Die Buch-Rezension „Uralte Bäume – Magische Gestirne“ von Beth Moon

Moon Uralte Bäume

Seit jeher üben Bäume eine starke Faszination auf Menschen aus. Sie sind Mittler zwischen Himmel und Erde. Besonders eindrucksvolle Exemplare uralter Bäume unter dem funkelnden Sternenhimmel lichtete weltweit die New Yorker Fotografin Beth Moon in dem faszinierenden Bildband „Uralte Bäume – Magische Gestirne“ ab.

Alte Bäume sind großartige Geschöpfe und Wunderwerke der Natur, die beim Betrachter Bewunderung und Respekt hervorrufen. Was mögen die jahrhundertealten Wesen wohl schon alles gesehen und erlebt haben? Wie viele Gewitter und Stürme mögen sie getrotzt haben? Alte Baumriesen symbolisieren Kraft und Beharrlichkeit. Sie stehen für ein langes Leben, das über viele Menschheitsgenerationen reicht. Uralte Bäume stehen aber auch für die Vergänglichkeit allen Seins. Im Laufe der Jahrhunderte verlieren sie einzelne Äste oder der Stamm wird innen hohl, trotzdem wirken sie äußerst robust. Bäume stellen auch die Verbindung zwischen Himmel und Erde her. Die Wurzeln reichen tief in die Erde und seine Krone berührt den Himmel.

Faszinierende Baumgiganten

Bäume ziehen Menschen seit jeher in ihren Bann, dem auch die amerikanische Fotografin Beth Moon erlag. Seit 1999 fotografiert sie die ältesten Bäume in unterschiedlichen Teilen der Erde. Für ihr Buch „Uralte Bäume – Magische Gestirne“ hat sie sich an abgeschiedene Orte begeben, um uralte Bäume in größtmöglicher Dunkelheit und mit dem Sternhimmel darüber zu fotografieren. „Wenn man den Vordergrund beleuchtet, verwischt die Grenze zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. Es gibt einen Zwischenbereich, wo zwei Wirklichkeiten ineinander übergehen und miteinander verschmelzen. Wenn Magie irgendwo existiert, dann hier.“

Neben den USA bereiste sie Großbritannien, Italien, Namibia und Botswana, um uralte Baumgiganten zu finden. Sie konzentrierte sich bei ihrer Auswahl auf bestimmte Baumarten und ihre Beziehung zum Nachthimmel. Bäume sind zwar im Gegensatz zum Menschen uralt, aber verglichen mit dem Alter der Sterne sind sie Jünglinge.

Wenn die Zeit still steht

Die großformatigen Bilder, die mitunter ausklappbar sind, faszinieren schon beim Durchblättern. „Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schrieb“, dieses Zitat des Dichters Khalil Gibran trifft auch ganz besonders auf die Aufnahmen von Beth Moon zu. Ihre Fotos fangen die magischen Momente ein, die sie bei ihren Besuchen der Baumgiganten, darunter Baobabs, Köcherbäume, Eichen und Wacholder, erlebt haben muss. Beim Betrachten der Bilder hat man den Eindruck als sei die Zeit stehen geblieben und ein Tor zur Ewigkeit hat sich geöffnet. Die knorrig gewachsenen Stämme scheinen dabei mit den Sternen zu kommunizieren und lassen den Betrachter tief in eine magisch-mystische Welt eintauchen. Um die Farbfotos allein wirken zu lassen, sind die Bildunterschriften bewusst sehr knapp gehalten, ausführliche Angaben zu den einzelnen Baumarten folgen am Ende des Buches.

Schätze der Natur

Neben einem kurzen Vorwort von Beth Moon finden sich in dem Bildband zwei nachdenklich stimmende Essays. In die „Enthüllung der Dunkelheit“ beschreibt die Astrophysikerin Jana Grcevich über Bäume, Sterne und unseren Platz als Menschen im Universum. Der Journalist Clark Strand wirft in die „Fotografie als Pilgerfahrt“ die Frage auf, was man gegen Klimawandel und Massensterben der Arten ausrichten kann. Es geht ihm darum, dass die Natur in ihrer ganzen Vielfalt wieder mehr Wertschätzung erhält. Die faszinierenden Baumbilder von Beth Moon laden dazu ein, sich Gedanken über den Ursprung des Seins sowie über das ständige Werden und Vergehen zu machen. Wir sind alle ein Teil des großen Ganzen und sollten unsere Rolle als Hüter der Erde bewusster wahrnehmen.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein faszinierender, sinnlicher Bildband über uralte Bäume und ihre besondere Magie unter dem Sternenhimmel.

Beth Moon
Uralte Bäume – Magische Gestirne
Gebundene Ausgabe, 115 S. mit über 100 Abbildungen in Farbe
Elisabeth Sandmann Verlag, 2016

Beth Moon ist eine in New York ansässige Fotografin, die lange analog arbeitete und ihre Fotografien im Platindruck herstellte. Nun wendet sie sich erstmals der Digitalfotografie zu. Mit ihren Bildern möchte Moon auf die Gefährdung der uralten Baumgiganten aufmerksam machen. Moons hochgelobte Arbeiten wurden in zahlreichen Magazinen veröffentlicht und werden in Galerien in den USA, Italien, Israel, Brasilien und Dubai gezeigt.

Ich danke dem Elisabeth Sandmann Verlag für das Rezensionsexemplar.

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