Die Buch-Rezension „Mythische Bäume“

Mytische Bäume, Quelle Kosmos

Viele Märchen, Mythen und Lieder handeln von Bäumen und dem Wald. In ihrem großartigen und reich bebilderten Buch „Mythische Bäume“ vermitteln die Autoren Ursula Stumpf, Andreas Hase und Vera Zingsem, welche Faszination von diesen Wunderwerken der Natur ausgeht und welche vielfältige Bedeutung sie für die Menschen haben.

Unsere Vorfahren waren schon immer eng mit dem Wald und den Bäumen verbunden. Ursprünglich war fast ganz Mitteleuropa von Wald bedeckt. Alles, was der Mensch brauchte, fand er dort. Bäume fanden Verwendung als Baumaterial und als Werkstoff für Geräte, Haushaltsgegenstände und Waffen. Sie dienten zum Feuer machen, zur Ernährung und zum Schutz.

Bäume – Symbol für Werden und Vergehen

Besonders die Gestalten von alten Bäumen üben eine ganz eigene Atmosphäre aus. Ihr Alter, das ein Menschenleben weit überdauert, erweckte ein Gefühl von Ehrfurcht. Sie sind Sinnbild für Kraft und Beständigkeit sowie für Werden und Vergehen.

Die Faszination, die von Bäumen ausgeht, findet sich in fast allen alten Kulturen. Sie galten als Geschenke der Götter und waren den Menschen heilig. Bedeutende Göttinnen wurden in Gestalt von Bäumen verehrt. Im alten Ägypten verehrte man die Himmels- und Liebesgöttin Hathor, die dem Maulbeerfeigenbaum ihre Seele lieh. Der Weltenbaum gehört zur Mythologie vieler Völker und ist ein altes Symbol der kosmischen Ordnung. In den verschiedenen Kulturen waren unterschiedliche Baumarten wie Birke, Eiche oder Esche mit ihm verwunden. Im Altertum kannten die mesopotamischen und indischen Kulturen sowie Griechen, Germanen, Juden, Kelten, Römer und Slawen geweihte Bäume oder Haine. Die Germanen sahen Bäume als heilige weibliche Wesen an und nannten sie Frau Linde, Frau Ellhorn (Holunder) und Frau Weckolter (Wachholder).

Die heimischen Mythen erzählen, dass wir den Bäumen unser Leben verdanken. In der nordischen Mythologie stammt die gesamte Menschheit von Bäumen ab. Die ersten Menschen waren Ask und Ebla, Esche und Ulme.

Die wichtige Rolle die Bäume im Leben der Menschen spielen lässt sich heute auch wissenschaftlich belegen. Bäume sind lebensnotwendig für das Ökosystem der Erde und für den Menschen. Sie versorgen uns mit Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen, sie sichern den Wasserkreislauf, schenken Nahrung, Werkzeug und Heilung und erfreuen unsere Sinne.

Sinnliche Baumporträts

Das Buch „Mythische Bäume“ stellt 15 heimische Arten, wie Eiche, Eibe, Buche, Apfel oder Holunder, in einem eigenen Kapitel mit botanischem Steckbrief vor. Die Autoren haben viel Wissenswertes über Mythologie, Brauchtum, traditionelles Handwerk und Nutzung zusammengetragen. Daneben vermitteln sie Tipps für Kochrezepte und Heilrezepturen, zum Wohnen mit Holz und über Initiativen zum Baumschutz.

Der Apfelbaum ist ein Baum, um den sich uralte mythologische Geschichten ranken. Er ist das Symbol des Lebens und der Liebe, der Fruchtbarkeit und des Weiblichen, aber auch der Verführung. Untrennbar mit dem Apfelbaumverbunden ist Frau Holle aus dem gleichnamigen Märchen, die früher als Göttin Holle verehrt wurde. Die Äpfel sind Vorbild für die roten Kugeln am Weihnachtsbaum und ein Sinnbild für ewiges Leben. Der Apfel sorgt für Wohlbefinden des Magens und Darms und bringt die Entgiftung des Körpers in Schwung.

Die Birke ist der Baum von Neugeburt und Wandel, die Buche der Baum des Schicksals, die Eiche ein Orakelbaum, die Linde der Baum der Liebe und Gerechtigkeit sowie Fichte und Tanne als Bäume der Erleuchtung und Erlösung. Jeder mythische Baum war früher wie eine lebendige Himmelsleiter zu neuen Bewusstwerdungen. Sie waren Sinnbild dafür, dass die wahre Himmelsleiter bereits ein Teil von uns ist.

Die Autoren gehen auch auf die wachsende Zerstörung der Wälder ein. Schon früher gab es einen starken Raubbau an den Wäldern. Wenig bekannt ist, dass die Buche bis in die frühe Neuzeit eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Glas spielte. Die Holzasche diente als Grundlage für die Pottasche, die für die Erzeugung von grünem Waldglas benötigt wurde.

Faszinierende Sicht auf Bäume

Den Autoren sind sinnliche Baumporträts gelungen, die eine umfassende und faszinierende Sicht auf die Bäume und ihre Arten ermöglichen. Sie tauchen tief in die Mythologie-, Sagen- und Märchenwelt ein und vermitteln eine Fülle von interessanten Aspekten aus Brauchtum, altem Heilwissen, Botanik, Holznutzung und -verwendung sowie Medizin,

Die Vielzahl stimmungsvoller Baumbilder erleichtert es, beim Lesen ein sinnliches Gespür für die einzelnen Baumarten zu entwickeln. Sie wecken auch die Lust beim nächsten Spaziergang, selbst einmal Bäume genauer anzuschauen und sich von ihnen faszinieren zu lassen.

Nach dem Lesen des Buches „Mythische Bäume“ betrachtet man die Bäume gewiss mit ganz anderen Augen. „Mythische Bäume“ ist ein sinnliches Buch, das den Leser auf eine magische Reise zu diesen eindrucksvollen Wunderwerken der Natur und deren Geheimnissen mitnimmt.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. „Mythische Bäume“ ist ein eindrucksvolles Buch über die Faszination und Magie der Bäume.

Ursula Stumpf, Andreas Hase, Vera Zingsem
Mythische Bäume
Kulte und Sagen, Heilkunde und Nutzwerte, traditionelles Handwerk
Gebundene Ausgabe, 240 S.
Kosmos, 2017

Dr. Ursula Stumpf ist Kräuterfrau, Heilpraktikerin und gelernte Apothekerin. Sie verfügt über einen Erfahrungsschatz von 20 Jahren eigener Heilpraxis und vereint schulmedizinische und ganzheitliche Zugänge zur Heilkraft von Pflanzen.

Andreas Hase ist Geschäftsführer einer gemeinnützigen Ferienanlage für Familien und naturverbundenen Bildungsstätte. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Natur, Wald und Bäumen.

Vera Zingsem ist Theologin, Mythenforscherin , Pädagogin, FH-Dozentin und freie Autorin. Sie hat bereits mehrere Bücher zur Mythologie veröffentlicht.

Ich danke Kosmos für das Rezensionsexemplar.

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