Die Buch-Rezension „Die Wege des Honigs“ von Éric Tourneret und Sylla de Saint Pierre

Tourneret Die Wege des Honigs, Quelle: Ulmer Verlag

Faszinierende großformatige Fotos von Bienen und Honigsammlern quer durch alle Kontinente vereint der großformatige Bildband „Die Wege des Honigs“ von Éric Tourneret und Sylla de Saint Pierre. Sie zeigen damit eindrucksvoll, die Vielfalt der Bienennatur auf, die heute bedroht ist.

Imkern, wie wir es in Deutschland kennen, ist weltweit nicht die einzige Form des Honigsammelns. Bereits vor mehr als 10000 Jahren war Honig bei den Menschen der Altsteinzeit eine beliebte Speise. Anfangs wurde er aus den Nestern von Wildbienen geholt, wobei sie immer wieder neu gesucht werden mussten. Später wurden wilde Bienen in Baumhöhlen angesiedelt, wo sie unter Kontrolle von Menschen Honig anbauten. Erstaunlicherweise finden sich heutzutage noch diese traditionellen Formen der Honigernte. Der französische Natur- und Bienenfotograf Éric Tourneret hat sich weltweit auf die Suche gemacht, um Honigsuchern und Honigsammlern bei der Honigernte über die Schulter zu schauen. In 15 Jahren bereiste er über 40 Länder und zeigt die Vielfalt der regionalen Besonderheiten auf.

Von Honigjägern und Wanderimkern

Nachfahren der Normadenvölker ernten noch heute Honig, wie in der Altsteinzeit als die ersten Honigsammler den Bienen gegenüberstanden. Das Honigsammeln ist für die Adivasi, die indischen Jäger und Sammler, eine anstrengende und gefährliche Arbeit. Im Urwald müssen sie sich die Honigsammler gegen Bären und Elefanten behaupten und die Nester der asiatischen Riesenhonigbienen hängen in 60 Meter hohen Felswänden, an denen sich bis zu hundert Bienenvölker versammeln.

Entspannter geht es in Osteuropa zu. Dort sind viele Wanderimker unterwegs, die mit ihren Bienenbeuten auf LKW, Kleintransportern oder Pferdefuhrwerken zu den Trachtgebieten fahren. Im argentinischen Paraná-Delta werden die Bienenstöcke gar auf Schiffen transportiert. Imkern wird aber mittlerweile auch in Städten im beliebter. Bilder aus Paris, New York, London und Berlin belegen dies eindrucksvoll. Exotisch geht es in Australien zu, die Aborigines graben sich zu den Kammern der Honigameisen, die Honig in ihrem Hinterleib sammeln.

Auswirkungen von Monokulturen

Eine andere Seite der Medaille sind Regionen, wo das Gleichgewicht der Natur längst aus den Fugen geraten ist. In den USA hat die Wanderimkerei eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Viele Imkereien konzentrieren sich dort ausschließlich auf die Bestäubungsleistung der Bienen. Allein im Central Valley in Kalifornien sorgen 1,5 Millionen Bienenvölker für die Bestäubung der Mandelbäume. Die Auswirkungen riesiger Monokulturen werden am deutlichsten in China sichtbar. In den riesigen Plantagen von Sichuan werden die Bienen durch Menschen ersetzt. Sie bestäuben von Hand die Blüten der Birnenbäume. Eine Folge des intensiven Anbaus und des massiven Einsatzes von Pestiziden.

Faszinierende Großaufnahmen von der heimischen Honigbiene, aber auch von exotischen stachellosen Bienenarten sowie Beiträge von Experten, die unterschiedliche Aspekte der Bienen beleuchten, machen den Bildband zu einem visuellen Erlebnis, der den Betrachter hautnah mit Bienen in Berührung bringt.

Spektakuläre Naturaufnahmen

Die eindrucksvollen Bilder von Éric Tourneret sind nicht nur spektakulär, sondern sie zeigen auch die Vielfalt des Zusammenwirkens von Bienen und Mensch auf der Erde auf. Wer diese unglaubliche Vielfalt durch die Bilder schätzen lernt, wird vielleicht auch dazu angeregt, sich verstärkt für den Erhalt der Natur einzusetzen. „Wir sind nahezu an dem Punkt angekommen, an dem es zu einem Zusammenbruch der Umwelt kommt, von dem sie sich nicht mehr erholen kann“, schreibt Tournet zu Recht. Ohne zu zögern gilt es, sich wieder für mehr Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur einzusetzen.

Ein faszinierendes und bewegendes Buch für alle Bienenliebhaber und Naturfreude, das aufzeigt, dass Bienen mehr als nur süße Honiglieferanten sind. Der großformatige und schwergewichtige Bildband zeigt nicht nur die Schönheit und Vielfalt der Natur auf, sondern ist zugleich ein eindringlicher Appell, die Vielfalt und Regenerationsfähigkeit der Natur zu bewahren und zu schützen.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein eindrucksvoller Bildband über die faszinierende Welt der Bienen und der Honigsammler.

Éric Tourneret, Sylla de Saint Pierre
Die Wege des Honigs
Mit Vorworten von Jürgen Tautz und Jean Claude Ameisen
Aus dem Französischen von Claudia Ade
Großformat, 352 S.,
311 Farbfotos, 25 farbige Zeichnungen
Ulmer Verlag, 2017

Éric Tourneret ist seit 20 Jahren Fotojournalist. Seit Beginn seiner Arbeit über Bienen und Imkerei ist er der bedeutendste Bienenfotograf unserer Zeit. Er hat zusammen mit Sylla de Saint Pierre zahlreiche Artikel in den bekanntesten Natur- und Wissenschaftszeitschriften veröffentlicht.

Sylla de Saint Pierre hat ein abgeschlossenes Kunsthochschulstudium. Sie ist Journalistin, Coach und berät Autoren und Verlage hinsichtlich Kommunikation, Text- und Buchkonzeption.

Ich danke dem Ulmer Verlag für das Rezensionsexemplar.

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