Die Buch-Rezension „Pflanzendevas“ von Wolf-Dieter Storl

Storl-Pflanzendevas, Quelle: AT Verlag

Alte Kulturen wussten um die geistig-seelischen Dimensionen der Pflanzen. In seinem Buch „Pflanzendevas“ nähert sich der bekannte Kulturanthropologe und Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl mit seinem reichen Wissensschatz aus Mystik, Kulturgeschichte, ethnologischer Botanik und Wissenschaft dem Geist der Pflanzen und zeigt auf, wie eine Kontaktaufnahme auch heutzutage möglich ist.

Die Wahrnehmung der Natur ist bei vielen modernen Menschen stark eingeschränkt. Großstädte und Gesellschaft sorgen für eine zunehmende Entfremdung. Allenfalls dient die Natur noch als Erholungsgebiet, aber der persönliche Bezug zu Pflanzen ist fast vollkommen verloren gegangen. Sie sind nur noch beliebige Rohstoffe für Nahrungsmittel, Baumaterialien, Kleidung und Pflege.

Einst war die Natur heilig

Dabei ist der Mensch geprägt von der globalen Urkultur der Jäger und Sammler der Steinzeit, wo das Verhältnis Mensch zur Natur und zu den geistigen Wesenheiten unmittelbarer war. Bei den Kelten, Indern und Indianern war die Natur heilig. Im Mittelalter wurde in Europa die Natur zumindest noch mit der Jungfrau Maria assoziiert. „Der Frühmensch unterlag keinen institutionellen Zwang, keiner Instrumentalisierung, keiner Entfremdung.“ Er war in der Spiritualität der Natur geborgen.

Schamanen und Pflanzenkundigen erschienen Pflanzen als Devas oder göttliche Wesenheiten. Ihre traditionellen Techniken lassen sich bis in die Altsteinzeit zurückverfolgen. Wahre Pflanzenkunde wird nicht aus Büchern erworben, sondern nur von den Pflanzengeistern selbst. Sie wollen bewundert, verehrt und geliebt werden. „Sie wollen an unseren Gedanken und Imaginationen teilhaben.“

Pflanzendevas sind Urbilder

Storl unternimmt eine unterhaltsame und aufschlussreiche Wissensreise durch die Mythen, Märchen, Sagen und Überlieferungen verschiedener Völker, Traditionen und Zeitepochen. Er spannt den Bogen von den Kelten und Indern über den indianischen Medizinmann Bill Talbull bis hin zu Rudolf Steiner, Edward Bach, Pfarrer Kneipp, Kräuterfrau Maria Treben sowie Findhorn.

Pflanzendevas sind Urbilder, die sich in den einzelnen Arten und Gattungen der Gewächse der Vegetation zu erkennen geben. Sie sind Lichtwesen, die mit den kosmischen Rhythmen verbunden sind und gleichzeitig tief in der Erde wurzelt. Pflanzendevas sind die Hüter des Naturreiches. Der Begriff Deva stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „die Leuchtenden, die Strahlenden“, denn „sie wirken von den Sternen und Planeten auf die Erde herab“. Blumen, Pflanzen, Bäume und Sträucher sind lediglich ihre „mit Stoff gefüllten Abbilder“, ihre „auf Erden verwirklichten Gedanken“. Die Einzelpflanze sollte dabei nicht mit der Deva, dem schöpferischen Urbild der Art, verwechselt werden.

Jede Pflanze hat nicht nur auf den Körper eine Wirkung, sondern auch auf die Seele. Die Pflanzen „erhalten nicht nur unseren Leib. Sie fördern und nähren auch unsere Seele und ermöglichen Erleuchtung unseres Geistes … Durch Pflanzen wird das äußere Licht der Sonne und der Sterne zum inneren Licht, das uns aus unseren Seelengründen entgegenstrahlt. Das ist der Grund, weshalb Pflanzen immer und überall als heilig, als göttlich galten.“ Jede Pflanzenart hat ihre besonderen Fähigkeiten, die sie uns zur Verfügung stellt. Pflanzen sind älter als wir, sie sind mit die ältesten Lebewesen.

Die Pflanzendevas haben im Laufe der Erdgeschichte eigentlich den Menschen domestiziert und nicht umgekehrt, meint Storl. Sie verzichteten auf Gifte, Stacheln und Dornen und wurden größer und nahrhafter, sodass der Mensch begann, sie zu säen und zu ernten. Erbsen, Linsen, Hafer, Roggen und Rüben verloren durch menschliche Pflege ihre Wildheit. Kartoffeln, Kaffee und Pfeffer bestimmten sogar die Kulturgeschichte der Menschheit mit.

Kommunikation mit Pflanzen

Auch heute ist eine Kommunikation mit den Pflanzen möglich. Einfach mit ihnen sein und innere Zwiesprache halten. „Um ihre Worte zu verstehen, müssen wir still sein können, offen und voller Hingabe, wie es die Pflanzen selber sind.“ Man richtet lediglich das Bewusstsein nicht nur an die Oberfläche, sondern auf die Innenseite. Wir können jederzeit die tieferen Schichten der Natur wahrnehmen, wenn wir es zulassen. Leider ist dieses alte Wissen in unserer Zivilisation fast verloren gegangen. Wer wieder mehr in Kontakt mit Pflanzendevas kommen möchte, findet am Ende des Buches praktische Anleitungen zu Pflanzenmeditationen.

Storl vermittelt in seinem Buch „Pflanzendevas“ eine faszinierende Sichtweise auf Pflanzen und ermöglicht, sie fortan mit ganz anderen Augen zu betrachten. Sein unglaublicher Wissensfundus über Pflanzen und kulturgeschichtliche Zusammenhänge weckt ein bewussteres Verständnis für die Pflanzen und die Natur. Pflanzen, Menschen und auch Tiere beeinflussen sich gegenseitig und stehen seit Jahrtausenden in einer wechselseitigen geistig-seelischen Beziehung. Wir sollten uns wieder mehr daran erinnern, dass wir nur ein Teil der Natur und des großen Ganzen sind.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein unterhaltsamer und kenntnisreiche Einblick in die geistig-seelischen Dimensionen der Pflanzen und wie wir wieder damit in Kontakt kommen können.

Wolf-Dieter Storl
Pflanzendevas
Die geistig-seelischen Dimensionen der Pflanzen
Gebundene Ausgabe, 262 S.
AT Verlag, 7. Auflage 2017

Wolf-Dieter Storl ist Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Lehrte 20 Jahre als Dozent an verschiedenen Universitäten in den USA, Indien und Europa. Seit 1988 lebt er als freischaffender Autor mit seiner Familie auf einem Einödhof im Allgäu. Zahlreiche Bücher und Artikel in Zeitschriften sowie rege Seminar- und Vortragstätigkeit.

Ich danke dem AT-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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