Die Roman-Rezension „Äquator“ von Antonin Varenne

Varenne_Äquator, Quelle: C. Bertelsmann

Die letzten Tage des Wilden Westens sind gezählt, die Zeit der umherziehenden Indianer, Cowboys und Pioniere neigt sich dem Ende zu. In seinem Roman „Äquator“ erzählt Antonin Varenne die tragische Geschichte des Lonesome Cowboy Pete Ferguson, der viele Abenteuer bestehen muss, bevor er seinen Sehnsuchtssort findet.

Pete Ferguson ist ein Mann auf der Flucht. Dieb und Brandstifter in Nebraska, Deserteur im amerikanischen Bürgerkrieg, Mörder in Nevada. Er sehnt sich nach Freiheit und Abenteuer, sein Sehnsuchtsort ist der Äquator. Angetrieben wird er von den dunklen Schatten seiner Vergangenheit, die ihn immer wieder einholen. Mit seinem Pferd Reunion durchquert er die weiten Prärien des amerikanischen Westens. Der heimatlose Einzelgänger führt ein ziemlich rauhes und hartes Leben. Er ist kein Mann der großen Worte, er bleibt lieber für sich und hält andere auf Distanz. Immer wieder holt ihn seine dunkle Vergangenheit ein. Er verdingt sich als Jäger, um die letzten Bisonherden zu jagen, zieht mit einer Gruppe Komantscheros weiter zum Rio Grande und gelangt nach weiteren Abenteuern über Guatemala in die dichten Urwälder Brasiliens, wo der Äquator verläuft. Wird er dort seine Erlösung finden?

Schatten der Vergangenheit

Der amerikanische Autor Varenne schreibt in seinem Roman „Äquator“ den Mythos des Lonesome Cowboy fort. Doch sein Protagonist Pete ist eigentlich kein Abenteurer, der von der Entdeckung neuer Landstriche träumt, sondern er versucht, den Schatten seiner dunklen Vergangenheit zu entkommen. Seine Sehnsucht nach dem Äquator bleibt blass. Er sehnt sich nach der Freiheit, alles hinter sich zu lassen und hofft, sie dort zu finden, wo die Welt „auf dem Kopf“ steht. Er schlittert von einem Abenteuer ins nächste und zieht dann weiter. Pete ist kein Entdecker, sondern ein Getriebener. Das Schicksal scheint für ihn vorbestimmt, die Liste seiner Untaten wird länger und länger.

Lonesome Cowboy

Varenne beschreibt detailliert das Leben im Westen Amerikas als rauhe, brutale Wirklichkeit. Es ist eine Welt voller Anfeindungen und Brutalität. Die Zivilisation hat ihre kräftigen Arme auch nach diesem Landstrich ausgestreckt. Es ist eine Zeit des Umbruchs. Die letzten Bisonherden werden abgeschossen, die Indianer werden immer mehr in kleinere Reservate zurückgedrängt und der Bau der Eisenbahn macht Fortschritte. In Mittelamerika tobt die Revolution. Varenne beschreibt die einzelnen Stationen und Erlebnisse von Pete detailliert und atmosphärisch dicht. Aber genauso wie sein Protagonist nur oberflächliche Bekanntschaften schließt, wirken die Beschreibungen trotz all ihrer Detailfülle seltsam distanziert. Der emotionale Funke will bei mir einfach nicht richtig überspringen. Varenne schreibt in seinem Roman „Äquator“ den Mythos des Lonesome Cowboy fort. Pete ist eine tragische Figur. Er hat weder Frau noch Familie und selbst seine Männerfreundschaften bleiben distanziert. Seine Devise lautet handeln und nicht reden. Er ist ein Getriebener, ein von seinen eigenen Schatten Gejagter.

Kurz&Knapp: Bedingt lesenswert. Ein Roman über einen tragischen Lonesome Cowboy, der zugleich ein eindringliches Porträt der letzten Tage des Wilden Westens ist.

Antonin Varenne
Äquator
Gebundenes Buch, 432 S.
C. Bertelsmann Verlag, 2018

Antonin, geboren 1973, studierte Philosophie in Paris. Er war Hochhauskletterer und Zimmermann, arbeitete in Island, Mexiko und in den USA, wo er seinen ersten Roman schrieb. Seine Werke wurden mit den wichtigsten französischen Krimipreisen ausgezeichnet. Seine Romane „Die sieben Leben des Arthur Bowman“ und „Die Treibjagd“ standen wochenlang auf der KrimiZeit-Bestenliste.

Ich danke dem C. Bertelsmann Verlag für das Rezensionsexemplar.

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