Die Roman-Rezension „Die Goldene Stadt“ von Sabrina Janesch

Janesch Die goldene Stadt, Quelle: Rowohlt

In die Welt der Abenteuer entführt der historische Roman „Die Goldene Stadt“ von Sabrina Janesch. Facettenreich erzählt sie die bewegende Lebensgeschichte eines großen Entdeckers und Glücksritters des 19. Jahrhunderts. Rudolph August Berns entdeckte hoch in den peruanischen Anden die sagenumwobene Stadt Machu Picchu.

Rudolph August Berns wurde 1842 im rheinischen Uerdingen geboren. Er war der älteste Sohn eines Weinhändlers. Als Junge trieb er sich am liebsten auf der Obstwiese oder am Rhein herum und galt als verträumter, fantasievoller Junge. Ihm war nur lieb, was er selber fand und für sich entdeckte. Besonders angetan hatten es ihm Reiseberichte aus Peru, die von unerschöpflichen Silberminen und dem verborgenen Gold der Inka handelten. Als die Familie 1850 nach Berlin zog, begann Rudolph Bücher über Südamerika zu lesen. Berichte über die Inkas und die sagenumwobene, verlorene Stadt El Dorado wecken sein besonderes Interesse.

Aufbruch ins Ungewisse

Als sein Vater Johann bei einem Unfall ums Leben kommt, ging seine Mutter Caroline mit den Kindern nach Dültgensthal bei Solingen und heiratete den Kupferarbeiter Gustav Kronenberg. Rudolph und sein Bruder Max arbeiteten als Schlosser in der Regenschirmfabrik ihres Onkels. Regelmäßig träumte er von einem Schiff, das ihn nach Peru bringt. Als ihm der Einzug zum Militär drohte, nahm er sein Schicksal selbst in die Hand. Er beschloss, heimlich mit dem Schiff nach Peru zu reisen. Er heuerte an Bord der Concorde an und nach über zwölftausend nautischen Meilen erreichte das Schiff die peruanischen Hafenstadt Callao. „Er hatte kein Geld, und er hatte keine Freunde dort, wo er hinfuhr, nicht einmal entfernte Bekannte“, aber er war sich sicher, dass er allein zu Geld und Reichtum kommen würde.
Er verdingte sich als Augusto bei der peruanischen Armee und wurde zum Helden bei der Schlacht um Callao im Spanisch-Südamerikanischen Krieg. Danach ging er als Vermessungsingenieur zur Eisenbahn und arbeitete an dem Ausbau einer Strecke durch die Berge.

Machu Picchu – Die verlorene Stadt der Inkas

Beim Anblick der ersten Inkaruinen fühlte er sich erstmals im Leben nicht getrieben, sondern beseelt. Er träumte davon als großer Entdecker der verlorenen Stadt der Inka in die Geschichte einzugehen und das Gold und die Schätze der Inka zu finden. Er wusste, sein Schicksal lag vor ihm, es musste nur richtig anpacken.

In Cuzco, das im Zentrum des peruanischen Andenhochlandes liegt, kündigte Augusto seinen Job bei der Eisenbahn. Mit dem Amerikaner Harry Singer schlug er sich durch tiefsten Dschungel und bestieg die Bergketten der Cordillera Vilcabamba, wo er El Dorado vermutete. Doch Augusto war noch nicht am Ziel seiner Träume. Zwischendurch versuchte er sein Glück in den Vereinigten Staaten und war beim Bau des Panamakanals dabei. Es vergingen noch Jahre, bis er die Inka-Ruinen von Machu Picchu, die er für El Dorado hielt, entdeckte.

Entdecker und Glücksritter

Janesch erzählt die faszinierende Lebensgeschichte des Schlossers, Soldaten, Ingenieurs, Entdeckers, Unternehmers und Glücksritters Rudolph August Berns, der vor 150 Jahren allen Widrigkeiten zum Trotz in sein Traumland Peru auswanderte und Machu Pichu entdeckte. Dazu bedurfte es eines unbeugsamen Willens, jeder Menge Fantasie und einer leuchtenden Vision. Berns verfügte über diese Eigenschaften und dies machte ihn zu einem großen Entdecker. Erst seit wenigen Jahren ist bekannt, dass er dem amerikanischen Archäologen und Abenteurer Hiram Bingham III, der angeblich im Jahr 1911 Machu Picchu entdeckte und als Vorbild für Indiana Jones diente, zuvorkam. Augusto Berns, der die vergessene und von Wald bedeckte Kultstätte der Inkas schon 1876 entdeckte, gründete mit dem Segen des peruanischen Präsidenten eine Gesellschaft, um die Schätze Machu Picchus plündern zu können.

Lebensgeschichte aus der Vogelperspektive

Man merkt dem Buch an, dass Janesch umfassend recherchiert hat und viel Bewunderung für den ruhelosen Entdecker und Glücksritter hegt. Ein Mann, der einerseits eine unbändige Entdeckerfreude ausstrahlte und den anderseits die Gier nach Gold antrieb. Seine einzelnen Lebensstationen schildert sie detailversessen und kenntnisreich. Sie versteht es, die Geschichte lebendig werden zu lassen, Figuren zu entwerfen und Schauplätze auszumalen. Doch so recht will bei mir beim Lesen der Funke nicht überspringen. Der Roman berührt mich emotional nicht, zwar bin ich beeindruckt von der bewegenden Lebensgeschichte eines Mannes, der seinen Jugendtraum Realität werden ließ, aber die Geschichte rauscht an mir vorbei wie die Landschaften an einem vorbeifahrenden Zug. Janesch erzählt ihre Geschichte aus der Vogelperspektive, da stellen sich bei mir keine Gefühle von Erstaunen oder Verwunderung beim Anblick des Besonderen, des Neuen oder des Unerwarteten ein, wie ich es mir bei einem Buch über einen großartigen Entdecker gewünscht hätte.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein facettenreicher biografischer Roman über einen großen deutschen Entdecker und Glückritter des 19. Jahrhunderts.

Sabrina Janesch
Die Goldene Stadt
Gebundene Ausgabe, 528 S.
Rowohlt, 2017

Auch als eBook erhältlich.

Ich danke Rowohlt für das Rezensionsexemplar.

Sabrina Janesch, geboren 1985 in Gifhorn, studierte Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim und Polonistik an der Jagiellonen-Universität Krakau. 2010 erschien ihr Roman „Katzenberge“, 2012 „Ambra“ und 2014 „Tango für einen Hund“. Sie erhielt den Mara-Cassens-Preis, den Nicolas-Born-Förderpreis, den Anna-Seghers-Preis, war Stipendiatin des Ledig House, New York, und Stadtschreiberin von Danzig. Sabrina Janesch lebt mit ihrer Familie in Münster.

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