Die Buch-Rezension „Die Weisheit des Westens“ von Manfred Ehmer

Ehmer Die Weisheit des Westens, Quelle: tredition

Nicht nur in Indien gibt es seit Jahrtausenden ein reichhaltiges Füllhorn spirituellen Wissens, sondern auch in Europa, wie Manfred Ehmer in seinem Buch „Die Weisheit des Westens“ fundiert darlegt. Er beschreibt die unterschiedlichen Strömungen von den ältesten Ursprüngen bis in die heutige Gegenwart und bringt das „Licht aus dem Westen“ zum Leuchten.

Das spirituelle Wissen unserer eigenen Vorfahren in Ur-Europa kennen viele nur bruchstückhaft. Die facettenreiche Kulturgeschichte des geistigen Abendlandes findet heute kaum die Beachtung, die ihr eigentlich gebührt. Schließlich wurzeln wir in diesen Traditionen und sie können eine Quelle der Kraft sein. Manfred Ehmer zeigt kenntnisreich die Entwicklung von der sagenumwobenen Urheimat Atlantis über megalithische Mysterienreligionen, keltischem Druidentum, griechischen Mythologie bis hin zur magischen Renaissance auf. In neuerer Zeit waren besonders Helena Petrovna Blavatsky, Rudolf Steiner und Teilhard de Chardin Träger spirituellen Wissens.

Quellen europäischer Spiritualität finden sich im Sonnen-Mysterium von Atlantis, das sich über den gesamten Mittelmeerraum (einschließlich Ägypten), über Nord- und Westeuropa bis nach Vorderasien und Nordwestindien verbreitete. Nach dem Untergang des sagenhaften Inselstaates lebte der Sonnengott in der Megalithkultur, der germanischen Edda-Religion und der altgriechischen Mysterienreligion fort.

Mythos Atlantis

Die Urerinnerungen der Menschheit verbinden mit Atlantis den Urzustand des vollkommenen Glücks und Friedens, in dem der Mensch noch ganz im Einklang mit dem Göttlichen lebte. Atlantis war das Weltreich des Sonnengottes. Den alten Kulturen offenbarte sich die Sonne anders als heute auf einer höheren Wahrnehmungs-Ebene als geistig-göttliche Qualität.“Die Welt erscheint noch als ein ungeteiltes Ganzes, als ein lebendiger und beseelter Natur-Geist-Organismus“, schreibt Ehmer.

In der Jungsteinzeit besiedelten die Megalithvölker Europa. Sie vollzogen den Übergang vom Nomadentum zur Sesshaftigkeit in dörflichen Siedlungen, und brachten die älteste uns bekannte Religion, den Kult der „Großen Mutter“ hervor. Mit Beginn der Bronzezeit wurde die Große Muttergöttin zurückgedrängt und ersetzt durch einen göttlichen Sonnenhelden, der den Jahreskreis durchläuft. Gesellschaftlich bildete sich ein „aristokratisches Prinzip“ im Gegensatz zur „egalitären Ackerbau treibenden Gesellschaft“ der Jungsteinzeit.

Uralter Sonnenkult

Die Völkerwanderungen der Indoeuropäer, die als Nomaden bis nach Indien gelangten, trugen den Sonnenkult weiter. Er findet sich bei Römern, Ägyptern, Griechen sowie bei Kelten und Germanen wieder. Auch im Christentum finden sich Spuren des uralten Sonnenkults. Ostern, eines der ältesten Feste der Christenheit, hat seinen Ursprung in einem Sonnenfest.

Den Weg vom Mythos zum Logos und zur Philosophie bezeichnet Ehmer als eigentlichen Schicksalsweg des Abendlandes. Die Griechen waren die ersten unter den Völkern Europas, die sich vom mythischen Denken abwendeten.
Synthese aus Wissenschaft, Religion und Philosophie

In der Moderne waren es zunehmend einzelne Persönlichkeiten, die die spirituelle Entwicklung ihrer Zeit prägten. Die Russin Helena Blavatsky, Rudolf Steiner und Teilhard de Chardin sorgten jeder auf seine Art für eine zunehmende Synthese aus Wissenschaft, Religion und Philosophie.

Kaum eine moderne Wissenschaft hat unsere Vorstellungen, unser Denken und unser Weltbild so nachhaltig beeinflusst wie die Physik. Sie hat dabei nur bestätigt, was uralte indische Schriften verkündeten. Die Auffassung des Universums als eine geistige Einheit, die seit jeher fester Bestandteil der spirituellen Weltsicht als Ausdruck eines all-einigen Gottes ist, findet sich heute wissenschaftlich bestätigt. „Es gibt kein starres Sein, sondern nur ein ewig-dynamisches Werden, Vergehen und Neuentstehen (der )“, schreibt Ehmer.

Solides Fundament

„Die Weisheit des Westens“ liefert keine fertigen Antworten für den „einen“ spirituellen Weg, noch löst es die vielen Rätsel vergangener Religionen. Ehmer berichtet über die faszinierende Vielfalt von religiösen Strömungen in Europa. Er verglich dabei unterschiedlichste Lebensweisheiten verschiedener Kulturen, die bis heute das spirituelle westliche Weltbild mitprägten. Nach der Lektüre dieses Buches kann man sich nur verwundert die Augen reiben, warum die europäische Vielfalt spiritueller Lehren so ins Abseits geraten ist. Sie ist ein solides Fundament, auf das es sich lohnt, sich wieder mehr zu besinnen.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Eine faszinierende und erkenntnisvolle Reise durch den reichhaltigen Schatz spirituellen Wissens in Europa.

Manfred Ehmer
Die Weisheit des Westens
Mysterien, Magie und Einweihung in Europa
Paperback, 552 S.
Tredition, 2016

Auch als eBook erhältlich.

Dr. Manfred Ehmer, wissenschaftlicher Sachbuchautor, hat sich in seinen Veröffentlichungen darum bemüht, die Spuren der verschütteten Weisheit einer ‚Ewigen Philosophie‘ oder philosophia perennis in der Kulturgeschichte des Abendlandes sichtbar zu machen.

Ich danke Tredition für das Rezensionsexemplar.

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