Die Buch-Rezension „Ceridwen“ von Manfred Böckl

Boeckl Ceridwen, Quelle: Neue Erde

Auf spirituelle Spurensuche nach der dreifachen Göttin an Kraftplätzen in Britannien und Nordbayern begibt sich Manfred Böckl in seinem Buch „Ceridwen“. Tief taucht er in die keltische Mythologie und Kultur ein und sieht in ihr eine große Chance für die Zukunft.

Ceridwen ist die keltische Göttin mit dem Kessel. Sie ist „die Hüterin allen irdischen und kosmischen Daseins“. Sie ist die dreifache Göttin und Mutter aller Gottheiten, die jeden Lebenskreislauf von der Geburt über Reife und Tod begleitet. Durch die Wiedergeburt verbindet sie jede Erscheinungsform des Lebens mit dem allumfassenden Sein und überbrückt die Kluft zwischen Dieseits- und Anderswelt. „Denn mit unerschöpflicher Kraft, so der Glaube der damaligen Menschen, wandelte die Große Göttin den Tod in neues Leben um…“

Auf der Suche nach der Großen Göttin

Das Urbild der Großen Göttin ist für Böckl die Erdmutter, wie sie in der berühmten Venus von Willendorf aus der Altsteinzeit dargestellt ist. Überall in Europa, im Orient und in Nordafrika stößt man auf Spuren der Muttergöttin. Böckl unternimmt eine Reise ins keltische Britannien und besucht megalithische Steinkreise und Hügelgräber, die er als „heilige Schoßräume der Göttin, in denen das Mysterium von Geburt, Tod und Wiedergeburt spirituell spürbar wurde.“ Er reist zu den Steinringen von Stanton Drew, dem Steinkammergrab Bryn Celli Ddu, dem Hügelgrab von West Kennet und die Höhle der Mother Shipton.

Keltische Mythologie und Kultur

Für die keltische Spiritualität hat die Große Göttin eine besondere Bedeutung. „Wie keine andere Zivilisation der Antike hatte das Keltentum das „weibliche“ Denken und Fühlen des Neolithikums bewahrt.“ Sie strebte das Dasein in Harmonie mit den Naturgesetzen an und verwirklichte das „Prinzip des Miteinanders“ von Menschen, Tiere, Pflanzen und allen anderen Lebensformen. Die Druiden gaben den drei Abschnitten des ewigen Zyklus eine entsprechend menschliche Erscheinungsform. Die gebärende Göttin als junge Frau, die nährende und beschützende Göttin als gereifte Mutter und die Göttin des Todes und der Wiedergeburt als weise Greisin. Ihre Entsprechung finden sie in den drei Göttinnen Brigit, Rhiannon und Morgana.

Kraftorte in Britannien und Bayern

Überall in der keltischen Welt gab es Sakralorte der dreifachen Göttin, die Ceridwen oder einem Aspekt von ihr geweiht waren. Natürlich reist Böckl auch nach Glastonbury, wo bekanntlich das sagenumworbene Avalon lag. Dreimal besuchte er diesen magischen Ort und berichtet von seinen andersweltlichen Erlebnissen. Seine Spurensuche führt in auch zu den alten Mythen und Legenden und er begegnet dem berühmten Barden und DruidenTaliesin, den er als Kind der dreifachen Göttin bezeichnet.

Deutliche Spuren aller Aspekte der dreifachen Göttin findet er auch später im Christentum wieder, auf alten keltischen Kultstätten entstanden häufig Kirchen und Klöster und die Göttinnen finden sich in zahlreichen weiblichen Heiligen wieder. Auch nach der Missionierung verehrten keltischstämmige Bewohner des Bayrischen Waldes ihre Götter an heiligen Plätzen. Böckl stellt einige magische Orte vor, darunter den Wackelstein und den Dreisessel-Felsen, und gibt Tipps, wie man sie anhand von alten Sagen sowie alter Orts- und Flurnamen ausfindig macht.

Rückkehr ins Heidentum

Böckl lässt aber nicht nur die dreifache Göttin Ceridwen lebendig werden, sondern er plädiert in seinem Buch auch für eine „Rückkehr ins Heidentum“ und damit für eine Abkehr von Monotheismus und Materialismus. „Ein Europa, das seine heidnischen Wurzeln wiedergefunden hätte, könnte zur Rettungsinsel für seine Bewohner werden…“ Seine Vorstellung ist eine abendländische Föderation nach druidischem Vorbild, „deren humanes, friedliches und ökologisches Denken, Fühlen und Trachten vom Geist der wahren Gottheiten befruchtet würde…“.

Spirituelle Spurensuche

Böckl unternimmt in seinem Buch „Ceridwen“ eine spirituelle Suche nach der Großen Göttin und taucht tief in die keltische Mythologie und Kultur ein, die ihren Ursprung in der Steinzeit hat. Er hat sich nicht nur intensiv auf die Suche nach den wenigen vorhandenen Quellen begeben, sondern sein Buch lebt vor allem von der Beschreibung seiner eigenen spirituellen und andersweltlichen Erfahrungen an alten keltischen Kultorten in Britannien und Bayern.

Authentisches Wissen über die Kelten gibt es kaum. Böckl gelingt es aber, ein vorstellbares Bild vom keltischen Glauben und Denken zu vermitteln. Der bayrische Autor, der ein Anhänger des Neuheidentums in seiner keltischen Ausprägung ist und keiner Gruppierung angehört, entwirft seine Vision für eine Zukunft, die die Welt für alle Lebewesen wieder lebenswerter machen könnte. Seine eindringliche Botschaft lautet: „Seid behutsam und liebevoll im Umgang mit der Natur in jeder ihrer Wesenheiten, denn in allen von ihnen könntet ihr euch in einer eurer vergangenen oder künftigen Inkarnationen selbst wiederfinden.“

Kurz&Knapp: Lesenswert. Eine Spurensuche nach der Großen Göttin bei den Kelten und ein Plädoyer für eine naturnahe Spiritualität.

Manfred Böckl
Ceridwen
Die Rückkehr der dreifaltigen Göttin der Kelten
Broschur, 224 S.
Neue Erde, 2003

Manfred Böckl wurde 1948 in Landau/Isar (Niederbayern) geboren. Er war zunächst Redakteur bei einer großen bayerischen Tageszeitung; 1976 machte er sich als freier Schriftsteller selbständig. Er veröffentlichte bisher circa 90 Romane und Sachbücher mit einer Gesamtauflage von rund einer Million, die teilweise auch in andere Sprachen übersetzt wurden. Böckl schrieb zumeist über bayerische, deutsche und europäische Geschichte. Manfred Böckl lebt heute in seinem einsamen Haus „Dinas Draig Goch“ im Bayerischen Wald.

Ich danke dem Verlag Neue Erde für das Rezensionsexemplar.

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