Mitte.

Das Buch inspiriert dazu, selbst seinen Lieblingskraftort öfters aufzusuchen. Es muss nicht immer eine Kirche oder Kloster sein. Grün plädiert dafür, sich selbst einen Lieblingskraftort zu schaffen oder aufzusuchen. Das kann ein besonderer Baum im Wald sein, eine Bank an einem See oder man schaut sich längere Zeit eines der stimmungsvollen Bilder des Buches an und meditiert darüber.

Einige Kraftorte sind Orte, an denen man entspannen und zur Ruhe kommen kann. Andere Kraftorte laden auf natürliche Art dazu ein, mit seinen eigenen inneren Bildern in Kontakt zu kommen. Ein Kraftort ist auf jeden Fall ein sehr persönlicher Ort, wo man in sich gehen kann. „An manchen Kraftorten sind Sie einfach nur da und schauen in sich selbst hinein… Dort auf dem Grund Ihrer Seele, entdecken Sie den wahren Kraftort, den Ort, an dem Gott in Ihnen wohnt. Und Gott ist die Quelle aller Kraft“, schreibt Grün im Nachwort.

Das Buch „Kraftorte“ ist eine wunderbare Geschenkidee für sich selbst oder für andere. Allein das Lesen der Texte und das Anschauen der teils großformatigen Bilder regen dazu an, Abstand vom Alltag zu gewinnen und für einige Zeit einfach innezuhalten, um neue Kraft zu tanken – sie es nun Glaube, Hoffnung und Vertrauen oder einfach nur Entspannung, Klarheit oder Mut.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein meditatives und inspirierendes Buch über Orte der Kraft.

Anselm Grün
Kraftorte
Wo Seele und Welt im Einklang sind
Gebundene Ausgabe, 96 S.
Verlag Herder, 2016

Anselm Grün, geboren 1945 ist Mitglied des Benediktinerordens und wohl einer der bekanntesten Ordensleute im deutschsprachigen Raum. Er wirkt als geistlicher Begleiter und erteilt Kurse in Meditation, Fasten, Kontemplation und tiefenpychologischer Auslegung von Träumen. Grün ist mit seinen Bücher zur Spiritualität und Lebenskunst der weltweit populärste christliche Autor unserer Tage.

Ich danke Herder für das Rezensionsexemplar.

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