Die Roman-Rezension „Mondmagie“ von Dion Fortune

Fortune Mondmagie, Quelle: Smaragd
Fortune Mondmagie, Quelle: Smaragd

„Mondmagie“ entführt in die weibliche Magie der uralten Mysterien und die Geheimnisse des Tantra. Der Roman der walisischen Autorin und Okkultistin Dion Fortune (1890-1945) zählt zu den Klassikern der esoterisch-spirituellen Literatur und ist eine abgeschlossene Fortsetzung von „Die Seepriesterin“.

Morgan Le Fay hat in dem Roman „Mondmagie“ die Hülle der Seepriesterin abgestreift und taucht in London als die Ur-Frau Lilith auf. Sie sieht sich als Priesterin der Großen Göttin Natur in der Gestalt der Isis, die göttliche Rechte für sich beansprucht. Als Lilith verkörpert sie das weibliche Urbild im kollektiven Unterbewusstsein der Menschheit und als Ursymbol für wilde, lustvolle, eigenständige Weiblichkeit.

Kosmischer Tempel

Als Wohnsitz wählt Morgan eine kleine verlassene Kirche in einer ruhigen Sackgasse gleich neben der Themse. Sie richtet sich dort einen magischen Tempel ein. „An den sieben Seiten befanden sich die Symbole der sieben Planeten. Die achte Seite, wo die Tür war, verkörperte die Erde. Hier gibt es kein Symbol, denn wir lassen die Erde hinter uns, wenn wir den kosmischen Tempel betreten.“ Doch ihr magisches Vorhaben kann sie nicht allein ausführen, sie braucht einen Priester für ihre magischen Rituale.

Geeignet erscheint ihr Rupert Malcom, ein Arzt mit großem wissenschaftlichen Prestige, aber gesellschaftlich ein Nichts. „Sein reizbares Temperament, seine brüsken Manieren, sein dürftiges Heim waren Generationen von Medizinstudenten vertraut.“ Er hat kaum Freunde, vergräbt sich in seine Arbeit und lebt getrennt von seiner Frau, die wegen einer Erkrankung in einem Sanatorium untergebracht ist. Morgan erkennt, dass er über telepathische Fähigkeiten verfügt und in ihm eine starke Vitalkraft schlummert.

Priesterin und Priester

Sie nimmt auf der Astralebene Kontakt mit ihm auf. „Ich musste nicht nur Malcoms Vorstellungskraft habhaft werden, sondern die Tiefen seines Seins berühren.“ Malcom fühlt sich magisch von Morgan angezogen, er folgt ihr in den Abendstunden durch die Straßen Londons bis zu der kleinen Kirche, in der sie wohnt.

Er verliebt sich in sie, aber sie will die weiblichen und männlichen Energien umwandeln. Behutsam führt sie ihn in ihre magische Praktiken ein. Sie erwartet von ihm, dass er bei den Ritualen nie an die Frau in ihr denken soll, sondern an die Priesterin, um sie als Kanal für die Kraft zu benutzen. Auf ihren Astralreisen begegnen sie sich als Priesterin und Priester, um eine uralte Magie zu zelebrieren.

Magische Rituale, Telepathie und Astralreisen

Wie bereits in „Die Seepriesterin“ kleidet Dion Fortune ihr okkult-esoterisches Wissen in eine unterhaltsame Handlung. Morgan verhilft diesmal einem englischen Arzt durch ihre magischen Fähigkeiten, in seine männliche Kraft zu kommen. Der esoterisch-spirituelle Roman, der angeblich erst etwa ein Jahr nach ihrem Tod durch ein Medium vollendet wurde, spielt im London der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts und ist eine abgeschlossene Fortsetzung von „Die Seepriesterin“. Er ist ein äußerst vielschichtiger Roman, der noch tiefere Einblicke in magisch-okkulten Praktiken erlaubt. Fortune beschreibt detailliert magische Rituale, die früher nur eingeweihten Okkultisten zugänglich waren, sowie telepathische Erfahrungen und Astralreisen. Die Rituale dienen dazu, etwas symbolisch aus zu agieren, um etwas von den inneren Ebenen in die Realität übertragen zu können. Sie kreiert dabei eine Magie, die auf den alten Mysterien basiert. Fortune beschreibt Morgan als eine Priesterin der altägyptischen Göttin Iris, die Mutter der Natur und die Herrin aller Elemente. Es geht um das Urweibliche und das Urmännliche, Mond und Wasser entsprechen dabei der Natur der Frau und Feuer entspricht der Natur des Mannes. „Das bedeutet nicht, dass ich den EINEN Gott, die Quelle allen Seins, leugne, denn in der Natur hat sich Gott manifestiert, aber ich glaube, alles hat seine Zeit – spirituelle Dinge wie auch natürliche, und wir machen einen Fehler, wenn wir das Spirituelle übertreiben“.

Mysterien und Tantra

Morgan verkörpert als Lilith die ewige Frau, „das Urweibliche – ich spreche nicht von dem Intellekt, dem oberflächlichen Bewusstsein, das von Neuheiten angezogen wird, sondern vom Archaischen, Ursprünglichen, das in der Seele eines jeden Menschen verankert ist.“ Die antiken Mysterien sind Sinnbild für die physischen Vorgänge im Einzelnen und in der gesamten Menschheit. Fortune, eine Verfechterin des Tantra und der Sexualmagie, geht es in ihrem Roman, auch um einen gesellschaftlichen Wandel in den 30er Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Nur eine befreite Sexualität erlaubt Frauen und Männer, echte Partnerschaften eingehen zu können. Damit begehrte sie unmissverständlich gegen die alten gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit auf.

„Mondmagie“ ist für mich keine „Mystic Fantasy“ sondern „Fantasy Mystic“. Genauso wie „Die Seepriesterin“ thematisiert der Roman das Wirken uralter weiblicher Magie in der Welt und macht alte Überlieferungen und ihre spirituelle Bedeutung erfahrbar.

Kurz&Knapp: Lesenswert. „Mondmagie“ ist ein vielschichtiger und faszinierender Roman über die uralte Kraft weiblicher Magie.

Dion Fortune
Mondmagie
Das Geheimnis der Seepriesterin
Taschenbuch, 312 S.
Smaragd Verlag, vollständig überarbeitete Neuauflage, 2017

Dion Fortune wurde als Violet Firth 1890 in Wales geboren. Schon früh interessierte sie sich für das Okkulte und studierte später Psychologie. Sie war eine Rosenkreuzerin, Theosophin und Gründerin einer Mysterienschule nach der westlichen Tradition, der Fraternity of the Inner Light (heute Society of the Inner Light). Als Schriftstellerin veröffentlichte sie zahlreiche okkulte Schriften, darunter verschiedene Sachbücher und die beiden Romane „Die Seepriesterin“ und „Mondmagie“. Sie starb im Alter von 55 Jahren 1946 in London an Leukämie.

Ich danke dem Smaragd Verlag für das Rezensionsexemplar.

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