Die Buch-Rezension „Symbolik: Schlangen und Drachen“ von Harry Eilenstein

Eilenstein Symbolik Schlangen und Drachen, Quelle: BoD

Schlangen und Drachen sind vieldeutige Motive in der Mythologie der Germanen und anderer alter Kulturen. Harry Eilenstein spürt in seinem Buch „Symbolik: Schlangen und Drachen“ die unterschiedlichen Mythen bis zu ihrem Ursprung in der Altsteinzeit auf.

Die germanische Überlieferung enthält eine Fülle von Versen, Mythen, Sagen und Liedern zu Drachen und Schlangen. Der bekannteste Drache ist wohl Fafnir, der in einer Höhle auf einem Goldschatz liegend von Siegfried (Sigurd) getötet wird. Später badete Sigurd in Fafnirs Blut, was ihn unverwundbar machte. Nur eine Stelle, zwischen den Schulterblättern, an der beim Bad ein Lindenblatt haftete, blieb verwundbar. Am ausführlichsten wird die Geschichte des Drachen Fafnir in den Nibelungen der Edda beschrieben. Schlangen und Drachen an den Wurzeln des Welten- oder Lebensbaums gehören ebenfalls zur grundlegenden Mythologie vieler Völker.

Jenseitsweg und Ahnengeister

Für die um 1200 n. Chr. in Island lebenden Germanen war der Drache auf seinem Schatz ursprünglich die Schlange als Totengeist auf dem Hügelgrab gewesen. Aus den Grabkammern wurden später Schlangengruben und Drachenhöhlen.

Die Schlange galt als Symbol des Jenseitsweges und der Ahnengeister. Sie ist das Symbol der Seelen der Toten in der Unterwelt. „Durch die Assoziation mit dem Tod wurde die Schlange jedoch mit der Zeit zu einem gefürchteten mythologischen Wesen.“ Sie galt als todbringendes Ungeheuer, daneben gab es aber auch immer das Bild der hilfreichen Schlange oder des hilfreichen Drachens.

Eilenstein zeigt auf, dass der Drache eine Weiterentwicklung der Schlangensymbolik ist. Der Flügel-Drache entstand aus der Verbindung des Schlangen-Motivs mit dem Vogel-Motiv. Drachen konnten Feuer spucken, beherrschten die Magie und konnten die Zukunft voraussehen. Die Wikinger übertrugen durch ihre Symbolik die Kraft der Drachen auf die berühmten Drachenboote und Drachenschwerter.

Schlangen und Drachen bei den Indogermanen

Die mythischen Wesen der Schlangen und Drachen finden sich in vielen Sagen, Mythen, Versen und Liedern, wie Eilenstein durch eine Fülle von Textauszügen anschaulich belegt. Auch die Gebrüder Grimm sammelten einige Drachensagen. Sie greifen die alten Motive Drache als Ahnengeist im Hügelgrab, Schlange als Jenseitsgöttin oder hilfreiche Ahnen und der Drachenkampf auf.

Neben den schriftlichen Überlieferungen hat Eilenstein eine Vielzahl bildlicher Darstellungen von Schlangen und Drachen auf Runden- und Bildsteinen, Broschen, Wandteppichen, Truhen und norwegischen Stabskirchen ausfindig gemacht.

Eilenstein befasst sich auch mit der Bedeutung der Drachen- und Schlangensymbolik bei anderen indogermanischen Völkern, darunter Kelten, Griechen und Indern. Die Schlange symbolisierte den Weg der Sonne durch die nächtliche Unterwelt, galt als Fruchtbarkeitsschlange, Tier der Muttergöttin, Regenräuberschlange, feuerspeiende Schlange und Riesenschlange. Im indischen Yoga wurde die feuerspeiende Schlange zum Symbol der Lebenskraft, deren Erwachen man als aufsteigendes Kundalinifeuer bezeichnet. Wahrscheinlich wurde das Kundalinifeuer auch von keltischen Ekstasekriegern und germanischen Beserkern benutzt.

Eilenstein verfolgt die Schlangen- und Drachensymbolik zurück bis zu ihrem Ursprung, da es bei den Völkern in Europa, Asien und Amerika übereinstimmende Vorstellungen gab, die von den nacheiszeitlichen Jägern und den frühen Ackerbauern aus Mesopotamien stammten. Die Schlange als Tier der Jenseitsreise und die magische Kraft, die Schamanen dadurch erhielten, war sicherlich eine der wichtigsten Verbildlichung, die von vielen Kulturen übernommen wurde. Die Schamanen waren so in der Lage Kontakt zwischen Lebenden und unterstützenden Toten (Ahnenkult) herzustellen.

Von der Altsteinzeit bis heute

In seinem Buch lässt Eilenstein den Leser teilhaben an einer spannenden Spurensuche nach der vielfältigen Symbolik von Schlangen und Drachen bei den Germanen und anderen vor allem indogermanischen Völkern. Anhand von unzähligen Textpassagen aus Sagen, Mythen, Liedern und Versen sowie zahlreichen archäologischen Fundstücken zeigt er auf, welche zentrale Bedeutung Schlangen und Drachen in der Mythologie zukam. Der Autor, der über fundierte Kenntnisse verfügt, lädt die Leser aber zuerst dazu ein, sich selbst ein eigenes Bild von den alten Texten zu machen, bevor er sie deutet und in einem größeren Zusammenhang stellt.

Für Eilenstein ist die Vorstellung von Ahnengeistern in Gestalt von Schlangen bereits seit dem Neandertaler denkbar und seit 150.000 Jahren sehr wahrscheinlich. Eilenstein spannt in seinem Buch einen weiten Bogen von Altsteinzeit bis heute, wo für ihn der Drache heute zum Symbol der Lebendigkeit und der Heilung werden könnte. Er zeigt auch auf, dass es Traumreisen, Kundalinimeditation und Ekstase-Tanz ermöglichen, durch innere Bilder auch heute in Kontakt mit der Kraft der Schlangen und Drachen zu kommen.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Eine mythologische Entdeckungsreise in die Welt der Schlangen und Drachen bei den Germanen sowie zu ihren Ursprüngen in der Altsteinzeit.

Harry Eilenstein
Symbolik: Schlangen und Drachen
Die Götter der Germanen – Band 41
Taschenbuch, 616 S.
Books on Demand, 2017

Harry Eilenstein, 1956 geboren, befasst sich seit 40 Jahren intensiv mit Magie, Religion, Meditation, Astrologie, Psychologie und verwandten Themen. Im Laufe der Zeit hat er ca. 85 Bücher sowie ca. 50 Artikel für verschiedene Zeitschriften verfasst. Seit 2007 ist er hauptberuflich Lebensberater. Er bietet Beratungen, aber auch das Deuten von Horoskopen, Heilungen, Rituale, Hilfe bei Spukhäusern u.ä. Problemen, Ausbildung in Meditation und Feng Shui und vieles mehr an.

Ich danke BoD für das Rezensionsexemplar.

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