Die Roman-Rezension „Der Orkfresser“ von Christian von Aster

Von Aster Der Orkfresser, Quelle: Hobbit Presse

In seinem Roman „Der Orkfresser“ erzählt Christian von Aster eine einfallsreiche, erfrischend freche und überdrehte Geschichte über einen erfolgreichen Fantasyautor, der aussteigt und sich auf die Suche nach sich selbst macht.

Die Buchvorstellung des erfolgreichen Fantasyautors Aaron Tristen gerät vollkommen aus dem Ruder, als er sich nach der Lesung aus seinem neuen Werk „Engel gegen Zombies II“ mit einer Horde Orks prügelt. Die verkleideten Rollenspieler wurden extra von seinem Verleger Heuvelmann eingeladen, um das Publikum zu bespaßen. Er fühlt sich schon länger unwohl als Autor einer Fantasyreihe mit Vampiren, Zombies und Engeln, bei der es nicht so sehr um die Qualität geht, sondern um die Verkaufszahlen. Außerdem will ihn einer der Orks verklagen und ein anderer ist schwanger von ihm.

Raus aus den alten Schuhen

Aaron hat die Schnauze voll und beschließt, aus seinen alten Leben auszusteigen. Er beantwortet weder Anrufe noch Mails und macht sich ohne jemanden zu informieren auf den Weg nach Leipzig. Völlig überstürzt und ziellos steigt er unter anderem Namen in einer kleinen heruntergekommenen Pension ab. In der mitteldeutschen Kulturmetropole begegnet er seinen alten Freund Jan, der ihm den Kontakt zum orientalischen Geschichtenerzähler Jamal vermittelt, der Schreiblehrgänge anbietet. Für Aaron beginnt eine schräge Reise zu sich selbst …

„Der Orkfresser“ ist mehr als nur ein amüsanter und skurriler Roman über einen ausgebrannten Fantasyautor, der versucht, wieder zu sich selbst zu finden. Es ist ein Buch über die Kehrseiten des Literaturbetriebes, über den Erfolgsdruck, unter dem Autoren stehen, und schließlich über die Wunder des Alltäglichen und über die Liebe zum Geschichtenerzählen.

Vom Glück des Heimatlosen

In Leipzig lernt Aaron viele gescheiterte Menschen kennen, die aber alle eines gemeinsam haben, den Wunsch Geschichten zu erzählen. Nicht der Erfolg ist ihnen dabei wichtig, sondern einfach ihre Geschichte und ihre Sicht auf die Dinge zu erzählen.
Aaron selbst macht auch einen Wandel durch, nicht zuletzt angeregt durch die Medikamente, die er wegen einer Beinverletzung einnimmt. Bei seinen Streifzügen durch die Stadt sind ständig andere Märchen- und Romanfiguren, darunter Balu, der Bär, Batman oder Don Quijote, seine Begleiter.

Christian von Aster erzählt seine einfallsreiche, erfrischend freche und verdrehte Geschichte über den erfolgreichen Fantasyautor Aaron, der feststellt, dass er nur ein kleines Rädchen in einem großen Getriebe ist. Was als Satire auf den Fantasy-Literaturbetrieb beginnt, die reichlich gewürzt ist mit bitterböser Ironie, wandelt sich in eine haarsträubende Odyssee eines Heimatlosen, bis er entdeckt, dass ihn nur eines trägt, die Liebe zum Geschichtenerzählen.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein skurriler und einfallsreicher Roman über die Kunst des Geschichtenerzählens.

Christian von Aster
Der Orkfresser
Klappenbroschur, 352 S.
Hobbit Presse, 2018.

Auch als eBook erhältlich

Christian von Aster, geboren 1973, studierte Germanistik und Kunst, um sich schließlich Bühne, Film und Schreiben zuzuwenden. Neben seinen Fantasybüchern ist er auch mit seinen Lesungen, die gleichermaßen die Gothic- wie Phantastikszene begeistern, einem großen Publikum bekannt. Außerdem betreibt er die Berliner Lesebühne „Das StirnhirnhinterZimmer“. Christian von Aster wurde 2012 mit dem SERAPH-Preis ausgezeichnet.

Ich danke Klett-Cotta für das Rezensionsexemplar.

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