Die Buch-Rezension „Die schamanische Kraft im Alltag“ von Cambra Skadé

Skadé Die schamanische-Kraft im Alltag, Quelle Arun

Wie im Alltag gelebter Schamanismus unser Leben bereichern kann, spürt die Künstlerin und Alltagsforscherin Cambra Skadé in ihrem Buch „Die schamanische Kraft im Alltag“ auf unterhaltsame und inspirierende Weise auf.

Schamanismus haftet meist etwas Exotisches an, dazu gehören geheimnisvolle Rituale, magische Fähigkeiten sowie Kontakte zur Geisterwelt und anderen unsichtbaren Welten. Zurückzuführen ist dies auf die harte Trennung zwischen Spirituellem, Kostbarem und alltäglichen Nebensächlichkeiten, die es in unserer Gesellschaft gibt. Doch Schamanismus lässt sich auch bei uns im ganz normalen Alltag integrieren. Die bayrische Künstlerin und Alltagsforscherin Cambra Skadé verbindet ihren Schamanismus mit Kunst und Alltag. Sie malt, tanzt, reist, liebt die Brotzeit und erfindet sich auch manchmal neu. In ihrem Buch „Die schamanische Kraft im Alltag“, das ursprünglich aus einem Blog entstanden ist, zeigt sie, wie man die urschamanische Sichtweise, das alles, was ist, seinen Platz im Kreis des Lebens hat, umsetzt. „Wenn ich mir blöd vorkomme, weil ich „nur“ nähe, sauge, koche, gartle, fege, und mir super supertoll vorkomme, wenn ich trommle, lichtarbeite, rumphilosophiere, schamanisiere, dann stimmt doch etwas nicht.“

Glückseligkeit zwischen Kühlschrank und Abfalleimer

Aber wie bringt man Magie in den Alltag und wie bleibt man mit ihr verbunden? Skadé macht sich auf den Weg, „die Glückseligkeit vielleicht doch zwischen Kühlschrank und Abfalleimer“ zu suchen. „Ich finde, dass es wirklich wichtig ist, das Schamanische, das Spirituelle wieder hereinzuholen in alle Tage, den Blick zu schärfen dafür, dass es nicht irgendwo ganz woanders ist, sondern wir immer damit verbunden sind.“

Sie hat kleine alltägliche Geschichten aus ihrem Leben gesammelt, die durch die Aufmerksamkeit, die sie bekommen, sich verändern. „Seit ich mich wirklich in den Prozess begeben habe, verändert sich meine Sicht.“ Für Skadé sind alles scheinbar banale Dinge des Lebens heilig. Sei es etwas kochen, sich nähren, reinigen oder einfach erholen, etwas säen oder Fragen stellen. Für sie ist das zutiefst schamanisches Wirken. „Die schamanische Kraft im Alltag erlebe ich, wenn ich angekommen bin, ganz da bin, mich beheimatet fühle – in meinem Körper, in meinem Leben, an dem Ort, an dem ich bin. Dann erfahre ich Lebendigkeit.“ Sie sucht nicht den Sinn des Lebens, sondern die Erfahrung des Lebendigseins. Sie staunt und ist begeistert, tut verrückte Dinge um ihrer selbst willen, ist verzückt von ihren Einfällen, tandelt gern und versteht es, die Welt unbeschwert neu zu entdecken.

Für Skadé ist dafür kein Umschalten notwendig, sondern es ist ein Prozess. Die Schritte brauchen ihre Zeit, bis sie einsickern und abrufbar sind. „Es hilf mir, dass ich mich für das ehre, was ich umsetzen oder halten kann. Wenn ich das würdige und sehr bewusst wahrnehme, dann gibt mir das Kraft – das Würdigen und die Erlaubnis des immer wieder ‚Scheiterns‘“.

Inspirierende Wege zu mehr Lebenslust

Das Schamanische geht bei ihr Hand in Hand mit dem Alltäglichen. Sei es am Morgen im Bad zu tanzen, mit dem Lippenstift Spiegelnotizen zu machen oder im Stehcafé zu tratschen. Da Skadé versucht mit den Jahreszeiten zu gehen, beginnt ihr Buch im Winter, der Zeit, der langen Weile, des Aussitzens und des scheinbaren Stillstands. Brigid-Lichtmess ist für sie eine der großen Losnächte, an dem sie abwägt, was passt und was nicht. Was sie durch das Tor in den Frühling schickt und was sie zurücklässt. „Und vor allem, was setze ich auf den Weg.“

Sie zeigt auf, dass sich überall zaubern lässt, sei es vor dem PC, beim Putzen oder in der Küche. Ein Feuerbild hinter dem Elektroherd macht den Ort zum Ahnenplatz und zum Tranformationsort. „Die Art und Weise, wie wir etwas tun, wird den Zauber, die Heilkraft, die schamanische Kraft da sein lassen.“ Überall ist es möglich „zu tanzen, den Alltag zu bezaubern, neugierig und schräg, sinnlich oder stürmisch die Lebendigkeit in allem zu erfahren, das Leben zu feiern.“

Skadé ist eine echte Grenzwandlerin, die die Grenze zwischen Heiligem (Schamanismus) und Profanen durchbricht, und aufzeigt, wie sich die Magie im alltäglichen Alltag leben lässt. Wichtigste Zutaten sind dabei Kreativität, Fantasie und Verspieltheit, dafür liefert Skadé ein schier unerschöpfliches Füllhorn an Anregungen, die sie mit einer Vielzahl von Bildern und Collagen einfallsreich illustriert hat. Skadé ist vor allem eins eine Wortkünstlerin. Sie liebt Wortspielereien über alles und schafft mit ihnen neue Assoziationen und neue Gedankenräume. Und sie macht deutlich, um die Magie im Alltag zu leben, ist alles erlaubt, dass das Alltägliche bereichert.. Skadé zeigt viele inspirierende Wege zu mehr Lebensfreude und Lebenslust auf. Sie weckt die Leidenschaft und die Begeisterung, die Welt und sei sie auch noch so klein, unbeschwert neu zu entdecken.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein kreativ-lustvolles Buch voller einfallsreicher Inspirationen, um Magie und Schamanismus im Alltag zu finden und zu leben.

Cambra Skadé
Die schamanische Kraft im Alltag
Von Schamaninnen, Hausfrauen und anderen merkwürdigen Wesen
Hardcover, 144 S.
Arun, 2. erweiterte Auflage, 2018

Cambra Skadé arbeitet seit dem Abschluss ihrer akademischen künstlerischen Ausbildung als freie Künstlerin und Dozentin in den Bereichen Malerei, Wort und Performance. Ihre Forschungs- und Wirkbereiche sind Kunst als Fachsprache des Schamanischen, Kunst als magischer Akt, die Verbindung von Kunst, Magie und Heilen. Ihre Mittel sind Bilder, Worte, Tanz und Ritual.

Ich danke dem Arun Verlag für das Rezensionsexemplar.

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