Die Thriller-Rezension „Der Tod so kalt“ von Luca D‘Andrea

DAndrea Der Tod so kalt, Quelle: Deutsche Verlags-Anstalt

Vor der atemberaubenden Kulisse der Südtiroler Bergwelt spielt der spannende Thriller „Der Tod so kalt“ von Luca D’Andrea. Ein New Yorker Dokumentarfilmer versucht auf eigene Faust, hinter das dunkle Geheimnis eines ungeklärten Mordes an drei jungen Einheimischen zu kommen.

Jeremiah Salinger, ein New Yorker Dokumentarfilmer, reist mit seiner Frau Anneliese und Tochter Clara für einige Monate nach Siebenhoch in den Südtiroler Dolomiten. In dem Heimatdorf seiner Frau, einem abgelegenen Bergdorf, gönnt er sich eine Auszeit, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Doch der Hubschrauber der Bergrettung Dolomiten inspiriert ihn dazu, einen Film über die Arbeit des Bergrettungsteams zu drehen. Bei den Dreharbeiten auf den Ortler ereignet sich ein schrecklicher Unfall. Bei einem Rettungsversuch wird der Hubschrauber von einer Lawine erfasst und Salinger überlebt als Einziger schwer verletzt in einer Gletscherspalte. Seitdem leidet er unter Panikattacken, Albträume und Wahnvorstellungen. Er glaubt immer wieder, die Stimme einer Bestie zu hören, die er erstmals tief im Inneren der Gletscherspalte vernommen hatte. Er verspricht seiner Frau, sich für längere Zeit zu schonen und nicht mehr zu arbeiten.

Schrecken und Schönheit der Bergwelt

Doch ein ungelöstes Verbrechen, das dreißig Jahre zurückliegt, weckt seine Interesse. In der Bletterbach-Schlucht wurden ein junges Paar und der Bruder der jungen Frau bestialisch ermordet und ihre Leichen zerstückelt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch die Dorfbewohner hüllen sich in Schweigen. Obwohl es zahlreiche Verdächtige gab, konnte der Mörder noch immer nicht gefasst werden. Salinger möchte unbedingt die Wahrheit über das Bletterbach-Massaker herausfinden. Er beginnt Fragen zu stellen, stößt bei den Dorfbewohnern aber nur auf Argwohn. Sein Schwiegervater, der die Toten damals gefunden hat, warnt ihn vor den Konsequenzen. Ein Fluch scheint alle zu verfolgen, die sich mit den Morden beschäftigen.

Luca D’Andrea gelingt es in „Der Tod so kalt“ eine äußerst bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Er macht die Dolomiten zum Schauplatz eines furchtbaren Verbrechens. Dabei spielt die Landschaft in dem Thriller eine tragende Rolle, die trotz aller Schönheit auch beklemmende Gefühle auslösen kann. D’Andrea beschreibt, welche tückischen Gefahren in der Bergwelt lauern und wie es sich anfühlt, hilflos den Naturgewalten ausgeliefert zu sein. In den Bergen herrschen ganz eigene Gesetze, ob man will oder nicht. In extremen Ausnahmesituationen zählt nur eines – das Überleben.

Mauer des Schweigens

Luca D’Andreas entpuppt sich als kenntnisreicher Autor der Region und fängt die ursprüngliche Mentalität der Südtiroler gut ein. Er zeichnet ein atmosphärisch dichtes Porträt einer verschworenen Dorfgemeinschaft mit vielen verschrobenen Menschen, die vor Fremden vieles verbergen. Der junge Amerikaner erlebt die Südtiroler Dorfgemeinschaft als unzugänglich und voller doppelter Moral.

Geheimnis des Bletterbach-Massakers

Salinger spürt am eigenen Leib das Misstrauen, das ihm von den Einheimischen entgegengebracht wird. Und das immer mehr zunimmt, je tiefer er versucht hinter das Geheimnis des Bletterbach-Massakers zu kommen und dies, obwohl seine Ehefrau eine Einheimische ist. Salingers Recherchen nehmen die Formen einer Besessenheit an. Den gut gemeinten Rat, dass er sich von der Geschichte nicht auffressen lassen soll, schlägt er in den Wind. Doch Salinger kann es nicht lassen, er steht mächtig unter Druck. Er leitet noch immer unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung und seine Ehe droht zu scheitern. Wird er den Fall lösen und wieder zurück ins normale Leben finden?

„Der Tod so kalt“ ist ein abwechslungsreicher, atmosphärisch dichter Thriller mit gut gezeichneten Charakteren. D’Andrea versteht es, Spannung aufzubauen und sie bis zum Ende aufrechtzuerhalten. Die manchmal allzu theatralisch-dramatischen und fantastischen Ausflüge, die er sich in seinem Erstlingswerk gestattet, sind der überbordenden Fantasie des Autors geschuldet. „Der Tod so kalt“ ist eine Story mit vielen Facetten und die Auflösung des Falles kommt auf jeden Fall völlig überraschend. Luca D’Andrea sorgt mit seinem Thriller garantiert für abwechslungsreiche und spannende Unterhaltung.

Lesenswert. Ein spannender und atmosphärisch dichter Thriller vor der atemberaubenden Kulisse der Südtiroler Bergwelt.

Luca D’Andrea wurde 1979 in Bozen geboren, wo er heute noch lebt. Er stieg mit seinem ersten Thriller sofort in die Riege der internationalen Top-Autoren auf. „Der Tod so kalt“ erschien in rund 40 Ländern und wurde fast überall zum Bestseller. Die Geschichte führt nach Südtirol, in die Heimat des Autors, über die er auch journalistisch gearbeitet hat: Am bekanntesten ist seine TV-Produktion „Mountain Heroes“, in der er für das italienische Fernsehen die Bergrettung porträtierte.

Luca D’Andrea
Der Tod so kalt
Paperback, 480 S.
Deutsche Verlags-Anstalt, 2017

Auch als eBook erhältlich.

Ich danke der Deutsche Verlags-Anstalt für das Rezensionsexemplar.

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