Die Krimi-Rezension „Ein Elefant für Inspector Chopra“ von Vaseem Khan

Khan Ein Elefant für Inspector Chopra, Quelle: Ullstein

„Ein Elefant für Inspector Chopra“ von Vaseem Khan ist ein unterhaltsamer Krimi mit viel indischem Flair. Ein pensionierter Inspektor und ein kleinwüchsiger junger Elefant bilden das ungewöhnliche Duo, das in einem Mordfall in der indischen Großstadt Mumbai ermittelt.

Mit gemischten Gefühlen erlebt Inspector Chopra seinen letzten Arbeitstag als Inspektor in Mumbai. Der rätselhafte Fall eines ertrunkenen Jungen geht ihn eigentlich nichts mehr an, aber sein Nachfolger macht keine Anstalten, sich um den Fall zu kümmern. Der Inspector a. D. beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.

Ganesha sorgt für Überraschungen

Gleichzeitig wartet auf Chopra zuhause eine große Überraschung. Sein Onkel bittet ihn um einen ganz besonderen Freundschaftsdienst. Er soll sich um Ganesha, einen kleinwüchsigen Elefanten, kümmern. Der junge Dickhäuter sorgt natürlich gleich für viel Aufsehen bei der Familie und in der Wohnanlage. Das Elefantenbaby mag anfangs nicht einmal Bambussprossen fressen und fühlt sich in der neuen Umgebung sehr unwohl. Auch für Chopra beginnt der neue Lebensabschnitt ernüchternd, seine eigenen Nachforschungen und Ganesa sorgen für mancherlei Turbulenzen und Überraschungen.

Khan gelingt es in seinem Krimi-Debüt viel indisches Lokalkolorit einzufangen und verschafft dem Leser einen bunten Eindruck von den aktuellen Lebensverhältnissen in Indien, das sich zwischen Tradition und Moderne bewegt. Mumbai ist eine pulsierende 20-Millionen-Stadt, in der es beinahe unmöglich ist, auch nur einen Moment allein zu sein. Khan lässt das Gewimmel auf den Straßen, das Hupkonzert der Motorroller, die Gerüche der Garküchen sowie die Gegensätze zwischen Arm und Reich lebendig werden. Kühe, die in Indien heilig und der Albtraum jedes Verkehrspolizisten sind, fehlen natürlich auch nicht.

Ungewöhnliches Ermittlerduo

Der Leser spürt, Khan kennt sich gut mit Indien, seinen Eigenheiten und den Menschen aus. Gekonnt und unterhaltsam lässt er sein authentisches Wissen über indisches Alltags- und Familienleben in die Handlung einfließen. „Elefant für Inspector Chopra“ vermittelt leichtfüßig ein authentisches Bild des modernen Indiens und seiner Bewohner.

Mit Inspector Chopra und dem Elefanten Ganesha hat Khan zwei interessante und sympathische Charaktere geschaffen, denen man gerne bei ihren Ermittlungen über die Schulter schaut. Chopra war schon während seiner Dienstzeit ein besonderer Polizist. In einer Umgebung von scheinbar unausrottbarer Korruption, Kastenwesen und alltäglicher Kriminalität in den Slums eckte der Gandhi-Anhänger mit seiner Ehrlichkeit, Integrität und Rücksichtnahme mehr als nur einmal an.

Äußerst gelungen schildert Khan auch den ersten Tag nach Chopras Pensionierung. „Eine Weile lang blieb er im Bett liegen und starrte an die Decke. Sein Körper drängte ihn aufzustehen, zu duschen und die Uniform anzuziehen … Als er in ein einfaches weißes Hemd und eine Baumwollhose gekleidet, am Frühstückstisch erschien, kam er sich seltsam nackt vor.“

Schillernder Länderkrimi

Das Krimi-Debüt von Khan gleicht Indien aufs Haar, es ist bunt, schrill und facettenreich. Khan versteht es auf unterhaltsame Weise dem Leser, das Land der Gegensätze näherzubringen. Der gelungene Krimi-Plot ist spannend und hält einige Überraschungen und unerwartete Wendungen bereit. Ein schillernder Länderkrimi, der die Besonderheiten Indiens und seiner Kultur einfängt und für Krimifans eine unterhaltsame Geschichte liefert.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein unterhaltsamer Krimi aus einem fremden Land mit einem spannenden Fall, einem agilen Ex-Inspektor und einem äußerst liebenswerten Elefanten.

Vaseem Khan
Ein Elefant für Inspector Chopra
Babyelefant Ganesha und Inspector Chopra ermitteln in ihrem ersten Fall
Taschenbuch, 336 S.
Ullstein Taschenbuch, 2017

Auch als eBook erhältlich

Vaseem Khan, geboren 1973 in London, sah zum ersten Mal einen Elefanten auf offener Straße im Jahr 1997, als er nach Indien kam, um dort als Unternehmensberater zu arbeiten. Es erschien ihm damals höchst seltsam und diente als Inspiration für seinen ersten Kriminalroman. 2006 kehrte er nach England zurück und arbeitet seitdem am University College London für die Abteilung Sicherheits- und Kriminalwissenschaften.

Ich danke Ullstein für das Rezensionsexemplar.

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