Die Roman-Rezension „Noah will nach Hause“ von Sharon Guskin

Guskin Noah will nach Hause, Quelle: Allegria

Das Phänomen der Wiedergeburt thematisiert Sharon Guskin in ihrem gelungenen Debütroman „Noah will nach Hause“. Eine berührende und fesselnde Geschichte, um einen kleinen Jungen, der sich nach seinem „anderen“ Zuhause und seiner Mutter sehnt.

Janie hat sich immer für eine patente und erfolgreiche Frau gehalten. Sie arbeitete viel und baute eine eigene Firma aus dem Nichts auf, obwohl sie ihren Sohn Noah allein aufziehen musste. Doch jetzt droht sie an der einzigen Sache zu scheitern, die für sie wirklich zählt. Den Vierjährigen plagen tagsüber Wein- und Schreikrämpfe und nachts ein häufig wiederkehrender Albtraum, in dem er unter Wasser gedrückt wird. Abends, bevor er zu Bett geht, sagt er, dass er nach Hause will und fragt, wann seine Mutter kommt. Was stimmt mit Noah nicht? Besuche bei Psychologen helfen nicht. Als sie keine Alternative mehr sieht, außer Noah mit Medikamente vollzupumpen, wendet sie sich an den bekannten Spezialisten und Forscher Dr. Jerome Anderson. Der Psychologieprofessor führt seit vielen Jahrzehnten Studien an Kleinkindern durch, die sich an Einzelheiten aus früheren Leben zu erinnern scheinen. Er hat annähernd 3000 Fälle bearbeitet und will beweisen, dass Reinkarnation kein Hirngespinst ist.

Erinnern an ein früheres Leben

Janie traut Anderson nicht, aber sie braucht ihn und er sie, da er für die Veröffentlichung seines Buches noch einen amerikanischen Fall von Wiedergeburt benötigt. Im Gegensatz zu Indien, wo der Glaube an die Reinkarnation in der Kultur des Hinduismus und Buddhismus verankert ist, stößt er in Amerika auf viel Skepsis und muss bei möglichen Fällen sehr behutsam vorgehen, um überhaupt Auskünfte zu erhalten. Noah soll sein letzter Fall werden, da Anderson an Aphasie erkrankt ist, die eine völlige Störung der Sprache zur Folge haben kann und er nicht weiß, welchen Verlauf die Krankheit nehmen wird.

Wird Jerome Anderson dem kleinen Noah und Janie helfen können? Die Drei machen sich mit nur wenigen Anhaltspunkten auf die Suche nach dem Ort, dem Haus und der Mutter, nach der Noah sich sehnt.

„Noah will nach Hause“ ist eine spannende und unterhaltsame Geschichte über das Phänomen der Wiedergeburt. Gibt es Reinkarnation, wäre dies der Beweis dafür, dass unser Bewusstseins nach dem Tod weiter besteht. Im Mittelpunkt des berührenden Romans stehen eine verzweifelte alleinerziehende Mutter, die ihr Kind einfach nur glücklich sehen will und einem Wissenschaftler, der sein Lebenswerk vollenden möchte, bevor seine Erkrankung dies unmöglich macht.

Ewiger Kreislauf des Lebens

Sharon Guskin lädt den Leser zur gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Thema Reinkarnation ein. Neben der fiktiven Romanhandlung sind in dem Buch auch gesondert Fallbeispiele aus dem Buch „Life before Life: Children’s Memories of Previous Lives“ von Dr. Jim B. Tucker eingefügt. Meist indische Kinder weisen markante Geburtsmale auf und machen Angaben, dass sie sich an ein früheres Leben erinnern.

Wer bisher um das Thema Wiedergeburt einen großen Bogen gemacht hat, sollte sich vielleicht einmal auf folgendes kleines Gedankenspiel einlassen. Wie heißt es doch so schön, man lebt nur einmal. Aber was wäre, wenn es anders wäre und das Leben wieder und wieder stattfindet. Man nicht nur ein Leben hat, sondern viele und sich die Folgen seines Handelns über Jahrhunderte und alle Kontinente erstrecken. Was ist, wenn wir in einem vergangenen Leben mit jemandem bekannt gewesen wären, der uns auf der Straße begegnet? Können wir uns daran nur nicht mehr erinnern? Allein diese Vorstellung kann die Sichtweise auf die Mitmenschen und das Leben von Grund auf ändern.

„Noah will nach Hause“ ist ein Buch, das das Erinnern an ein früheres Leben literarisch verarbeitet. Es geht um den ewigen Kreislauf von Leben,Tod und Wiedergeburt, um Erinnern und Vergessen und um den Sinn des Lebens. Für die Hindus bedeutet der Tod nicht das Ende, sondern der Übergang in ein neues Leben. Sharon Guskin verpackt in ihrem Debütroman das Thema Wiedergeburt in eine bewegende und fesselnde Geschichte.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein Roman über das Phänomen der Wiedergeburt, der berührt und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.

Sharon Guskin
Noah will nach Hause
Spiritueller Roman
Klappenbroschur, 432 S.
Allegria, 2016

Auch als eBook erhältlich.

Sharon Guskin hat an der Yale University und der Columbia University School of the Arts studiert. Sie ist Autorin und Produzentin preisgekrönter Dokumentarfilme. Mit ihrem Mann und ihren Söhnen lebt sie in Brooklyn. Die Idee für ihren Roman hatte sie als junge Frau während eines Praktikums in einem Flüchtlingslager in Thailand und später kurz nach der Geburt ihres ersten Sohnes. „Noah will nach Hause“ ist ihr erster Roman.

Ich danke Allegria für das Rezensionsexemplar.

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