Die Buch-Rezension „Der Angst ein Lächeln schenken“ von Chögyam Trungpa

Trungpa Der Angst ein Lächeln schenken,Quelle: Windpferd
Trungpa Der Angst ein Lächeln schenken,Quelle: Windpferd

Chögyam Trungpa befasst sich in dem Buch „Der Angst ein Lächeln schenken“ nicht mit Alltagsängsten, sondern mit einer tieferen Angst, der Angst vor uns selbst. Diese Angst kann ein großes Hindernis bei der Suche nach dem eigenen Lebensglück sein. Sie hindert uns daran, unser Leben kraftvoll zu entfalten.

Unsere moderne komplexe Zivilisation hat neben den zahlreichen Alltagsängsten eine ganze Reihe von neuen Ängsten hervorgebracht, die es früher nicht gab. Angst, den allgemeinen Lebensstandard nicht halten zu können oder den beruflichen Anforderungen nicht gewachsen zu sein, Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes oder Angst einem körperlichen Schönheitsideal nicht zu entsprechen. Das Leben vieler Menschen wird, ohne dass es ihnen bewusst ist, von Ängsten bestimmt.

Eigentlich haben wir nicht Angst vor irgendwelchen Geschehnissen im Äußeren, sondern wir haben Angst vor uns selbst. Wir haben Angst vor bestimmten Empfindungen und Gedanken. Es ist die nicht eingestandene Befürchtung, dem was wir in uns tragen, nicht gewachsen sein. Wir vermeiden es, unsere Gefühle anzuschauen oder uns unsere Denk- und Handlungsweisen einzugestehen. Die Angst, vor uns selbst, hält uns in den Kreisläufen von Leid, Verzweiflung und Stress gefangen.

Meditation und Shambhala-Training

Das Buch „Der Angst ein Lächeln schenken“ widmet sich dieser alles durchdringenden Angst. Es vereint Texte zum Thema Angst und Furchtlosigkeit von Chögyam Trungpa (1940-1987). Dieser bedeutende Lehrer des tibetischen Buddhismus verstand es, die alten fernöstlichen Überlieferungen im Westen zu vermitteln. Mit seiner Shambhala-Lehre brachte er Meditation und altes Wissen einer breiten Öffentlichkeit näher. Herzstücke seines spirituellen Pfades sind Shambhala-Training und Sitzmeditation. Die Meditationsmethode lehrt Achtsamkeit und Gewahrsein, um den eigenen Geisteszustand genau betrachten zu können, ohne den Versuch, ihn in irgendeiner Weise verändern zu wollen. „In der Meditation entdecken wir, dass Gutheit, Stärke und Weisheit in unserem Geist, in unserem Wesen liegen. Diese Einsicht lässt uns mit Mut, Klugheit und Mitgefühl durchs Leben gehen. Unser Alltag bietet die Gelegenheiten, diese Eigenschaften zum Blühen zu bringen.”

Herz des Kriegers

Trungpa regt dazu an, den Geist des friedvollen spirituellen Kriegers zu leben. Die Kriegertradition erwächst dabei für ihn aus den von alters her bestehenden spirituellen Überlieferungen des Ostens und des Westens, sie ist an keiner Religion festgemacht. „Diese elementare Lebendigkeit, oder grundlegende Gutheit, ist das Herz des Kriegers. Solch ein furchtloses Gutsein ist frei von Zweifel und überwindet alle fehlgeleiteten Einstellungen zur Wirklichkeit.“

Mit dem frei sein von Zweifel meint er die Überwindung eines fundamentalen Zweifels an sich selbst und das Gefühl, als Mensch Unzulänglichkeiten aufzuweisen. „Furchtlosigkeit bedeutet, dass man zu sein lernt. Seien Sie die ganz Zeit präsent, seien Sie da.“
Angst ist für Trungpa „ein bangendes, bebendes, unsicheres Gefühl – im Grunde die Angst davor nicht zu existieren“. Diese Angst stellt nicht unbedingt ein Problem dar, aber man sollte sie eingehend untersuchen. „Je besser Sie ihre Angst zu begreifen lernen, umso mehr wird ihnen klar, dass sie eigentlich viel eher ein großer Witz und kein großes Problem ist.“ Sie sollten Freundschaft mit der Angst schließen. Versteht man die Angst, erwächst daraus Furchtlosigkeit.

Vereinigung von Himmel und Erde

Ursache für die Angst, ist nach Trungpa letztendlich die Unfähigkeit, Geist und Körper miteinander in Einklang zu bringen. Die vielen Zerstreuungsmöglichkeiten der modernen Welt leisten dem auch noch Vorschub. Eine regelmäßige Meditationspraxis führt dazu, dass Geist und Körper wieder eine Einheit bilden. Himmel und Erde sind so vereint und man kann ein wahrer Krieger sein. „Sie sind da, voll und ganz da. Sie reiten ihren Geist. Der Reiter und der Gerittene sind dabei ein und dasselbe. Aus einem Stück. Dies ist die vollkommene Synchronisierung von Körper und Geist.“

Trungpa zeigt auf, dass die Erfahrung von Angst und Furchtlosigkeit helfen kann, den Herausforderungen des Lebens mutig und entschlossen zu begegnen, statt die Angst als Feind zu betrachten. „Für den Krieger ist Furchtlosigkeit ein positiver Seinszustand voller Freude, heiterer Unbeschwertheit und mit einem Glitzern in den Augen.“

„Der Angst ein Lächeln schenken“ ist der dritte Band, in denen Chögyam Trungpa seine Shambhala-Lehre darlegt. Die Texte stammen aus Vorträgen und Veröffentlichungen, die die Herausgeberin Carolyn Rose Gimian zusammengestellt und bearbeitet hat.

Innere Haltung entscheidend

„Der Angst ein Lächeln schenken“ ist wegen seiner sehr bildhaften Sprache sehr einfach zu lesen und eignet sich auch für Leser, die sich bisher nur wenig mit dem Buddhismus befasst haben und Meditationsanfänger sind. Die Tiefe des Textes erschließt sich aber wohl eher den erfahrenden Meditierenden, den bei den Unterweisungen geht es immer wieder um die innere Haltung, die es einzunehmen gilt, bei der Sitzmeditation und gegenüber dem Leben. „Alles beruht auf der Haltung, die Sie einnehmen, und auf dem Verhalten, das Sie an den Tag legen.“

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein inspirierender (Meditations-)Schatz voller buddhistischer Weisheiten, um fortan ein Leben ohne Furcht sowie voller Freude und heiterer Unbeschwertheit führen zu können.

Chögyam Trungpa
Der Angst ein Lächeln schenken
Taschenbuch, 256 S.
Windpferd 2016

Chögyam Trungpa (1940-1987) wurde in Osttibet geboren und war einer der maßgeblichen, weithin anerkannten Lehrer bei der Einführung des tibetischen Buddhismus im Westen. Seine große Wertschätzung der westlichen Kultur verband sich in ihm mit dem tiefen Verständnis seiner eigenen Tradition.

Ich danke Windpferd für das Rezensionsexemplar.

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