Die Roman-Rezension „Der Skeptiker und der Guru“ von Bärbel Mohr

Mohr Der Skeptiker und der Guru, Quelle: Silberschnur/Omega

„Der Skeptiker und der Guru“ ist ein amüsanter Roman, über das „weltfremde“ Leben in einem indischen Ashram, der jetzt wieder neu aufgelegt wurde. Bärbel Mohrs unterhaltsame Geschichte steckt voller tiefsinniger spiritueller Weisheiten und ist gleichzeitig urkomisch.

Elli nimmt ihren neuen Freund Ralf mit zu ihrem Lieblingsguru in ein indisches Ashram. Für sie ist die Reise zu Saraji die Krönung ihrer frischen Liebesbeziehung. Das Pärchen könnte jedoch unterschiedlicher nicht sein. Sie ist eine weltfremde „totale Esoterikerin“ und eine glühende Anhängerin ihres Gurus. Ralf, der eigentlich nur ihr zuliebe mitreist, ist ein gestandener Geschäftsmann und der Inbegriff des geborenen Skeptikers. „Wahrscheinlich besteht der Deal darin, dass sie in unserer Beziehung meine Wüstenseele rettet, die bisher keine Liebe kannte, und ich muss den weltlichen Teil von ihr retten, der diesem Guru verfallen ist, was sie daran hindert, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen“, vermutet Ralf.

Parallele Welten und ein Guru

Beide berichten parallel in Tagebuchaufzeichnungen über ihre Erfahrungen in einem indischen Ashram. Zunächst ist Ralf verwundert, dass man die Zimmer bei Ankunft selbst putzen darf, die Küche weder über Geschirr noch über Stühle und Tische verfügt und die Essenströge einfach irgendwo auf den Boden gestellt werden. Der Tag besteht aus Mediation und Mahlzeiten, ansonsten wartet man darauf, ob sich der Guru blicken lässt oder nicht.

Elli ist der Überzeugung, dass sich im Ashram alles, was man denkt und fühlt, schneller verwirklicht als außerhalb. Eigenartigerweise trifft immer genau das ein, was sich ihr Freund Ralf vom Guru wünscht. Doch Ralf zweifelt weiter, kann etwa Saraji Gedanken lesen? Und kann er Ringe und anderes aus dem Nichts materialisieren?

Universum der Freude

Der Reiz des Romans von Bärbel Mohr besteht darin, dass die Erlebnisse im Ashram und mit dem Guru aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden. Auf der einen Seite führt die glühende Anhängerin Elli fast alle Ereignisse auf die Anwesenheit des Gurus zurück. Auf der anderen Seite zweifelt der skeptische Ralf fast alles an. Der Leser pendelt vergnüglich zwischen den beiden Gedankenwelten hin und her, was für viele Schmunzeleien sorgt und auch zum Nachdenken anregt. Mohr versteht es, auf unterhaltsame Art dem Leser eindrucksvoll vor Augen zu führen, wie leicht es ist, Ereignisse aus ganz konträren Blickwinkeln zu betrachten. Sie zeigt auf, dass sich das Leben durch die persönliche Einstellung und Haltung aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten lässt. „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“, bemerkte schon der Maler, Schriftsteller und Provokateur Francis Picabia. Elli und Ralf erleben genau das, was sie sehen wollen. Der Guru, der ein Universum der Freude propagiert, wird seine helle Freude daran gehabt haben, die beiden beobachten zu können.

Mit Herz und Verstand

Dem Buch „Der Skeptiker und der Guru“, das in einer überarbeiteten Ausgabe neu erschienen ist, merkt man deutlich an, dass die vielen Details, die manchmal auch arg übertrieben daherkommen, auf persönlichen Erfahrungen der Autorin in verschiedenen Ashrams basieren.

„Der Skeptiker und der Guru“ liest sich sehr vergnüglich und sorgt für puren Lesespaß. Das Buch lädt zum Schmunzeln ein und vermittelt spirituelle Weisheiten auf sehr unterhaltsame Weise.

Egal ob man nun zu den Anhängern eines Gurus oder zu Skeptikern eines Ashrams gehört, jeder kann bei dem Buch seinen Lesespaß haben, solange er sich selbst nicht zu ernst nimmt und auch andere Sichtweisen akzeptiert. Das Buch vermittelt anschaulich und eindringlich jeder Mensch hat seine eigene ganz persönliche Wahrheit, die man nicht zu ernst nehmen sollte. Die beschränkten Möglichkeiten des menschlichen Verstandes sind bei Weitem nicht alles, was das Leben zu bieten hat, wenn wir uns nur für seine Möglichkeiten öffnen.

Kurz&Knapp: Leseempfehlung. Ein amüsantes Buch voller spiritueller Weisheiten und vieler Schmunzeleien.

Bärbel Mohr
Der Skeptiker und der Guru
Auf dem Weg zur eigenen Wahrheit
Broschiert, 192 S.
Silberschnur/Omega Verlag, 2017

Mohr, Bärbel (1964 – 2010) arbeitete als Fotografin, Redakteurin und Grafikerin, bevor sie 1995 zu schreiben begann. Gleich ihr erstes Buch „Bestellungen beim Universum“ wurde ein Beststeller. In ihren weiteren Büchern thematisierte sie u.a. alternative Lebens-, Heilungs-, Energiekonzepte sowie paranormale Phänomene. Sie gab Seminare im In- und Ausland und schrieb Kinderbücher, Romane und Drehbücher, produzierte Videos und Hörbücher.

Ich danke Silberschnur/Omega Verlag für das Rezensionsexemplar

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s