Die Buch-Rezension „Das Buch der keltischen Mythologie“ von Syliva und Paul F. Botheroyd

Botheroyd Das Buch der keltischen Mythologie, Quelle: Marix Verlag

Die Faszination der mystischen Überlieferungen der Kelten zeigt das Nachschlagewerk „Das Buch der keltischen Mythologie“ von Syliva und Paul F. Botheroyd auf. Es bietet Einblicke in eine vielschichtige Götterwelt und lässt das keltische Erbe unserer eigentlichen „Urahnen“ lebendig werden.

Die Kelten faszinieren bis in die heutige Zeit. Ihre alten Mythen und Legenden haben ihren Reiz bis heute nicht verloren, ihnen haftet ein Schein von Mysteriösem und Andersweltlichem an. Die beiden Autoren Syliva und Paul F. Botheroyd begeben sich auf Spurensuche nach dem keltischen Weltbild und ihrer Mythologie. Kein leichtes Unterfangen, da von den Kelten keine direkten schriftlichen Quellen überliefert sind. Sie gaben ihr Wissen ausschließlich mündlich weiter. Die spärliche Quellenlage über die keltische Mythologie begünstigt eine spekulative und fantasievolle Interpretation, die Autoren haben aber den Anspruch moderne keltische Fiktion von der keltischen Überlieferung abzugrenzen. Ihr Lexikon von Abnoba bis Zeitenberechnung bezieht nicht nur Mythen, Sagen, Schriften antiker Autoren und moderner Forscher sowie archäologische Grabungsstätten ein, sondern sie schreiben auch über die Hinterlassenschaften der Kelten in Museen und mit der Mythologie verbundene Orte.

Vielfalt der keltischen Götterwelt

Genau wie bei den Kelten keine politische und kulturelle Einheit existierte, gab es auch keine einheitliche mythologische Tradition. Naturgemäß dominiert im Lexikon das noch fassbare inselkeltische Wissen. Die Autoren stellen eine Vielzahl keltischer Gottheiten vor, darunter Dagda, Lug, Cernunnos, Ceridwen, Brigit und Rigani, und wichtige Sagenfiguren vor. Natürlich gehen sie auch auf Begriffe, wie Unsterblichkeit der Seele, Jahreszeitfeste, Ahnenkult, Totenkult, Jenseitsvorstellungen, Anderswelt und Druidentum ein, die eng mit dem keltischen Weltbild verbunden sind.

In der keltischen Mythologie spielen Tiere ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie hatten nicht nur eine Bedeutung für das tägliche Leben, sondern vor allem auch bei Opferzeremonien. Viele Götter und Göttinnen hatten Tiere als Begleiter. Neben unterschiedlichen Vögeln kommen Bär, Hirsch, Stier, Hund, Hase und andere Tiere häufig in Sagen und Mythen vor. Zu den alten keltischen Überlieferungen gehören natürlich auch die Sagen um König Artus, Zauber Merlin, die Dame vom See sowie Parzifal, Tristan und Isolde.

Nicht nur wichtige Orte der Inselkelten, wie Newgrange, Stonehenge und Tara, werden in dem Buch vorgestellt, sondern auch bedeutende Orte der Festlandkelten. In Deutschland finden sich mit der Heuneburg, dem Glauberg, dem Oppidum von Manching und dem Fürstengrab von Hochdorf bedeutende keltische Fundorte, die etwas über die Mythologie der Kelten aussagen.

Übersichtskarten über das keltische Europa mit wichtigsten Museen und Ausgrabungsstätten sowie eine Zeittafel im Anhang bieten eine grobe räumliche und zeitliche Orientierung.

Facettenreiches Weltbild der Kelten

Die vollständig überarbeitete, neu bebilderte und erweiterte Neuauflage von „Das Buch der keltischen Mythologie“ überzeugt mit fundierten Lexikontexten, die mit unzähligen Querverweisen versehen sind, die zum Quer- und Weiterlesen einladen. Wer sich mit einzelnen Themen intensiver beschäftigen möchte, findet im Anhang eine umfangreiche weiterführende Literaturliste. Das Lexikon ist wie ein großes buntes Mosaikbild, das sich aus vielen unterschiedlichen Facetten zusammensetzt und so ein umfassendes Weltbild der Kelten und ihrer Mythologie entstehen lässt. Eine Vielzahl von Abbildungen und die vielschichtigen Begriffserklärungen laden zum Stöbern, Entdecken und Nachschlagen ein und zeigen die Faszination auf, die von der keltischen Mythologie ausgeht. Es beleuchtet die eigentlichen Wurzeln unserer Kultur und lässt unser reichhaltiges keltisches Erbe wieder lebendig werden.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein fundiertes und faszinierendes Nachschlagewerk über die Vielfalt der keltischen Mythologie.

Syliva und Paul F. Botheroyd
Das Buch der keltischen Mythologie
Gebundenes Buch, 384 S.
Marix Verlag/Verlagshaus Römerweg, 2018

Sylvia Botheroyd (geb. 1944) studierte Anglistik, Germanistik und Allgemeine Geschichte an der Universität Basel und arbeitete als Übersetzerin. Paul F. Botheroyd (geb. 1939) studierte u. a. Germanistik und Anglistik an der Universität Birmingham. Beide unterrichten irische Sprache und Kultur an der Ruhr-Universität Bochum und haben einzeln und gemeinsam zahlreiche Bücher und Artikel zu den keltischen Kulturen Europas verfasst.

Ich danke dem Marix Verlag/Verlagshaus Römerweg für das Rezensionsexemplar.