Die Buch-Rezension „Meine Freundin Angst“ von Meera Lee Patel

Patel Meine Freundin Angst, Quelle: Knaur Balance

Über Ängste wird selten offen gesprochen. Die junge Illustratorin und Autorin Meera Lee Patel ist da eine große Ausnahme. In ihrem Buch „Meine Freundin Angst“ schreibt sie über ihre Ängste, den Umgang damit und wie sie sie als Chance für Veränderungen nutzt, um wieder in die Magie des Lebens einzutauchen.

Meera Lee Patel ist eine junge autodidaktische Künstlerin, die in Brooklyn lebt. Inspiriert von der Natur und ihrer Heimat Indien kreiert sie Illustrationen mit fließenden Aquarellfarben. Sie verleiht aber nicht nur ihren Gefühlen und Empfindungen mit Farben Ausdruck, sondern nähert sich ihrem Lebensthema Angst in authentischen Selbstreflexionen und inspirierenden Zitaten.

Die Angst, anders zu sein

Patel macht sich auf die Suche nach dem Ursprung ihrer Ängste, die mit „angemessenen Sorgen“ beginnen, aber schnell zu „irrationalen Ungeheuern“ werden können. Sie beginnt bei der Reflexion mit ihrer Geburt und ihrer Kindheit. „Ich kam wie alle anderen ohne Angst zur Welt.“ Sie beschreibt, dass sie nach der Geburt „großen Hunger nach Neuem“ hatte und möglichst viel zwischen Aufwachen und Schlafen erleben wollte. Sie hatte „keine Vorstellung von Wunsch oder Wirkung …“. Das Spiel des Lebens war für sie einfach nur magisch.

Mit dem Erwachsenwerden stolperte sie in eine andere Welt, „in der sich die Zufriedenheit in Angst und die Selbstverständlichkeit in Zweifel wandelte“. In ihr gab es viele Ängste, doch ihre größte war es, anders zu sein. Sie zwingt sich, so zu sein, wie alle. „Einen Großteil meines Lebens habe ich mich bemüht, nicht aufzufallen.“

Sie fragt sich, wo fängt die Angst an und warum habe ich Angst? Und wenn ich nun Angst habe, was dann? Es ist in Ordnung, Angst zu haben. Und sie will herausfinden, was unter diesem „schweren, dunklen Mantel“ steckt. „Ich musste den ersten Schritt tun und die Angst an meine Seite nehmen, statt sie so vor mir zu platzieren, dass sie mir den Weg verstellte.“ Sie beleuchtet ihre Angst, die viele Gesichter hat. Sie wollte dazugehören, sie wollte akzeptiert und geliebt sein.

Angst als Wegweiser

Patel lädt dazu ein, die Angst anders wahrzunehmen. „Wir sind nicht allein mit unseren Ängsten. Sieh dich um: Jeder, den du siehst, hat vor irgendetwas Angst.“ Es geht ihr nicht darum, die Angst einfach wegzumachen, sondern die Angst klar zu erkennen und „ein größeres Leben mit ihr an unserer Seite zu führen“.

„Meine Freundin Angst“ ist ein sehr mutiges und persönliches Buch der jungen Künstlerin Meera Lee Patel. Es zeigt auf, wie es möglich ist, sich selbst mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen. Wer es ihr gleichtun möchte, findet in ihrem Buch hilfreiche Anregungen und Inspirationen. „Die Angst ist eine Freundin, sie ist da, um dich unterstützen …Wir müssen ihr unsere Zeit widmen, hart an uns arbeiten und ehrlich sein, um gesund zu werden und es zu bleiben.“ Die Auseinandersetzung mit ihren inneren Themen gelingt Patel auf kreative und eindrucksvolle Weise. Sie macht ihre Gedanken, Gefühle und Erinnerungen durch Aquarellbilder und reflektierende Texte sicht- und greifbar. ‚Sie nimmt ihnen so den innewohnenden Schrecken, der andere vielleicht zaudern lässt oder in inneren Aufruhr versetzt. Meera Lee Patel nähert sich behutsam und liebevoll ihre Ängsten und erkennt, dass sie mehr als ihre Ängste ist. „Meine Freundin Angst“ ist ein authentisches Buch, das kreative Anregungen liefert, sich mit seinen Ängsten auf liebevolle Weise zu beschäftigen und vor allem macht es Mut, seine Träume zu verwirklichen.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein mutiges und kreatives Buch über den Umgang mit den eigenen Ängsten.

Meera Lee Patel
Meine Freundin Angst
Wie ich sie kennenlernte und dadurch stark wurde
Flexcover, 176 S.
Knaur Balance, 2018

Meera Lee Patel ist Illustratorin, Künstlerin und Autorin aus Brooklyn, New York. Sie inspiriert sich durch ruhige, magische Momente oder Erlebnisse aus dem Alltag. Die Autodidaktin verkauft ihre eigene Linie von Schreibwaren und Textilien in Boutiquen in den USA.

Ich danke Knaur Balance für das Rezensionsexemplar.

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