Die Buch-Rezension „Räucherstoffe – Der Atem des Drachen“ von Christian Rätsch

Rätsch Räucherstoffe, Quelle: AT Verlag

Altes und wissenschaftliches Wissen über Räuchern mit heimischen und exotischen Pflanzen vermittelt der bekannte Hamburger Ethnopharmakologe und Schamane Christian Rätsch in seinem Ratgeber- und Nachschlagebuch „Räucherstoffe – Der Atem des Drachen“.

Räuchern gehört zu den ältesten rituellen Praktiken der Menschheit. Geräuchert wurde in fast allen Hochkulturen der Erde. Dem Rauch bestimmter Hölzer, Harze und Blätter werden zu allen Zeiten magische oder medizinische Eigenschaften zugeschrieben. Schamaninnen und Schamanen benutzen Pflanzen um in Trance zu fallen und Priesterinnen und Priester inhalierten Rauch, um bewusstseinsverändernde Zustände zu erreichen. Auf der ganzen Welt gibt es besondere Schamanenpflanzen, die geräuchert oder inhaliert werden. Am bekanntesten ist wohl der Tabak, der bei den mittel- und südamerikansichen Indianern eine wichtige Ritualpflanze war.

Lange Tradition des Räucherns

Der Hamburger Ethnopharmakologe und Schamane Christian Rätsch beleuchtet in einem kompakten Überblick die Kulturgeschichte des Räucherns. Für Rätsch gibt es drei kulturelle Zentren des Gebrauchs von Räucherstoffen: die antike Welt samt dem alten Orient, Indien und Mittelamerika.

Das Räuchern hat bei den amerikanischen Ureinwohnern, darunter Maya, Aztekten und Mixteken eine lange Tradition. Es spielte im privaten, öffentlichen und religiösen Leben eine herausragende Rolle. Aber auch die alten Chinesen räucherten sowohl in Tempeln als auch in ihren Häusern. Im alten China hiess das Räuchern Wenxiang, was soviel wie „den Duft hören“ bedeutet. Daraus entwickelte sich später die japanische Räucherzeremonie Koh-Do, der „Weg des Räucherns“. In der europäischen Renaisssance wurde das alte Wissen um die Beschaffenheit und Wirkung der Kräuter durch die Alchemie wieder neu entdeckt.

72 ausführliche Pflanzenporträts

Im umfassenden lexikalischen Teil stellt Rätsch von Aloe bis Zypresse 72 Räucherpflanzen in Wort und Bild vor. Er erläutert die Verwendung in Ritual und Brauchtum sowie Wirkungen, Anwendungsmöglichkeiten und Zubereitung. Zusätzlich finden sich Angaben zu der botanischen Identität der Stammpflanze sowie zu Inhalts- und Wirkstoffe und Angaben zur Verfügbarkeit der einzelnen Substanzen. Seine ausführlichen ethnobotanischen und ethnopharmakologischen Pflanzenporträts beschreiben auch heimische Pflanzen wie Beifuss, Eisenkraut und Stechapfel. Besonders psychoaktive Pflanzen, denen meistens etwas Geheimnisvolles innewohnt, entmystifiziert er durch fundiertes Wissen.

Für den Umgang und Gebrauch mit Räucherstoffen gibt Rätsch abschließend praktische und nützliche Hinweise. Dazu finden sich am Ende des Buches ein pharmazeutisches Glossar, berühmte Rezepte, eine Aufstellung schamanischer Räucherstoffe, eine Farbtafel zur Bestimmung von Räucherstoffen und eine umfangreiche Bibliographie.

Hintergrundwissen und kreative Anregungen

„Räucherstoffe – Der Atem des Drachen“ ist ein fundiertes Ratgeber- und Nachschlagebuch über unterschiedliche Räucherstoffe und ihre Wirkungen. Rätsch gelingt es vielschichtige Pflanzenporträts zu zeichnen, bei denen er altes überliefertes Wissen mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen verbindet. Es enthält eine Fülle von Hintergrundwissen und unzählige Anregungen über die Verwendung einzelner Räucherstoffe und eignet sich sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene. Ein Buch für alle, die nicht gerne auf fertige Kräutermischungen zurückgreifen und sich intensiv mit unterschiedlichen Räucherstoffen befassen möchten. Der kreative Umgang mit Räuchernpflanzen und –mischungen sowie deren vielfältigen Aromen kann ein intensiver und kreativer Weg sein, um sich tiefer auf die Mysterien der Natur einzulassen.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein fundiertes Ratgeber- und Nachschlagebuch über heimische und exotische Räucherpflanzen sowie ihrenß Wirkungen.

Christian Rätsch
Räucherstoffe
Der Atem des Drachen
72 Pflanzenporträts – Ethnobotanik, Rituale und praktische Anwendungen
Gebundene Ausgabe, 238 S.
AT-Verlag, 7. Auflage, 2016

Christian Rätsch, Ethnologe und Ethnopharmakologe, Referent und Autor. Er erforscht weltweit schamanische Kulturen und deren Gebrauch psychoaktiver Pflanzen. Autor von zahlreichen Büchern.

Ich danke dem AT Verlag für das Rezensionsexemplar.

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