Die Buch-Rezension „Der große Van Gogh Atlas“

Der Van Gogh Atlas, Quelle: Sieveking Verlag

Eine facettenreiche und reich illustrierte Entdeckungsreise durch das Leben des berühmten Malers unternimmt der „Der große Van Gogh Atlas“. Mehr als 20 Lebensstationen des rast- und ruhelosen Malergenies werden chronologisch in historischen Dokumenten, seinen Gemälden und Textbeiträgen lebendig.

Vincent van Gogh (1853 – 1890) war nicht nur ein Maler unvergesslicher Werke wie „Die Sonnenblumen“ und die „Sternennacht“, sondern er war auch ein leidenschaftlicher Reisender, der gerne unbekannte Städte und Dörfer erkundete und Naturlandschaften durchstreifte. „Der große Van Gogh Atlas“ folgt ihm zu mehr als 20 seiner Wohnorte von seinem Geburtsort Zundert bis nach Auvers-sur-Oise, wo er starb. Doch wo immer er war, irgendwann kam der Moment, da wollte der rast- und ruhelose Vincent weiter, in ein anderes Dorf, in eine andere Stadt, in ein anderes Land.

Von Zundert nach Auvers-sur-Oise

Der Atlas erzählt anhand historischer Karten, Fotografien, Postkarten und Reisedokumente sowie Briefauszügen und Skizzen von den Lebensstationen Vincent van Goghs. Sein Bruder Theo und später seine Frau Jo hoben jeden Brief, jede Skizze und jeden Entwurf auf, sodass heute noch 1300 Zeichnungen, 850 Gemälde und mehr als 800 Briefe von van Gogh erhalten sind. Geboren wurde van Gogh am 18. März 1853 im Pfarrhaus von Zundert im niederländischen Brabant als Sohn einer angesehenen Theologenfamilie. Mit elf Jahren schickten ihn seine Eltern für zwei Jahre in ein Internat nach Zevenberg und schließlich besuchte er die Höhere Bürgerschule in Tilburg, die er ohne Abschluss beendete. Vincent begann eine Ausbildung in der Kunsthandlung Goupil & Cie in Den Haag, bei der sein Onkel Cent Teilhaber war. Nach vier Jahren wurde er in eine Londoner Filiale versetzt. Nach seiner Entlassung versuchte er sich als Hilfslehrer und begann in Amsterdam ein Theologiestudium, das er aber abbrach. Er versuchte sich stattdessen als Laienprediger im belgischen Steinkohlenrevier.

Maler des Lichts und der Felder der Provence

Schließlich wollte er nur noch malen und sein Bruder Theo, mit dem ihm eine tiefe Freundschaft verband, schickte ihm regelmäßig Geld, damit er weitermalen konnte. Seine weiteren Stationen waren Brüssel, Etten, Drenthe, Nuenen, Antwerpen und Paris. Vicent litt oft unter chronischen Geldmangel, hatte kaum Geld für Lebensmittel. Vincent ging seinen eigenen Weg, ohne sich irritieren zu lassen. „Sogar für Leute, mit denen er eng befreundet ist, ist der Umgang mit ihm nicht einfach, denn er nimmt auf nichts und niemanden Rücksicht“, schrieb sein Bruder Theo. Die letzten Stationen seines Lebensweges waren Arles, Saint-Rémy-de-Provence und schließlich Auvers-sur-Oise, wo seine wohl bekanntesten Werke entstanden.

Facettenreiches Kaleidoskop

„Der große Van Gogh Atlas“ ist ein stimmungsvolles und facettenreiches Kaleidoskop, bei dem nicht so die Kunstwerke des großen Künstlers im Mittelpunkt stehen, sondern die unzähligen Stationen seines Lebens. Ruhelos zog es ihn von einem Ort zum nächsten. Häufig unverstanden und isoliert. Der einzige Mensch, der ihn verstand, war sein Bruder Theo. Er erkannte als Einziger Vincents außerordentliche Begabung als Künstler und unterstützte ihn, so gut er konnte. Der Atlas beleuchtet das Leben des niederländischen Malers auf eindrucksvolle Weise und lädt dazu ein, sich selbst auf die Reise zu machen, um auf den Spuren von Vincent van Gogh zu wandeln. Viele Van-Gogh-Orte in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und England bemühen sich, das Erbe des berühmten Künstlers zu bewahren. „Der große Van Gogh Atlas“ ist eine spannende Entdeckungsreise durch das Leben des Menschen, Künstlers und ruhelosen Reisenden Vincent van Gogh.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein facettenreicher, reich illustrierter Bild-Text-Band über die Lebensstationen von Vincent van Gogh.

Der große Van Gogh Atlas
Eine Reise durch Europa
von Nienke Denekamp, René van Blerk, Teio Meedenkorp
Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas
Gebundene Ausgabe, 182 S.
Sieveking Verlag, 2017

Ich danke dem Sieveking Verlag für das Rezensionsexemplar.

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