Die Buch-Rezenion „Pflanzen der Kelten“ von Wolf-Dieter Storl

Storl Pflanzen der Kelten, Quelle: AT Verlag

Von der lebendigen keltischen Pflanzenkunde und der magischen Kraft einzelner Gewächse berichtet der Ethnobiologe Wolf-Dieter Storl in seinem Buch „Pflanzen der Kelten“. Gleichzeitig gibt er einen umfassenden Überblick über die Lebenswelt unserer Urahnen im Einklang mit der Natur.

Die Kelten waren fast tausend Jahre lang das führende Kulturvolk in Europa und haben die Grundlagen der europäischen Bauern- und Volkskultur geprägt. Sie lebten im Einklang mit der damaligen natürlichen Umgebung, dem Wald. „Bäume, Steine, Quellen, der Wind und alle Geschöpfe waren für sie ansprechbar.“ Sie erlebten die Natur nicht nur voller magischer Kräfte, sondern sahen sie als „beseelt und mit Bewusstsein erfüllt“ an. Die Vegetation einer Region prägt die Menschen und ihre Kultur mehr als wir heute denken.

Lebensweise der Kelten

Der bekannte Ethnobiogloge Storl vermittelt in dem Buch „Pflanzen der Kelten“ durch sein erzählerisches Talent einen lebendigen Eindruck der Lebensweise der Kelten. Er unternimmt einen interessanten und erhellenden Streifzug durch die keltische Kultur und Geschichte. Die Kelten hatten eine unglaublich vielschichtige Kultur und Religion, die sehr oft regional verschieden war. Vieles aus der keltischen Kultur ist heute noch lebendig und altes keltisches Wissen findet sich zusehends in Ökologie, Spiritualität und Gesellschaft wieder.

Vegetation als Ausdruck des Wandels

Ohne den Wandel der Jahreszeiten und ohne den Lauf der Sonne und des Mondes durch den Tierkreis ist das keltische Verständnis für die Pflanzenwelt nicht zu verstehen. Die Vegetation war für sie Ausdruck des ständigen Wandels der Energien des Himmels und der Erde. Storl beschreibt den keltischen Jahreskreis, den Baumkalender und die unterschiedlichen Gottheiten. Die Kelten hatten ein anderes Zeitempfinden, sie nahmen Zeit als Kreis war. Der Jahreskreises war in Monatskreise unterteilt, in denen es wiederum Tages- und Stundenkreise gab. Neben den Mondfesten Imbolc, Beltaine, Lughnasadh und Samhain gab es die Sonnenfeste Mittwinter und Mittsommer sowie die Tagundnachtgleichen. Der Tag begann bei ihnen übrigens um Mitternacht.

Kräuterkunde und keltische Pflanzen

Heilkunde war bei den Kelten vor allem Kräuterkunde. Es ging ihnen dabei nicht um die Wirkkräfte, sondern die pflanzliche Signatur. Um eine Heilung zu bewirken, musste der Heiler nicht nur das richtige Kraut kennen, sondern auch das Sammelritual, den richtigen Spruch, die richtige Zubereitung und die Art der Verabreichung.

Zu den wichtigsten Bäumen und Sträuchern gehörten bei den Kelten Weißdorn, Haselnuss, Holunder, Weide und Eiche. Storl lässt ihre Bedeutung für die Kelten ausführlich anhand zahlreicher Legenden und Mythen lebendig werden und berichtet von der vielfältigen Nutzung im Brauchtum und in der Volksmedizin. Jeder Baum und jede Pflanze verkörperte ein spirituelles Prinzip. Weitere bekannte und nicht so bekannte Pflanzen und Kräuter sind Brennnessel, Sauerklee, Eisenkraut, Mädesüß und Schlüsselblume.

Naturverbundene Lebensweise

Der bekannte Ethnobiologe Storl hat inzwischen viele Bücher geschrieben, aber die „Pflanzen der Kelten“ ist für mich sein eigentliches Standardwerk, das mit einer Fülle von keltischem Wissen aufwartet. Inhaltlich bleibt er bei Einschätzung des überlieferten Wissens sehr präzise, versteht es aber in einem unterhaltsamen erzählenden Stil die keltische Kultur lebendig werden zu lassen. Die Kelten waren ein Volk des Wortes, es gibt keine Schriften von ihnen, alles was wir über sie wissen, stammt aus späteren Quellen und ist unterschiedlich interpretierbar. Der Geist der Kelten hat sich aber in archäologischen Funden, ländlichem Brauchtum, irischen und britischen Überlieferungen sowie vielen Märchen und Sagen erhalten. Was wir von den Kelten lernen können, ist ein direkter Zugang zur Natur und ihrer Fähigkeit des unmittelbaren Naturwahrnehmens. Wir können auch in der Stadt täglich beobachtende Naturspaziergänge unternehmen, einen kleinen Garten anlegen oder unseren Geist meditativ in Bäume versenken. Wenden wir uns der Natur zu, „dann werden die Devas, die Gottheiten der Natur, sich erneut unseren Seelen kundtun … Dann werden innere Landschaften der Seele wieder ergrünen, bunt erblühen, uns Weisheitsfrüchte schenken“. Storl ist ein begnadeter Erzähler, ganz in der alten Tradition der keltischen Barden und Druiden, der mitreißt und zu einer spannenden und informativen Reise zu unseren Ahnen und ihrer lebendigen, magischen Pflanzenkunde einlädt.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Für mich, das Standardwerk des bekannten Ethnobiologen über die Kelten und ihr magisches Pflanzenwissen.

Wolf-Dieter Storl
Pflanzen der Kelten
Gebundene Ausgabe, 368 S.
AT Verlag, 9.Auflage 2018

Auch als eBook erhältlich

Wolf-Dieter Storl, geboren 1942, Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Lehrte als Dozent an verschiedenen Universitäten und hat zahlreiche Bücher publiziert, die zu Longsellern wurden. Er lebt mit seiner Familie auf einem Einödhof im Allgäu.

Ich danke dem AT Verlag für das Rezensionsexemplar.

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