Die Buch-Besprechung „Kosmos großer Entdecker“ von Dr. Huw Lewis-Jones und Kari Herbert

Lewis-Jones Herbert Kosmos großer Entdecker, Quelle: Sieveking

Faszinierende Einblicke in Skizzen- und Tagebücher von 75 wagemutigen Forschern und Entdeckern aus unterschiedlichsten Jahrhunderten finden sich in dem eindrucksvollen Bildband „Kosmos großer Entdecker“ von Dr. Huw Lewis-Jones und Kari Herbert.

Skizzen- und Notizbücher vom Gipfel des Everest und vom ersten Anblick des Südpols sowie frühe Berichte von den Victoriafällen und aus dem Inneren des Grabs von Tutanchamun dokumentieren wichtige Entdeckungen der Menschheit. Die Aufzeichnungen der Entdeckungsreisenden aus unterschiedlichen Jahrhunderten faszinieren noch heute auf ganz besondere Art und Weise. Sie berichten von der Entdeckung unbekannter Welten, die niemand zuvor gesehen hatte.

Vor der Erfindung der digitalen Medien, des Films und der Fotografie trugen Entdecker ihre Beobachtungen in Tagebüchern, Karten und Zeichnungen nach Hause. Sie zeichneten ihre wissenschaftlichen Entdeckungen auf und beschrieben fremde Länder und Regionen. Skizzen- und Tagebücher, sind Medien, in denen Aufzeichnungen überdauern, auch wenn der Reisende selbst nicht zurückkehrte.

Eindrucksvolle Zeugnisse von Entdeckungen

Bereits im 16. Jahrhundert hieß es, „nimm Papier und Tinte mit“. Die Aufzeichnungen sind ein Ausdruck eines schöpferischen Aktes, der uns an der Begeisterung des Entdeckers teilhaben lässt und den Vorgang des Entdeckens dokumentiert. Den beiden Autoren Dr. Huw Lewis-Jones und Kari Herbert ist es gelungen, die eindrucksvollen Objekte der Erinnerung aus Bibliotheken, öffentlichen Archiven, Privatsammlungen oder staubigen Speichern wieder ins rechte Licht zu rücken und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es sind eindrucksvolle Zeugnisse von Menschen, die bereit waren, die Annehmlichkeiten der Heimat hinter sich zu lassen und zu einer Erkundungstour in die Terra incognita aufzubrechen. Sie sind das Risiko eingegangen, sich dem Unbekannten anzuvertrauen.

Pioniere neue Welten

Das Buch „Kosmos großer Entdecker“ versammelt Entdecker, Kartografen, Botaniker und Naturmaler, Anthropologen und Missionare, Abenteuerer und Visionäre. Es waren Männer und Frauen, die aufzeichneten, was jenseits des bekannten Horizonts lag.

Alphabetisch geordnet stellen die Autoren die Aufzeichnungen von 75 Forschern und Entdeckern aus unterschiedlichsten Jahrhunderten vor. Einige sind weltberühmt, darunter bekannte Persönlichkeiten wie Alexander von Humboldt, Charles Darwin, David Livingston, Roland Amundson und Howard Cartner, andere fast vergessen. Zumeist waren es wagemutige Männer, die als Pioniere durch die Welt reisten und neue Welten entdeckten. Sie bereisten „weiße Flecken“ der Landkarte, von denen es keine Schilderungen gab. Ihre Eindrücke hielten sie in Tagebucheinträgen und Skizzen fest, die heutzutage ein authentisches Bild vom „ersten Eindruck“ einer „neuen Welt“ vermitteln.

Im Zeitalter der Globalisierung ist es kaum noch vorstellbar, welchen Wagemut diese Männer aufbrachten, um Unbekanntes zu erforschen. Ihr Tatendrang basierte auf unterschiedlichen Motiven, sei es wissenschaftliche Neugier, Eroberungsdrang oder missionarischer Eifer oder einfach die Sehnsucht nach Ruhm und Abenteuer.

Bedeutende Naturforscherinnen

Unter den zahlreichen Entdeckern reihen sie auch wagemutige Frau ein, darunter die Schmetterlingsforscherin Margaret Fountaine, die Brandy und Banditen liebte und ihre Skizzenbücher in Seide einschlug oder die Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian. Schon mit 13 Jahren sammelte sie als kleines Mädchen Raupen, um ihre Verwandlung zu beobachten und sie zu zeichnen. Ihre Leidenschaft galt exotischen Pflanzen und Tieren. Doch erst mit 52 Jahren segelte sie 1699 mit ihrer Tochter Dorothea auf einem Kauffahrtssegler nach Surinamin, einer holländische Kolonie in Südamerika, um die Flora und Fauna des Regenwaldes festzuhalten. Faszierend ihre Zeichnungen von einem Kaiman mit einer Korallenrollschlange oder einem schwarzen Affen mit einer Surinamkirsche. Der Detailreichtum ihrer Arbeiten erinnert uns daran, auch die kleinsten aller Geschöpfe zu würdigen und niemals ein Mädchen zu unterschätzen, das Raupen sammelt.

Liebeserklärung an Tinte und Papier

Der Bildband „Kosmos großer Entdecker“ erzählt eindrucksvoll in wenigen Worten und mit vielen Illustrationen von den Gefahren und Strapazen auf den Entdeckungsreisen, aber vor allem von den beglückenden Freuden der Entdecker, die ihre Träume und Visionen Wirklichkeit werden ließen.

Und im modernen digitalen Zeitalter ist das Buch eine Liebeserklärung an Tinte und Papier. Diese beiden Utensilien ermöglichten nicht nur Aufzeichnungen, sondern spiegeln auch Gefühlslagen und Vorstellungswelten der Entdecker wider. Das Buch ist eine übersprudelnde Quelle der Inspiration für alle, die sich ihre Neugierde auf Neues bewahrt haben.

Warum nicht selbst zu Reisen oder Erkundungstouren aufbrechen, um vor Ort Gesehenes und Erlebtes auf Papier aufzuzeichnen, anstatt die digitale Ausrüstung hervorzukramen. Bereits Kurt Tucholsky riet: „Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte“. Das Buch „Kosmos großer Entdecker“ vereint beide Aspekte und öffnet den Blick für neue Horizonte.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein faszinierender Bildband über Skizzen- und Tagebücher von Entdecker aus verschiedenen Jahrhunderten und eine eindrucksvolle Hommage an Tinte und Papier.

Dr. Huw Lewis-Jones und Kari Herbert
Kosmos großer Entdecker
Leben, Skizzen und Notizen
Gebundene Ausgabe, 320 S.
Sieveking Verlag, 2016

Ich danke dem Sieveking Verlag für das Rezensionsexemplar.

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