Die Buch-Rezension „Spirituelle Ökologie“

Vaughn Spirituelle Ökologie, Quelle: Neue Erde

Ist unser Ökosystem bereits an einem „Kipp-Punkt“ angelangt, der nicht mehr umkehrbar ist? Die Essaysammlung „Spirituelle Ökologie“ zeigt deutlich auf, die ökologische Krise ist selbst gemacht und nur ein einschneidender Bewusstseins- und Wertewandel kann unsere Erde wieder heilen.

Die Erde befindet sich in einem globalen Ungleichgewicht, Erdbeben, Tsunamis, Dürre und andere Naturgewalten nehmen zu. Unsere materialistische Lebensweise ist die Ursache für den Klimawandel und die ökologische Zerstörung der Erde. Wir leben nicht nachhaltig, sondern gehen weiterhin verschwenderisch mit den Ressourcen der Erde um. Globale Umweltverschmutzung, Versauerung der Meere, massive Zerstörung von Wäldern und Feuchtgebieten sowie die Zerstörung von Arten und Lebensräumen werden zugunsten eines kurzzeitigen Wirtschaftswachstums weiterhin billigend in Kauf genommen. Wir alle tragen die Verantwortung dafür, meint Herausgeber Llewellyn Vaughan-Lee. Wenn wir mit dem Auto oder Flugzeug reisen, nehmen wir aktiv an der ökologischen Zerstörung teil.

Spirituelle Antwort auf die ökologische Krise

Dabei ist es dringend notwendig, dass ein Bewusstseinswandel eintritt und die Menschheit ihre Lebensweise in Bezug auf Natur und Umwelt ändert, damit sie eine größere Überlebenschance hat. „Wir haben jegliche Form der spirituellen Beziehung zum Leben und zum Planeten vollständig verloren oder vergessen“, meint die Herausgeberin. Wir müssen dringend wieder eine Beziehung zu unserem Planeten zurück erlangen, wie es die indigenen Völker hatten. Für sie war die Erde ein heiliges, ineinander verflochtenes und lebendes Ganzes. „Wir haben vergessen, wie man die Seele der Welt nährt und von ihr genährt wird“. Die Natur ist keine gefühllose Materie, sie ist voll von unsichtbaren Kräften, die über eine eigene Intelligenz und tiefes Wissen verfügen.

Wir wissen nicht mehr, wie man der Stimme der Weltenseele lauscht oder ihre Zeichen liest. Was können wir tun? Der erste Schritt besteht immer darin, zu erkennen, was geschieht. Und wir können lernen auf nachhaltigere Weise zu leben und daran arbeiten, das spirituelle Ungleichgewicht in der Welt zu heilen. Solange wir nicht unserer Vorstellung von der Abgetrenntheit auf den Grund gehen, kann es aber keine Heilung geben, damit die Welt wieder ins Gleichgewicht kommt.

Ruf der Erde

Damit der Ruf der Erde nicht ungehört verhallt vereint der Essayband „Spirituelle Ökologie“ 20 Antworten aus verschiedenen Kulturkreisen, Religionen und Ländern. Die unterschiedliche Sichtweise der Autoren ist ein Weckruf, der teilweise sehr eindringlich klingt, um innezuhalten und umzudenken. Vertreter des Buddhismus, des Sufismus, des Christentums und der indianischen Ureinwohner sowie Physiker, Psychologen und andere Wissenschaftlern kommen zu Wort, um uns an unsere wahren Wurzeln zu erinnern. Wir sind alle ein Teil der Natur und wir sind alle „Teil eines einzigen lebendigen und spirituellen Wesens“, wie es Herausgeber Llewellyn Vaughan-Lee formuliert.

Glocken der Achtsamkeit

„Wir müssen die Glocken der Achtsamkeit hören“, lautet der eindringliche Appell vom zenbuddhistischen Mönch und Friedensaktivisten Thich Nath Hanh „Wir alle wissen, dass unser schöner, grüner Planet in Gefahr ist. Die Art und Weise, wie wir über die Erde gehen, hat einen großen Einfluss auf Tiere und Pflanzen. Doch wir verhalten uns so, als ob unser Alltagsleben nichts mit dem Zustand der Welt zu tun hätte. Wir sind Schlafwandler, die nicht wissen, was sie tun oder wohin sie unterwegs sind.“

Thomas Berry, einer der einflussreichsten zeitgenössischen Vertreter erdverbundener Spiritualität, beklagt, „wir haben unsere Verbindung zu dieser anderen, tieferen Wirklichkeit der Dinge verloren“. Und die amerikanische Schwester Miriam McGillis, Gründerin der „Genesis Farm“, schreibt, „wir sind gefordert, unsere fundamentale, westlich-industrielle Einstellung zu verändern und zu transformieren. Das ist eine große Herausforderung.“ Als globale Kultur müssen wir den Schritt in eine neue Vision wagen, welche die Heiligkeit des Landes und die Wiederverbindung mit dem Mysterium des Lebens bewusst unterstützt. Erforderlich ist ein Bewusstseins- und Wertewandel. Liebe und Verbundenheit sind das Herz der spirituellen Ökologie, formuliert es Thich Nath Hanh.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Eine spirituelle Sichtweise auf die weltweite ökologische Zerstörung und ein eindringlicher Weckruf, der zu einem Bewusstseins- und Wertewandel auffordert.

Llewellyn Vaughan-Lee (Hrsg.)
Spirituelle Ökologie
Der Ruf der Erde
Paperback, 288 S.
Neue Erde, 2015

Auch als eBook erhältlich.

Ich danke Neue Erde für das Rezensionsexemplar.

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