Die Buch-Rezension „Maria Magdalena und Avalon“ von Klaus Mailahn

Mailahn Maria Magdalena und Avalon, Quelle: BoD

Wer war Maria Magdalena wirklich? In seinem Buch „Maria Magdalena und Avalon“ verfolgt Klaus Mailahn nicht nur ihre Lebensspuren bis nach Britannien und als Mitbegründerin der ersten christlichen Kirche, sondern er sieht sie auch als Inbegriff der Großen Mutter, der Erdgöttin.

Maria Magdalena ist für Klaus Mailahn nicht nur die Frau an Jesus Seite. Er geht den Legenden nach, wonach die Heilige Familie mit Maria Magdalena, Jesus und seine Mutter über Gallien nach Glastonbury floh und dort die erste christliche Kirche errichteten. Die Kelten sahen in Maria Magdalena möglicherweise die inkarnierte Göttin Bride (Brigid) und in Jesus den Erlöser Yesu. Maria Magdalena, die lange Zeit von der römisch-katholischen Kirche als eine Art Sünderin und Prostituierte abgestempelte wurde, war nach Mailahn nicht nur die Braut Jesu, sondern „die Göttin des Christentums“.

Keltische Wurzeln des Christentums

Die Heilige Familie sowie Druiden und Priesterinnen bildeten wahrscheinlich den Ursprung der Culdees. Sie bildeten die Brücke zwischen der Verehrung der alten Götter und dem Christentum. In den Culdee-Klöstern gab es keine Geschlechtertrennung. Nonnen und Mönchen waren Heirat und Familiengründung erlaubt. Aus den Culdees ging später die iroschottische Kirche, dessen Missionare die keltisch-christliche Spiritualität auch in Deutschland und Frankreich verbreiteten. Er zeichnet die Entwicklung der keltischen Kirche der Culdee nach, die eine bedeutende Gegenströmung zur römisch-katholischen Kirche war. Ihre Spuren findet er selbst noch im 8. Jahrhundert bei der Heiligen Odilia, der Schutzpatronin des Elsass.

Nach Mailahn stand im Mittelpunkt des Culdeeglaubens eine heimliche Verehrung Maria Magdalenas und den mit ihr verknüpften Göttinnen, wie der keltischen Muttergöttin Danu. Maria Magdalena und andere Göttinnen standen symbolisch für den Heiligen Gral, der im Grunde nichts anderes war als der heilige Schoß der Großen Mutter, der für Transformation und Reinkarnation steht. In archaischer Zeit versinnbildlichten ihn Höhlen, Grotten und Grabhügel, später waren es Kessel, Salbgefäß oder Kelch. Tod und Unterwelt sind kein dunkler Abgrund, sondern „der Weg zurück zu dem Licht des Lebens, in das wir nach dem Aufenthalt im Göttlich-Mütterlichen Lichtschoß immer wieder aufs Neue eintreten dürfen.“

Marienkult um Maria Magdalena

Die drei Bethen Ambeth, Borbeth und Wilbeth und später die „drei Heiligen Madl’n“ Margaretha, Barbara, Katharina weisen ebenfalls starke Bezüge zu Maria Magdalena auf. Alle drei verkörpern Maria Magdalena als „Göttliche Trinität der Großen Göttin“. Weitere Götter sind die keltische Muttergöttin Anu, Danu und ihrer Tochter Brigid. Der Name Donau leitet sich ebenfalls von Danu ab. Die Flusslandschaft der Donau galt früher als Sinnbild der Göttlichen Mutter. Sogar in der römisch-katholischen Kirche versinnbildlichten beispielsweise die Heilige Brigid von Irland oder die Heilige Barbara Aspekte von Maria Magdalena.

Der Kult um Maria Magdalena, oftmals in Zusammenhang mit Gralssuche und Gralsmythologie, lebte später bei den Merowingern, Katharer und Templern fort, die vielleicht deshalb auch von der römisch-katholischen Kirche verfolgt wurden. Auch die Dominikaner und Zisterzienser verehrten Maria Magdalena. Ihre Spuren verfolgt Mailahn bis in die heutige Zeit. Er macht Kirchen, Kloster und Kapellen im deutschsprachigen Raum und auf den Britischen Inseln ausfindig, in denen Magdalena einst verehrt wurde. Oft war der christliche Marienkult, zuerst ein Magdalenenkult.

Mailahn zeigt auf, dass Maria Magdalena als Sinnbild für die Große Göttin, die lebendige weibliche Schöpfungskraft, unter vielen Namen verehrt wurde. Es ist dabei nicht wichtig, welche Rolle Maria Magdalena wirklich spielte. Ihr Leben wird wohl ewig ein Mysterium bleiben. Mailahn begibt sich auf eine faszinierende Spurensuche nach Maria Magdalena und ihrer Verehrung. Anhand von Statuen, Bildern sowie alten Mythen und Geschichten spürt er in Frankreich, Britannien und Deutschland Orte der Magdalenenverehrung auf. Manche Schlussfolgerungen scheinen mir etwas gewagt, aber Mailahn überzeugt mit seinem umfangreichen Wissen über Geschichte, Theologie, keltischer Mythologie, Genealogie und heiliger vorchristlicher Orte. Er zeigt detailliert die keltischen Wurzeln auf, die unterschweflig trotz der Christianisierung über Jahrhunderte in Britannien, aber auch in Deutschland und Frankreich erhalten blieben und befasst sich mit religiösen Glauben der Culdees, Merowinger, Katharer, Templer und Rosenkreuzer. Mit der Würdigung von Maria Magdalena als dem weiblichen Prinzip der Weisheit oder Erleuchtung geht es dem Autor letztendlich um die Einheit von Himmel und Erde und damit um eine höhere Wertschätzung von Mutter Erde und der Natur. Es geht ihm darum, die beiden Pole wieder in Harmonie und Einklang zu bringen, damit Frieden auf Erden herrsche – für Menschen, Tiere und Natur.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Eine faszinierende Spurensuche nach Maria Magdalena und den keltischen Wurzeln des Christentums.

Klaus Mailahn
Maria Magdalena und Avalon
Die keltischen Wurzeln des Christentums und die heimliche Kirche des Grals
Taschenbuch, 632 S.
Books on Demand, 2017

Klaus Mailahn wurde 1961 in Konstanz am Bodensee geboren. Nach kaufmännischer Ausbildung ist er derzeit in Frühente. Er hat aus Interesse an der Religion einige Abhandlungen,Texte und Bücher verfasst.

Ich danke Books on Demand für das Rezensionsexemplar.