Die Buch-Rezension „Lass dich nicht im Stich“ von Pierre Stutz

Stutz Lass dich nicht im Stich, Quelle: Patmos

Die spirituelle Botschaft von Ärger, Zorn und Wut entschlüsselt das Buch „Lass dich nicht im Stich“. Der katholische Theologe und Autor Pierre Stutz verdeutlicht, welche vitale Kraft hinter diesen oft „ungeliebten“ Gefühlen steckt und warum es wichtig ist, sie konstruktiv zu leben.

Ärger, Zorn und Wut gehören genau wie Liebe zum Menschsein dazu. Pierre Stutz, Autor vieler erfolgreicher Bücher zur Spiritualität im Alltag, geht in seinem Buch „Lass dich nicht im Stich“ der Frage nach, welche spirituelle Botschaft diese oft „ungeliebten“ Gefühle bereithalten. Aggression ist zunächst wertfrei und beinhaltet die lebensnotwendige Fähigkeit, „Ja“ oder „Nein“ sagen zu können. In spirituellen Kreisen, die vor allem nach Freude, Liebe und Harmonie streben, hat Wut meist keinen Platz. Gerade spirituelle Menschen versagen sich oft diese „negativen Gefühle“. Wut und Zorn sind aber ebenso wie Freude, Angst und Trauer grundlegende Emotionen des Menschen.

Gefühle lassen sich nicht verdrängen und verleihen unserem Leben die Würze. Was wir fühlen, prägt unser Seelenleben. Gefragt ist ein respektvoller, konstruktiver Umgang mit Wut, der andere nicht verletzt. Damit dies gelingt, gilt es Selbstvertrauen und den Mut zu entwickeln, sich nicht im Stich zu lassen, sondern sich zu wehren. Für einen alltäglichen Friedensweg ist es unabdingbar, die Kraft der Aggression positiv freizusetzen, meint Stutz

Authentische Lebenserfahrungen

„Lass dich nicht im Stich“ ist aber nicht nur eine theoretische Abhandlung über diese oft missverstandenen Gefühle. Stutz berichtet offen über seine eigenen Erfahrungen im Umgang diesen „ungeliebten“ Gefühlen. „Im Zusammenleben mit anderen Männern im Kloster blieb jedoch das Ausweichen von Konflikten das prägende Alltagsgefühl, was mich oft innerlich vereinsamen ließ“. Äußerlich lebte er das Leben eines protestierenden Theologen, der sich für andere wehrte, jedoch für sich selbst nicht. Er unterdrückte seine Wut und seine Aggression. Erst nach einem Burn-out mit 38 Jahren schenkte er den Schreien seiner Seele Beachtung. Hinter seiner Angst vor der verdrängten Wut schlummerte ein „grausames Geheimnis“ seiner „verlorenen Kindheit“.

Spiritualitiät der Konfliktfähigkeit

Stutz plädiert für eine Spiritualitiät der Konfliktfähigkeit. Wichtig ist es, sich wehren zu können, nicht nur für andere und sondern auch für sich selbst. Zwei Grundpfeiler macht er dabei aus, Einspruch erheben und sich Unterstützung holen. Als Orientierung dient ihm die Bergpredigt von Jesus. „Seine radikalen Forderungen haben viel mehr Friedenspotenzial, wenn sie nicht kleinlich-wörtlich verstanden werden, sondern als eine höchste Provokation (pro-vocare: etwas hervorrufen), Gewalt zu durchbrechen.“

Sieben Schritte führen zu einem angemessenen Umgang mit Aggression, die Stutz in einzelnen Kapiteln ausführlich beschreibt. Wichtige Wegweiser sind für ihn: „Selbstvertrauen entfalten“, „Mich wehren können“, „Authentisch werden“, „Selbstverantwortung übernehmen“ „Mich nicht an Ungerechtigkeiten gewöhnen“, „Die Spirale der Gewalt durchbrechen“ und „Gewaltfrei kommunizieren“.

Wie kann man sich konkret diesem Weg nähern? Eine Möglichkeit ist eine ehrliche Selbstreflexion Stutz vermittelt diese Möglichkeit anschaulich in seinem Buch. Viele Gedanken und Empfindungen über Aggression, die ihn bewegen, drückt er in seinen authentischen Gedichten aus.

Wut als vitale Kraft

Das Buch „Lass dich nicht im Stich“ trägt dazu bei, die „ungeliebten“ Gefühle von Ärger, Zorn und Wut als vitale Kraft zu verstehen und sie in sein Gefühlsrepertoire konstruktiv zu integrieren. Stutz, der sich hauptsächlich auf eine biblische und christliche Tradition stützt, lässt aber auch eine Vielzahl von Psychologen, Philosophen, Mystikern und anderen Persönlichkeiten zu Wort kommen, die ihm halfen, über diese „ungeliebten“ Gefühle andere Einsichten zu erlangen und die Kraft der Aggression positiv für einen alltäglichen Friedensweg zu nutzen. Überzeugt haben mich besonders die ansprechende Mischung aus spirituellem und psychologischem Wissen sowie offene und ehrliche Einblicke in die Lebenserfahrungen des Autors und seine authentischen Gedichte.

Ein Buch nicht nur für spirituell-orientierte Leser, sondern für alle, die ein tieferes Verständnis über die oft missverstandenen Gefühle von Ärger, Zorn und Wut suchen.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. „Lass dich nicht im Stich“ ist ein authentisches und aufschlussreiches Plädoyer über den konstruktiven Umgang mit Ärger, Zorn und Wut aus spiritueller Sicht.

Pierre Stutz
Die spirituelle Botschaft von Ärger, Zorn und Wut
Gebundene Ausgabe, 208 S.
Patmos, 2017

Pierre Stutz ist einer der gefragtesten spirituellen Lehrer unserer Zeit. Er lebt am Genfer See und inspiriert in Vorträgen und Kursen im gesamten deutschsprachigen Raum die Menschen zu einer geerdeten und befreienden Spiritualität. Seine über vierzig Bücher haben eine Auflage von mehr als einer Million Exemplaren und wurden in sechs Sprachen übersetzt. Schreiben ist für Pierre Stutz ein »feu sacré«, ein inneres Feuer.

Ich danke Patmos für das Rezensionsexemplar.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s