Die Buch-Rezension „Märchen“ von Stefan Brönnle

Brönnle Märchen, Quelle: Neue Erde

Die Märchen der Gebrüder Grimm kennt wohl jeder aus seiner Kindheit. Stefan Brönnle interpretiert in seinem inspirierenden Buch „Märchen“ die Geschichten von Rotkäppchen, Schneewittchen und Hänsel und Gretel aus mythologischer Sicht und sieht sie als Wegweiser für ein neues Erdbewusstsein.

Mythen werden nicht rational erfasst, sondern erfühlt, wie der Geomant Stefan Brönnle schreibt. „Wir haben heute in der Kultur kein wirkliches Verständnis mehr für mythisches Denken und Erleben.“ Märchen basieren auf uralte Mythen unserer Ahnen und vermitteln geistig-symbolische Wahrheiten.

Schätze alten Wissens

Interessant ist dabei, dass die von den Gebrüdern Grimm gesammelten Märchen mehrfach umgeschrieben wurden und eine mehr moralisierende Fassung erhielten, um dem damaligen Zeitgeist des 19. Jahrhunderts zu entsprechen. Um an den mythologischen Gehalt der Märchen zu gelangen, hat Brönnle sich intensiv mit ihnen auseinandersetzt.

Mit seinem Buch über Märchen möchte Brönnle die tiefen Wurzeln unserer Kultur freilegen. Er betont aber, dass seine Interpretationen der Märchen als kollektive geistige Wirklichkeit keinen Anspruch auf eine allgemeingültige Wahrheit erheben. Märchen im mythischen Sinne haben für ihn eine große Bedeutung in der Schwellenzeit, in der wir uns kulturell befinden. Er versteht sie nicht nur als Ausdruck des erdverbundenen Lebens unserer Ahnen, sondern auch als „neue Geokultur, ein neues Verhältnis von Erde und Mensch“.

Märchen und Naturverbundenheit

In den Märchen spürt er den Themen Tod und Wiedergeburt, drei Welten und schamanisches Reisen, Erdmutter und deren drei Aspekten nach. Das Märchen „Schneewittchen“ erinnert uns beispielweise an die Erdzyklen, bei denen ständig Altes vergeht und Neues kommt. Das Märchen „Der Hase und der Igel“ erinnern an den Zyklus von Sonne und Mond und „Hänsel und Gretel“ symbolisiert den Lebensweg des Menschen.

Unsere Vorfahren und naturverbundene Völker betrachten Zeit und Raum nicht linear, sondern zyklisch entsprechend dem Erleben des immer wiederkehrenden Laufes der Jahreszeiten. „Wer beständig linear fortschreitet, kann seinen Müll getrost hinter sich liegen lassen, doch wer auf seinem Lebensweg wieder und wieder zyklisch an denselben Ort kommt, begegnet dort schnell seinem eigenen Müll.“

Plädoyer für eine erdbezogene Spiritualität

Mit seinem Buch will Brönnle wieder geistig-seelische Brücken zur Erde zu bauen. Die moderne Zivilisation, die er treffenderweise als „Zivielisation“ bezeichnet, hat sich immer mehr von dem Erdbewusstsein entfernt. Versiegelung von Flächen, Ausbeutung, Zerstörung und unaufhörliches Wachstum hinterlassen immer deutlicher ihre Spuren. Wir entfernen uns immer weiter Erdebewusstsein und leben schon lange nicht mehr nach den natürlichen Rhythmen. Märchen können wichtige Impulse für eine Rückbesinnung und Rückverbindung des Menschen geben. Sie können Wegweiser für ein besseres Verständnis der Zusammenhänge von Erde und Mensch sein. „Das gemeinsame Miteinander von Erde und Mensch ist keine Utopie. Es ist ein tief in unser Psyche verankertes Bedürfnis, ein inniges Sehnen.“ Brönnle plädiert für eine gelebte erdbezogene Spiritualität, die sich sozial engagiert und mit der Welt verbunden ist. Seine inspirierenden Interpretationen zeigen deutlich, Märchen sind mehr als nette Kindergeschichten, sie bergen Schätze alten Wissens und können sehr wohl zukunftsweisende Impulse vermitteln.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Märchen als Quelle unseres mythologischen Erbes und als Wegweiser für ein neues globales Erdbewusstsein.

Stefan Brönnle
Märchen
Mythologische Brücke zu einem neuen Erdbewusstsein
Paperback, 144 S.
Neue Erde, 2018

Stefan Brönnle absolvierte Ausbildungen in Radiästhesie, Focusing sowie verschiedenen Wahrnehmungstechniken. Der Zwillerpreisträger von 2008 Berater und Ausbilder für Geomantie und Dozent an einer Fachhochschule.

Ich danke Neue Erde für das Rezensionsexemplar.

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