Die Buch-Rezension „Die Merowinger“ von Usch Henze

Henze Die Merowinger, Quelle: Neue Erde

Kaum eine andere Epoche der europäischen Geschichte ist so sagenumwoben wie die Merowingerzeit. Usch Henze beschreibt in ihrem Buch „Die Merowinger“ die Geschichte und den Ursprung des alten Königsgeschlechts und erforscht ihr geheimes altes Wissen.

Um die Herkunftgeschichte der Merowinger ranken sich viele Legenden und Geheimnisse. Ihre Abstammung wird nicht nur auf Trojanern, Kimmerern und Sugambrern zurückgeführt, sondern ihnen werden auch eine Abstammung von den „Fischerkönigen“ und eine Blutsheiligkeit, die bis König David zurückreicht, nachgesagt.

Historische und spirituelle Spurensuche

Usch Henze begibt sich in ihrem Buch „Die Merowinger“ auf eine historische und spirituelle Spurensuche nach dem „geheimnisvollen Nimbus“ der Merowinger „als charismatische, spirituelle oder gar heilige Könige“. Bedeutsam ist, dass die Merowingerzeit nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert in die Übergangszeit von neuem und altem Glauben fällt. Für Henze waren die Merowinger „das letzte Königtum im Geiste des vorchristlichen Europas“.

Ihre Art der Herrschaft unterschied sich deutlich von späteren Monarchien. Sie wurden nicht gekrönt, ihre Herrschaftswürde bestand durch Geburt. „Die Könige sollen hellseherische und heilende Fähigkeiten gehabt haben, telepathisch miteinander kommuniziert, das Wetter beeinflusst und mit Tieren und Naturgeistern gesprochen haben.“ All dies deutet für Henze auf einen „gehobenen spirituellen Stand“ hin. Sie verfügten über ein umfangreiches Wissen und waren spirituelle Eingeweihte ähnlich den keltischen Druiden. Die Tradition der Merowinger war eng verbunden mit ihrem fränkischen und germanischen Erbe, aber auch mit ihrem keltischen Erbe.

Henze verfolgt die Spuren vom Aufstieg und Fall der fränkischen Merowinger-Dynastie (Pharamund, Chlodio, Merowech und Chlodwig) vom 5. bis zum 8. Jahrhundert. Childerich I. bekannte sich als erster Merowingerkönig 482 zum Christentum. Der letzte Merowinger König Childerich III. wurde um 750 abgesetzt. Bei aller politischen Weitsicht und spiritueller Bildung stellt Henze aber auch ein „latentes Konfliktpotenzial“ fest, das zu Erbfolgekriegen und tödlichen Familienzwistigkeiten führte.

Hüter vieler Geheimnisse

Als direkte Vorfahren der Merowinger gelten die Sugambrer. Man vermutet, dass sie bereits 400 v.Chr. als Könige der Kimmerer am Schwarzen Meer im Reich der Skythen herrschten. Um die Zeitenwende nennen sie sich, nach ihrem König Francus, was „die Freien“ bedeutet. Er eint die germanischen Stämme im Kampf gegen die Römer. Sie lebten mehrere Jahrhunderte im Gebiet der Externsteine und haben das Wissen der Megalithiker gehütet und an ihre Nachfahren weitergeben. Die Hüter der Steine waren eine Gruppe von hochgelehrten Priester-Wissenschaftlern, die Kulthandlungen an Kraftorten ausführten.

Henze besucht alte Merowinger Kultstätten im heutigen Frankreich und Deutschland, darunter Aachen, Worms, Orval, Saverne, Baume-les-Dames und den Odilienberg. Die Merowinger waren Hüter vieler Geheimnisse aus der Vorzeit, darunter die alte Lehre zur Gewinnung und Zentrierung von Naturkräften. Das Elsass war eine Hochburg keltischer und merowingischer Traditionen im Übergang zum Christentum. Die Mission der iro-schottischen Mönche brachte am Ende des 6. Jahrhunderts neue Impulse für das keltische Christentum ins Merowingerreich. Die keltisch-christliche Kirche verknüpfte christliche Werte mit alten druidischen Weisheitslehren.

Geist des Alten Europas

Henze möchte mit ihrem Buch nicht nur unsere spirituellen und geistigen Wurzeln aufzeigen, sondern auch zu einer aktuellen neuen Identitätsfindung beitragen. Sie zeigt auf, dass sich das damalige Weltbild frappierend von unserem unterschied. Das Weltbild der alten Kulturen geprägt durch eine ganzheitliche Sichtweise und unterschiedliche Glaubensrichtungen, Bräuche und Kulte existierten parallel. Es gab eine andere Wirklichkeitsauffassung. „Gott und die Schöpfung waren nicht etwas Seiendes, sondern etwas Werdendes, und dieses Werden umfasste die Welt.“ Henze begibt sich mit ihrem Buch auf die Spurensuche nach dem Geist des Alten Europas und macht ihn in vielen Facetten wieder erfahrbar.

Das Buch „Die Merowinger“ ist kein klassisches wissenschaftliches Buch, obwohl es Erkenntnisse aus historischen, archäologischen und genealogischen Forschungen enthält. Es ist ein Buch, dass sich Grundlage von historischen Fakten auf eine äußere und innere Spurensuche nach unseren spirituellen Wurzeln aus vorchristlicher Zeit aufmacht. Es zeigt ein facettenreiches faszinierendes Bild der Merowinger als Herrschergeschlecht am Übergang zwischen alter und neuer Welt auf. Sie waren die Hüter alten Wissens und alter Weisheiten. Henze ist es gelungen, die Merowinger in ein neues Licht zu rücken. Mit den Merowingern lassen sich unsere vorchristlichen spirituellen und kulturellen Wurzeln wieder neu entdecken.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Eine facettenreiche Spurensuche über die Geschichte der Merowinger und ihr geheimes altes Wissen.

Usch Henze
Die Merowinger
Gebundene Ausgabe, 208 S.
Verlag Neue Erde, 2010

Auch als eBook erhältlich.

Usch Henze ist gelernte Bankkaufrau und war im Management verschiedener Unternehmen tätig. Nach einer existenziellen Lebenskrise schlug sie einen neuen Lebensweg ein. Neben ihrer Praxis für transpersonale Psychologie und Seminaren zur bewusstseinsfördernden Erwachsenenbildung leitete sie Seminar-Reisen an Kraftorte.

Ich danke dem Verlag Neue Erde für das Rezensionsexemplar.

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