Die Buch-Rezension „Wildpflanzen neu entdecken“ von Scherf und Caspari

Scherf Caspari Wildpflanzen neu entdecken, Quelle: blv

Heimischen Wildpflanzen begegnen wir fast überall, trotzdem ist das Wissen um ihre Merkmale und Besonderheiten fast in Vergessenheit geraten. Kompaktes Wissen über heimische Blumen, Sträucher und Bäume und wie man sie leicht bestimmt vermittelt, das Buch „Wildpflanzen neu entdecken“ von Scherf und Caspari.

Wildpflanzen neu entdecken und eine lebendige Beziehung zu ihnen aufzubauen, dazu will das Buch „Wildpflanzen neu entdecken“ anregen. In früheren Zeiten entging kaum eine Wildpflanze am Wegesrand oder vor der Haustür der menschlichen Aufmerksamkeit. Sie dienten als Nahrungsmittel, Nutz- und Heilpflanzen. Sie wurden auf vielfältige Art verwendet und gedeutet und manche sogar gefürchtet. Eine Fülle von regional oft unterschiedlichen Volksnamen belegt dies noch heute. Wichtige Pflanzenmerkmale wurden sinnlich wahrgenommen, wie Brennessel, Bittersüß oder Storchschnabel, oder man wies auf den Standort (Heidekraut) oder die Blütezeit (Herbstzeitlose) hin. Und was hat es mit Seifenkraut, Beinwell und Wolfsbeere auf sich?

Kompakte Pflanzenporträts

Gertrud Scherf hat für „Wildpflanzen neu entdecken“ Holzgewächse und krautige Pflanzen ausgewählt, die als Wildpflanzen in Mitteleuropa vorkommen und für Menschen bedeutsam waren oder noch sind. Zu den Holzgewächsen zählen Bäume und Sträucher, darunter Stileiche, Eberesche, Wachholder und Holunder. Krautige Pflanzen sind ein oder mehrjährige Kräuter (Stauden), darunter Scharfgarbe, Wilde Malve, Knoblauchrauke und Echtes Johanniskraut.

Die übersichtlich gestalteten Pflanzenporträts beinhalten neben kurzen Angaben zu Blüte, Wuchshöhe, Lebensdauer und einer detaillierten Zeichnung der Wildpflanze die markantesten Merkmale von Stängel, Blättern und Blüten sowie die häufigsten Standorte. Unter Besonderheiten sind Schutzstatus und Giftigkeit der Wildpflanzen angegeben. Auch ein Hinweis auf verwandte Arten fehlt nicht. Scherf beschreibt auch heutige und frühere Nutzungen, Inhaltsstoffe sowie Verwendungen in Schul- und Volksmedizin. Interessantes aus Mythos/Geschichte sowie Magie/Brauchtum runden die Pflanzenporträts ab.

Die Beziehungen der Menschen früherer Zeiten zu den Wildpflanzen sind Teil unserer Kulturgeschichte. Viele Wildpflanzen tauchen in Mythen, Sagen und Märchen auf. Wildpflanzen wurden einst auch magische Kräfte nachgesagt und manche galten gar als Hexenkräuter. So galt früher der Volksglaube, dass man beim Durchkriechen eines stachligen Brombeerstrauches alle Krankheiten abstreifen kann. Die Schlüsselblume erscheint in Sagen als Türöffnerin zu verborgenen Schätzen und in Frankreich diente sie als Liebesorakel.

Bestimmungsübersichten am Anfang des Buches helfen, unbekannte Pflanzen nach Blütenfarben zu erkennen. Sie sind in Farbgruppen (grünlich/bräunlich, weiß, gelb, rot/rosa, blau/violett) sowie Holzgewächsen unterteilt. Ein Stichwortverzeichnis mit deutschen und botanischen Pflanzennamen, Fachbegriffe und Namen sowie ein Literaturverzeichnis erleichtern das Auffinden bestimmter Wildpflanzen.

Detailgetreue Wildpflanzenzeichnungen

Das Bestimmungsbuch „Wildpflanzen neu entdecken“ überzeugt mit kompaktem und übersichtlich dargestelltem Pflanzenwissen. Die Autorin legt ihren Schwerpunkt neben den Bestimmungsmerkmalen der Wildpflanzen vor allem auf die vielschichtige Bedeutung der Pflanzen für die Menschen und ihre Nutzung in Heilkunde, Küche, Haushalt und Gewerbe. Besonders interessant die vielschichtigen Aspekte der Wildpflanzen in (Kultur-)Geschichte, Magie und Brauchtum. Die eindrucksvollen, detailgenauen Zeichnungen des Pflanzen- und Naturmaler Claus Caspari sprechen für sich und betonen den besonderen Charakter jeder einzelnen Wildpflanze.

Das Buch „Wildpflanzen neu entdecken“ ist besonders für Einsteiger empfehlenswert, die sich besser in der heimischen Pflanzenwelt auskennen möchten. Es hilft bei der Bestimmung von unbekannten Wildpflanzen und vermittelt kompaktes Wissen über einzelne Blumen, Sträucher und Bäume.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein kompaktes Bestimmungsbuch für heimische Blumen, Sträucher und Bäume und ihre vielfältigen Bedeutungen für die Menschen – einst und heutzutage.

Gertrud Scherf, Claus Caspari
Wildpflanzen neu entdecken
Taschenbuch,153 Zeichnungen, 176 S.
BLV Buchverlag, 2018

Dr. Gertrud Scherf, geboren 1947 in Berchtesgaden, war Grund- und Hauptschullehrerin sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für die Didaktik der Biologie der Universität München. Als Sachbuchautorin insbesondere in den Bereichen Natur und Garten lebt und arbeitet sie seit vielen Jahren in Niederbayern. Die kulturgeschichtlichen Aspekte der Themen, die vielfältigen Verbindungen zwischen Natur und Kultur sowie der Naturschutz sind der Autorin besonders wichtig, und sie verdeutlicht dies in ihren Büchern und Artikeln, bei Vorträgen, Seminaren und Führungen.

Claus Caspari wurde 1911 in München als Sohn des renommierten Kunstmalers und Karikaturisten Walther Caspari geboren. Er gilt als der bekannteste und detailgenaueste deutsche Zeichner von Pflanzen- und Tierdarstellungen. Er starb 1980 in München im Alter von 69 Jahren.

Werbeanzeigen