Die Roman-Rezension „Die Seepriesterin“ von Dion Fortune

Fortune Seepriesterin, Quelle: Smaragd
Fortune Seepriesterin, Quelle: Smaragd

„Die Seepriesterin“ ist ein Klassiker unter den esoterisch-spirituellen Romanen. Dion Fortune, eine britische Okkultistin des 20. Jahrhunderts, schrieb ein phantastisches und heute noch lesenswertes Buch über alte Mysterien und Magie, das erstmals 1938 erschien und das die spirituellen Geheimnisse des Lebens lebendig werden lässt.

Der blasse und asthmakranke Grundstücksmakler Wilfred Maxwell lebt in einer Kleinstadt nahe der englischen Küste. Er ist ein Junggeselle ohne Vision für sein Leben und wird von Mutter und Schwester, die mit ihm zusammenleben, ständig gegängelt. Als er nach einem heftigen Asthmaanfall in ein Delirium fällt, beginnt er mit dem Mond zu kommunizieren. „In jedem Menschen liegt eine Seite verborgen, wie auch der Mond seine dunkle Seite hat, aber mir wurde die Gnade geschenkt, sie zu sehen. Es war wie im Weltraum zwischen den Sternen in der Nacht der Götter, und dort lagen die Wurzeln meines Seins.“

Tempel für die Seegötter

Fortan entschließt sich Wilfred, aus seinem Haus in die alten verwilderten Ställen im Garten zu ziehen. Kurz darauf lernt er Le Fay Morgan kennen. Eigentlich hatte er eine alte Frau erwartet, aber er ist überrascht, als ihm eine bedeutend jünger aussehende Frau gegenübersteht. Wilfried erkennt in ihr die Seepriesterin wieder, die sich ihm in einer Vision zeigte. Sie wurde aus Atlantis nach Britannien gerufen, damit sie ihr Wissen gegen die zerstörerischen Gezeiten einsetzt. Miss Morgan kauft ein altes Fort an der Spitze einer Landzunge und Wilfred verwandelt es für sie in einen Tempel, der den Seegöttern geweiht ist. Er verliebt sich in sie und verbringt immer mehr Zeit mit ihr, doch sie hält ihn auf Distanz. Sie hat ihn ausgewählt, um mit ihm in die Geheimnisse der Magie, die mit einem alten Kult verbunden sind, zu entdecken. Gemeinsam überschreiten sie die Grenze des Bewusstseins und treffen sich in einer anderen Dimension.

Gebieterin über die Elemente

Der Roman, der erstmals 1938 veröffentlicht wurde, fasziniert auch heute auf vielfältige Weise. „Die Seepriesterin“ lässt das kleinstädtische Leben in der englischen Grafschaft Somerset mit oft eigenbrötlerischen und schrullig anmutenden Bewohnern in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts lebendig werden. Der Roman ist auch eine Liebeserklärung an das Meer, an den Rhythmus der Gezeiten und an die Urkraft, die im Wasser steckt. Es geht um die Geheimnisse von Ebbe und Flut. Sie sind ein Spiegelbild der Gezeiten des Lebens und erzählen vom Wachsen und Vergehen, von Aufbau und Zerstörung. Vor allem lässt Fortune, die eine schillernde Persönlichkeit und selbst Praktikerin des Okkulten war, die Magie und magischen Rituale der Geheimgesellschaften zu Anfang des 20. Jahrhunderts lebendig werden. Fortune verbindet in ihrer Magie, die Kulte und Geheimnisse um Avalon, Atlantis und des Alten Ägyptens. Isis, die Große Muttergöttin Ägyptens, vereint alle Weiblichkeit in sich und gilt als die Mutter allen Seins. Als Erd-, Vegetations-, Mutter-, Fruchtbarkeits-, Mond- und Himmelsgöttin regelt sie den gesamten Lebenskreislauf und ist als mächtige Magierin und Heilerin die Gebieterin über die Elemente und steht für Transformation.

In ihrem phantastischen Roman schildert Fortune, wie es möglich ist, Menschen durch die Mysterien mit ihren innersten Wesenskern in Berührung zu bringen. Fortune beschreibt Morgan als eine große starke Frau, die auf Wilfred die vitalisierende, magnetisierende Energie überträgt, um ihm zu dem werden zu lassen, was seiner Bestimmung entspricht. Morgan tritt Wilfred dabei als unpersönliche Verkörperung des weiblichen Prinzips gegenüber. „Wir waren in eine andere Dimension hinübergeglitten – auf die Ebene des Geistes, und das, was zwischen uns war hatte eine Bedeutung angenommen, die nicht mehr persönlich war, sondern Teil des Lebens – des Lebens im ewigen Werden.“ Schließlich hat sich für Morgan „Gott in der Natur offenbart und die Natur ist Ausdruck des Göttlichen Geistes“.

Magie und weibliche Schöpferenergie

„Die Seepriesterin“ ist ein Klassiker unter den esoterisch-spirituellen Werken des 20. Jahrhunderts. Es ist eine Reise zu den alten Mysterien von Avalon, Atlantis und dem Alten Ägypten und gibt Einblicke in die Rituale der okkulten Geheimgesellschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Fortune beschreibt die Magie, die den weiblichen Schöpferenergien innewohnt. Es geht um göttlich-weibliche Magie, Sinnlichkeit und der universellen Weisheit des Lebens. Eigenschaften, die in alten Kulturen durch die große Göttin verkörpert wurden.

„Die Seepriesterin“ ist ein phantastischer Roman, der mich in vielerlei Hinsicht fasziniert. Er beschwört erzählerisch die magischen Kräfte von Mond und Meer, beschreibt mysthische Erlebnisse und magische Rituale. Er erzählt aber auch ausführlich die Geschichte eines Mannes, der sein Leben bisher durch äußere Zwänge und ohne tieferen Sinn lebte. Durch die Begegnung mit Le Fay Morgan gelingt es ihm, sein Leben neu zu gestalten. „Die Seepriesterin“ ist ein vielschichtiges Werk, dem seine eigene Magie auch heute noch innewohnt. Fortune gelingt es durch eindrucksvolle Beschreibungen die Urgewalt des Meeres sinnlich erfahrbar zu machen und führt uns so das Unberechenbare und Unwägbare im Leben vor Augen führen.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein klassischer esoterischer-spiritueller Roman über Mond, Meer und göttlich-weibliche Magie sowie die alten Mysterien von Avalon, Atlantis und dem Alten Ägypten.

Dion Fortune
Die Seepriesterin
broschiert, 336 S.
Smaragd Verlag, 2017, völlig überarbeitete Neuauflage

Dion Fortune wurde als Violet Firth 1890 in Wales geboren. Schon früh interessierte sie sich für das Okkulte und studierte später Psychologie. Sie war eine Rosenkreuzerin, Theosophin und Gründerin einer Mysterienschule nach der westlichen Tradition, der Fraternity of the Inner Light (heute Society of the Inner Light). Als Schriftstellerin veröffentlichte sie zahlreiche okkulte Schriften, darunter verschiedene Sachbücher und die beiden Romane „Die Seepriesterin“ und „Mondmagie“. Sie starb im Alter von 55 Jahren 1946 in London an Leukämie.

Ich danke dem Smaragd Verlag für das Rezensionsexemplar.

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