Die Roman-Rezension „Der Weg des Bogens“ von Paulo Coelho

Coelho Der Weg des Bogens, Quelle: Diogenes

Das kleine, kunstvoll gestaltete Büchlein „Der Weg des Bogens“ des brasilianischen Beststellerautors Paulo Coelho ist eine Lehrgeschichte über die Kunst des Bogenschießens und steckt voller inspirierender Lebensweisheiten.

Das Buch „Der Weg des Bogens“ handelt von Tetsuya, dem besten Bogenschützen des Landes, der zurückgezogen in einem abgelegenen Tal lebt. Als ein ehrgeiziger Bogenschütze ihn aufspürt stellt er sich der Herausforderung und misst sich mit ihm. Seine Kunstfertigkeit gibt er jedoch an einen Jungen aus dem Dorf weiter.

„Jeder Pfeil ist in sich ein Leben“

Der Junge lernt den Umgang mit Pfeil und Bogen, aber es kommt im Grunde auf die innere Einstellung an, die sich auf das ganze Leben übertragen lässt. Die Meisterschaft besteht im täglichen Bemühen und der Überwindung von Schwierigkeiten. Neben Durchhaltevermögen, Konzentration, Eleganz und Intuition muss der Bogenschütze Standfestigkeit, Mut, Entschlossenheit und Begeisterung entwickeln. „Es liegen noch viele andere Tage vor dir, und jeder Pfeil ist in sich ein Leben. Nutze die schlechten Augenblicke, um herauszufinden, was dich zittern macht. Nutze die guten Augenblicke, um deinen Weg zum inneren Frieden zu finden.“

Neben der klaren, schnörkellosen Lehrgeschichte von Coelho sind es die stimmigen Aquarellzeichnungen von Christoph Niemann, die dieses kleine Büchlein zu einem literarischen Kleinod machen.

Bogenschießen als Lebenskunst

Der brasilianische Beststellerautor, der sich selbst dem Bogenschießen mit großer Leidenschaft widmet, las bereits in seiner Jugend das Buch „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ von Eugen Herrigel. Der deutsche Philosoph verbrachte fünf Jahren bei einem Kyudo-Meister in Japan und beschritt durch diesen Sport seinen spirituellen Zen-Weg. Verwendet werden beim Zen-Bogenschießen Bambusbogen und Bambuspfeile. Der japanische Bogen Yumi ist größer als normale Sportbögen und misst mindestens 2,20 Meter. Seine Zugkraft ist nicht so stark, ermöglicht aber eine relativ hohe Schussfolge.

Coelho greift in seinem Buch den alten konfuzianischen Glauben auf, dass ein Mensch beim Bogenschießen seinen wahren Charakter offenbart. Der Weg des Bogens ist eine Praxis, zu sich selbst zu finden. Das Bogenschießen war zwar ursprünglich eine Waffentechnik der Samurai, aber der Zen-Buddhismus wandelte die Kampfkunst in eine Lebenskunst. Das eigentliche Ziel ist nicht so sehr, die Zielscheibe zu treffen, sondern an der eigenen inneren Entwicklung zu arbeiten.

Ein Köcher voller Lebensweisheit

Jeder Satz des kleinen Büchleins „Der Weg des Bogens“ gleicht einem Köcher voller Lebensweisheit. „Schieße tausend Pfeile ab, und jeder wird dir einen anderen Weg zeigen: Das ist der Weg des Bogens.“ Es geht Coelho letztendlich um die Einstellungen und Haltungen, wie man dem Leben begegnet. Ziele setzen und Loslassen sind dabei die zentralen Themen.

Kurz&Knapp: Ein inspirierendes Buch voller tiefer Weisheiten über das Leben.

Paulo Coelho
Der Weg des Bogens
Gebundene Ausgabe, 160 S.
Diogenes, 2017

Auch als eBook erhältlich

Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, lebt heute mit seiner Frau Christina Oiticica in Genf. Alle seine Romane, darunter „Der Alchimist“, „Veronika beschließt zu sterben“, „Elf Minuten“ und zuletzt „Die Spionin“, sind Weltbestseller, wurden in 81 Sprachen übersetzt und über 215 Millionen Mal verkauft. Die Themen seiner Bücher und seine Reflexionen regen weltweit Leser zum Nachdenken an und dazu, ihren eigenen Weg zu suchen.

Ich danke Diogenes für das Rezensionsexemplar.

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