Die Buch-Rezension „Auf der Spur der wilden Bienen“ von Thomas D. Seeley

Seeley Auf der Spur der-wilden Bienen, Quelle: Fischer

Honigbienen in der freien Natur finden kaum Beachtung. Die Imkerei hat die Zeidlerei schon lange abgelöst. Der amerikanische Bienenforscher Thomas D. Seeley macht sich in seinem Buch „Auf der Spur der wilden Bienen“ auf die Jagd nach den faszinierenden Insekten und macht erstaunliche Entdeckungen.

Der renommierte Neurobiologe und Verhaltensforscher schildert in seinem Buch „Auf der Spur der wilden Bienen“ das ungewöhnliche Hobby der Bienenjagd, dabei kommen natürlich wissenschaftliche Erkenntnisse über das Verhalten der Honigbienen nicht zu kurz. „Während der Imker seine Honigvölker in Bienenstöcken hält, sucht der Bienenjäger oder Zeidler nach Bienenvölkern, die in hohlen Baumstämmen und anderen selbst gewählten Behausungen leben“, schreibt Seeley.

Bei seinen Forschungsprojekten wollte Seeley herausfinden, wie Honigbienen in ihrer natürlichen Umwelt leben. Er wollte verstehen, wie sie sich mit ihrer Physiologie, ihrem Verhalten und ihrem Sozialleben an die Natur anpassen.

Bienenjagd als vielseitiges Hobby

Für den renommierten Wissenschaftler ist die Bienenjagd ein vielseitiges Hobby, von dem er begeistert berichtet. Seit 40 Jahren geht er im US-Staat New York und Neuengland sowie anderen Regionen auf Bienenjagd. Seine Forschungen betrieb er in einem über 1800 Hektar großen Arnot Forest, der zur Cornell Universität gehört und unter Schutz gestellt ist.

Für Seeley ist die Bienenjagd „ein großartiges Mittel, um dem eigenen Kopf zu entfliehen, denn die Bienen, die zu den erstaunlichsten Tieren der Erde gehören, können unsere Aufmerksamkeit voll und ganz fesseln.“ Und es wird den Jäger, „an Orte der stillen, natürlichen Schönheit führen, die er sonst nie entdeckt hätte“. Er wandelt dabei auf den Spuren von Henry David Thoreau und von Georg H. Edgell, einem angesehenen Professor für Architekturgeschichte und passionierten Bienenjäger, der 1945 das kleine Buch „The Bee Hunter“ veröffentliche.

Jagd ohne Gejagte

Für die Bienenjagd ist keine teure Ausrüstung erfordert, sie passt bequem in einem Rucksack. Gefragt sind vielmehr Geschicklichkeit und Ausdauer. Wichtiges Hilfsmittel ist eine Bienenbox, ein kleiner Holzkasten mit zwei Kammern. Die Tiere werden nicht gejagt, sondern der Jäger fängt ein paar Bienen ein. Er füttert sie, lässt sie wieder frei und folgt ihnen zu ihrer Behausung. Einst wurde das gefundene Bienenvolk aufgebrochen und dessen Honigvorräte geraubt, doch Seeleys Ansinnen ist die reine Beobachtung. Eigene frühere Forschungen sieht er dabei selbstkritisch, nicht immer hatte er zum Wohl der Tiere gehandelt. Die Bienenjagd ist überall möglich, wo die faszinierenden Insekten zuhause sind. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile einen „Beetree-Monitor“. Auf der Website kann jeder Fundstellen von wilden Bienenvölkern eintragen.

Orientierungssinn der Bienen

Seeley versteht sein Buch nicht nur als Leitfaden für ein faszinierendes Hobby, er erläutert auch, was Biologen über die Verhaltensweisen der Honigbienen herausgefunden haben. Honigbienen bergen viele Rätsel, besonders interessant ist ihr Talent für Kommunikation und Orientierung. Er geht den Fragen nach: Welchen Abstand haben Bienenvölker in der freien Wildbahn? Mit welchem Duft lockt man Bienen am besten an? Wie holen Bienen andere Sammelbienen zu einer Nahrungsquelle?

Leidenschaftlicher Bienenforscher

„Auf der Spur der wilden Bienen“ zeigt, warum Honigbienen faszinierende Insekten sind. Für den renommierten Neurobiologen und Verhaltensforscher sind sie Forschungsobjekt und Hobby zugleich. Beides betreibt er mit äußerster Leidenschaft, feiner Beobachtungsgabe und viel Geduld. Er dokumentiert seine Beobachtungen detailliert und ergänzt sein Buch mit Fotos, Grafiken, Tabellen und einem Bauplan für eine Bienenbox. Sein Buch ist zugleich spannender Forschungsbericht, praktische Anleitung zur Bienenjagd und anekdotenreiche Kulturgeschichte der Honigjäger. Anders als in seinem Buch „Bienendemokratie“ beschäftigt er sich mit Honigbienen, die weltweit immer noch in freier Wildbahn vorkommen, und hierzulande bisher kaum Beachtung finden. Seeleys Forschungseifer wirkt absolut ansteckend und er hält für Anfänger der Bienenjagd viele hilfreiche Tipps parat.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Faszinierende Einblicke in die Lebensweise wilder Honigbienen und ein praktischer Leitfaden für die Bienenjagd.

Thomas D. Seeley
Auf der Spur der wilden Bienen
Taschenbuch, 210 S.
Fischer, 2017

Auch als eBook erhältlich.

Thomas D. Seeley ist Professor am Fachbereich für Neurobiologie und Verhalten an der Cornell University. Er studierte in den 1970er Jahren bei den großen Verhaltensbiologen und Ameisenexperten Bert Hölldobler und Edward O. Wilson an der Harvard University und erforscht seitdem intensiv das Leben von Bienen. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. von der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Ich danke dem Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar.

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