Die Buch-Rezension „113 einseitige Geschichten“ von Franz Hohler (Hg.)

Hohler 11 Einseitige Geschichten, Quelle: btb
Hohler 11 Einseitige Geschichten, Quelle: btb

In dem Buch „113 einseitige Geschichten“ hat der Schweizer Schriftsteller und Kabarettist eine lebendige Vielfalt von miniaturhaften Geschichten versammelt. Seine lesenswerte Sammlung vereint klassische und moderne Autoren unterschiedlicher Couleur.

Der Schweizer Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher Franz Hohler, selbst ein Meister der pointierten Kurzprosa, liebt kurze Erzählungen und sammelt seit Jahren Geschichten, von denen keine länger als eine Seite ist. Die Auswahl umfasst sowohl groteske und lustige als auch traurige und anrührende Erzählungen. Als Autoren finden sich dabei viele bekannte, aber auch weniger bekannte Autoren. Schon die Klassiker, wie Kleist, Lessing, Hebel und später Kafka, Brecht, Canetti und Polgar widmeten sich der kurzen Form, die aus dem Alltäglichen etwas Besonderes macht. „Etwas anzufangen und überraschend aufzuhören, ist besser als etwas anzufangen und nie damit aufzuhören“, bemerkte Hohler in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Schlaglichter der Erzählkunst

Die Geschichten folgen weder einer chronologischen noch einer thematischen Gliederung. Die einseitigen Geschichten sind Schlaglichter, die kurz aufblitzen, ein Motiv beleuchten und dann wieder ausgeblendet werden. „Jede Sekunde brachte Veränderungen des Lichts, der Bewegung, der Gedanken, der Laute und der Gerüche“, schreibt passend die Schweizer Schriftstellerin Adelheid Duvanel in „Ich hasste ihn“.

Hohlers gelungene zusammengestellte Sammlung von kurzen Geschichten zeigt die ganze Vielfalt des schriftstellerischen Schaffens aus unterschiedlichen Stilepochen. Es sind kurze szenische Situationen, hinter denen oft eine längere Geschichte sichtbar wird. Sie gleichen einer „Umrundung der Inseln meines Interesses“, wie es treffend Künstler und Hochschullehrer Rolf Thiele in seinem Essay „Das wahre Leben oder Die Natur der Kunst“ sein künstlerisches Schaffen beschrieb.

Literarische Perlen

Unter den kurzen Geschichten findet sich allerlei Absurdes und Schräges, für das ich mich besonders begeistere. „Und nun werden Sie vielleicht lachen, wenn ich Ihnen sage, dass auch ich Ihnen nichts zu erzählen habe. Ich erzähle aber doch in der Hoffnung, dass Sie es verstehen werden, zwischen meinen Zeilen zu lesen“, beendet der Schriftsteller und Dada-Künstler Kurt Schwitters seine Geschichte „Das ganz einfache Leben“. Die Sammlung „113 einseitige Geschichten“ beinhaltet eine Vielzahl von zarten und lärmenden literarischen Perlen.

Hohler hat sich für den Leser zusammengetragen und breitet seinen Schatz bereitwillig vor dem Leser aus.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein Füllhorn facettenreicher Erzählkunst, angereichert mit grotesken und anrührenden Kurzgeschichten.

Franz Hohler (Hg.)
113 einseitige Geschichten
Gebundene Ausgabe,144 S.
btb Verlag, 2016

Franz Hohler geboren 1943 in Biel (Schweiz), lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Seine Gedichte, Theaterstücke und Erzählungen wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Solothurner Kunstpreis und der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.

Ich danke dem btb Verlag für das Rezensionsexemplar.

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