Die Buch-Rezension „Heiliger Raum“ von Stefan Brönnle

Brönnle Heiliger Raum, Quelle: Neue Erde

Sakrale Bauwerke sind Orte, an denen der Mensch sich als Brücke zwischen Kosmos und Erde erfahren kann.In seinem Buch „Heiliger Raum“ zeigt Stefan Brönnle faszinierende Gemeinsamkeiten und Gesetzmäßigkeiten von sakralen Bauten von den Anfängen bis in die Gegenwart auf.

Das Bedürfnis des Menschen, heilige Räume zu erschaffen, ist sicher so alt wie die Menschheit selbst. Es sind sowohl materielle Räume als auch geistig-seelische Räume, denn seit je her hat der Mensch versucht, sich mit dem Göttlichen zu verbinden.

Elemente der heiligen Landschaft

Bevor der Mensch Tempel baute, erlebte er den heiligen Raum als Landschaft. Im Wechsel der Jahreszeiten und der Elemente erfuhr er die Kraft des Göttlichen. Pflanzen Wasser und Stein wurden zu „Symbolträgern des heiligen Lebens auf der Erde“. Pflanzen sind Ausdruck der Lebendigkeit und spiegeln Werden und Vergehen wider, das Wasser steht für Fruchtbarkeit und Reinigung und der Stein für das Ewige und die Verbindung zum Göttlichen. Baum, Stein und Wasser entsprechen bildlich dem Körper der großen Göttin, der Mutter Erde. Beim Bau der ersten heiligen Räume waren die drei Naturelemente noch integriert, später tauchten sie meist nur noch symbolisch auf. Die ältesten sakralen Räume waren Höhlen und Steinkreise, später folgten Tempel, Pyramiden und Kathedralen.

Brönnle zeigt an konkreten Beispielen, wie den Tempeln auf Malta, Stonehenge und Cichén Itza in Mexiko, auf, dass sich die Grundprinzipien in Aufbau und in der Symbolik bei nahezu allen sakralen Bauten unterschiedlicher Jahrtausende und unterschiedlicher Kulturen ähnlich sind. Natürlich unterscheiden sich die Bauformen entsprechend der Kulturkreise. Christliche Kirchen mit Haupt- und Querschiff in Kreuzform sind beispielsweise dem „Corpus Christi“ nachgebildet.

Sakale Bauten spiegeln religiöse Mythen

Natürliche Quellen und andere Kraftplätze wurden von den alten Baumeistern genutzt, um dort heilige Räume und sakrale Bauwerke zu errichten. Sie nutzten die vorhandenen geomantischen Potenziale, wie Wasseradern, Leylinien und Verwerfungen. Teilweise wurden sie über Jahrtausende von verschiedenen Kulturen und Religionen als Kultplätze genutzt. Dabei spielten nicht nur Aufbau, Maß, Proportion, Symbolik und Abgrenzung zum profanen Raum (Sanktuar) eine wichtige Rolle, sondern auch die astronomische Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen sowie nach Sonne, Mond, Planeten und Sternbildern. Die sakralen Bauten spiegelten auch die unterschiedlichen religiösen Mythen wieder. Die Altarnischen der christlichen Kirchen sind nach Osten zur Sonne ausgerichtet. Dies entspricht einer Ausrichtung zum heiligen Zentrum Jerusalem als auch zur Sonne, die mit ihrem Aufgang „die Zukunft der Wiederkunft Christi und des „himmlischen Jerusalems“ verheißt“.

Ein heiliger Raum kann aber auch ein ganz persönlicher Ort sein, dazu muss man nicht eine Kathedrale, eine Pyramide oder einen Steinkreis aufsuchen. Brönnle erläutert ausführlich, wie man ohne umfassende geomantische Kenntnisse einen eigenen spirituellen Kraftort erschaffen kann.

Kraftorte für die Seele

In seinem Buch „Heiliger Raum“ spannt Brönnle einen großen Bogen über Kulturen und Kontinente, um die Gemeinsamkeiten und Gesetzmäßigkeiten bei der Auswahl von heiligen Orten und den Elementen sakraler Bauten aufzuzeigen. Er taucht dabei tief in mythologische Weltbilder, formale Symbolik der Sakralarchitektur und der geomantischen Ortsphänomene ein. Brönnle gelingt es komplexe Zusammenhänge verständlich und anschaulich zu vermitteln, wie unterschiedliche Kulturen heilige Räume schufen und welcher Techniken sie sich bedienten. Das Buch „Heiliger Raum“ vermittelt eindrucksvoll das seelische Bedürfnis der Menschen aller Kulturen und aller Zeiten heilige Räume zu schaffen und sich für transzendente Erfahrungen zu öffnen. Heute haben wir leider oft vergessen, dass heilige Räume und auch andere Orte mehr als funktionaler Nutzraum sind, sie besitzen einen Geist und eine Seele, die es zu würdigen gilt.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein erhellendes Buch über die Symbolik der Sakralarchitektur und der Nutzung von geomantischen Ortsphänomenen bei heiligen Stätten von den Anfängen bis heute.

Stefan Brönnle
Heiliger Raum
Sakrale Architektur und die Schaffung ‚Heiliger Räume‘ heute
Taschenbuch, 208 S.
Neue Erde, 2010

Stefan Brönnle absolvierte Ausbildungen in Radiästhesie, Focusing, sowie verschiedenen Wahrnehmungstechniken. Der Zwillerpreisträger von 2008 Berater und Ausbilder für Geomantie und Dozent an einer Fachhochschule.

Ich danke dem Verlag Neue Erde für das Rezensionsexemplar.

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