Die Buch-Rezension „Die Biene“ von Matthias K. Thun

Thun Die Biene, Quelle: Aussaattage-Verlag Thun

Das Wesen der Biene und praktisches Wissen über naturgemäßes Imkern aus anthroposophischer Sicht vermittelt Matthias K Thun in seinem gelungenen Buch „Die Biene“. Er verbindet dabei Altbewährtes und Modernes aus der Bienenhaltung zu einer zukunftsweisenden Bienenkultur.

In den letzten hundert Jahren sind die Bienen enger an den Menschen herangerückt. Die natürliche Bienenhaltung wurde immer stärker durch die Bienenzucht verdrängt. Bienen überleben in unseren Breiten heute nicht mehr ohne die intensive Pflege des Menschen. Die Imker sind aufgerufen, wieder einen besseren Umgang mit den Bienen zu fördern, meint Thun.

Grundlagen der Bienenhaltung

Thun liefert in seinem Buch „Die Biene“ interessante Einblicke in die historische und gegenwärtige Bienenhaltung. Er gibt Tipps für die Wahl des Standortes und des Werkzeugs, informiert über verschiedene Bienenstandformen und Bienenwohnungen sowie die Vor- und Nachteile von Magazinen und Körben. Wer den Bienen einen Naturbau bieten möchte, findet im Buch eine detaillierte Beschreibung für den Selbstbau einer Strohbeute.

Beim Bienenjahr orientiert sich Thun am Jahreslauf der Natur, der beginnt, wenn die Sonne in ihrem täglichen Gang wieder aufsteigt und berücksichtigt bei der Pflege die kosmischen Rhythmen. Wichtige Arbeiten sind natürlich die Frühjahrsdurchsicht der Völker, der Schwarmtrieb sowie Völkerverjüngung und Völkervermehrung. Thun unterscheidet dabei zwischen natürlicher Vermehrung und von Menschen gelenkte Vermehrung, darunter Kunstschwarm und Königinzucht. Die Themen Honigernte, Verarbeitung des Honigs, Bienenkrankheiten und ihre Behandlungsmethoden runden das praxisorientierte Wissen ab. Ausführlich beschreibt er die Veraschungsmethode, die auf eine Empfehlung von Rudolf Steiner zur Regulierung von Unkraut und tierischen Schädlingen basiert. Mitverantwortlich für viele Bienenkrankheiten und -schwächen sieht Thun in den modernen Bienenhaltungsmethoden.

Naturwabenbau und Schwarmtrieb

Thun beschreibt in seinem Buch „Die Biene“ die Erfahrungen bei der Bienenhaltung aus der Vergangenheit und Gegenwart, um daraus Empfehlungen für eine zukunftsträchtige Bienenhaltung zu geben. Er macht deutlich, dass mit Vermehren und Verjüngen durch Schwärmen sowie Naturwabenbau auch heute noch eine lohnende Imkerei möglich ist. Berechtigterweise wirft er die Frage auf, ob die moderne Bienenhaltung nicht mit an der Ausbreitung der Varroramilbe beteiligt ist.

Wesensgemäße Bienenhaltung

Für Thun ist die Biene der Urtyp eines sozialen Organismus. „Die Biene ist ein Tier, das ganz nach außen hin wirkt und deren Leben eigentlich nur aus Selbstopferung besteht.“ Er vermittelt eine anthroposophische Sicht auf Bienenzucht, Grundlage dafür sind Rudolf Steiners Vorträge über die Bienen. Einst waren die Bienen in häufig in kleinen bäuerlichen Betrieben beheimatet, künftig sieht er den richtigen Platz für sie in neuen sozialen Lebens-, Kultur- und Arbeitsgemeinschaften auf dem Lande, wo sich nicht mehr der Einzelne betreut, sondern ganze Menschengruppen. „Nur wenn wir es schaffen, zum Pfleger und Erhalter der Bienenkultur zu werden, können wir den Bien gerecht werden und die Bienenkultur für spätere Generationen erhalten.“

Das Buch „Die Biene“ ist ein zukunftsweisendes Plädoyer für ein naturgemäßes Imkern und hilft, das Wesen der Biene besser zu verstehen. Es bietet Jung- und Hobbyimkern interessante und hilfreiche Einblicke in die Grundlagen der wesensgemäßen Bienenhaltung, setzt allerdings teilweise imkerisches Grundwissen voraus. Ein Buch für alle Jung- und Hobbyimker, die stärker die Biene und Natur in den Mittelpunkt ihres Wirkens stellen wollen, bietet es eine Fülle von inspirierenden Anregungen und viele praktische Umsetzungsmöglichkeiten.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein vielschichtiges und informatives Imkerbuch über das Wesen der Bienen und ihre wesensgemäße Haltung und Pflege.

Matthias K. Thun
Die Biene
Haltung und Pflege
Unter Berücksichtigung kosmischer Rhythmen
Gebundene Ausgabe, 312 S.
Aussaattage-Verlag Thun, 6. Überarbeitete Auflage 2016

Ich danke dem Aussaattage-Verlag Thun für das Rezensionsexemplar.

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