Die Gartenratgeber-Rezension „Haufenweise Lebensräume“ von Sigrid Tinz

Tinz Haufenweise Lebensraeume, Quelle: pala

Totholz, Äste und Laub sind mehr als nur Gartenabfälle, sie können als Nisthilfen und Futterstellen für Wildbienen, Vögel &Co dienen. In ihrem Buch „Haufenweise Lebensräume“ zeigt die Geoökologin Sigrid Tinz, wie man mit Haufen aus Gartenabfällen mit einfachen Mitteln die Artenvielfalt fördert.

Naturnahes Gärtnern findet immer mehr Anklang. Wie man dabei gleichzeitig gefährdete Bienen, Insekten und andere Tiere unterstützen kann, zeigt Sigrid Tinz in ihrem Buch „Haufenweise Lebensräume“. Mit einfachen Mitteln lassen sich vitale Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen.

Wilde Ecken mehr Natur im Garten

Vielerorts ist bei Bienen, Käfern, Fliegen und anderen Insekten ein dramatischer Rückgang zu verzeichnen. Hauptursache dafür ist, dass die natürlichen Lebensräume für heimische Wildtiere und -pflanzen schrumpfen. Wer daran etwas ändern möchte, sollte in seinem eigenen Garten naturnahe „wilde“ Ecken anlegen. Das Baumaterial für den „Tierwohnungsbau in Haufenform“ liefert meistens der eigene Garten. Das ist praktisch und mit wenig Aufwand verbunden, außerdem ist es „ein Beitrag zur Abfallvermeidung und Schaffung natürlicher Stoffkreisläufe“. Um die Natur sich selbst zu überlassen, dafür sind Gärten meist zu klein, aber „mit System viele neue Lebensräume entstehen zu lassen, das ist überall möglich, auch auf kleinstem Raum“, meint Geoökologin Sigrid Tinz.

Unter Haufen versteht die Autorin alle Sammlungen von Naturmaterialien, wie Totholz, Äste, Laub und Steine, die von Menschenhand angelegt wurden, damit Tiere und Pflanzen dort leben können. Besonders wertvoll sind Rinden, Laub, Baumstücke, Äste und Zweige. Alles zusammen bietet vielen Tieren ein neues Zuhause. Spinnen und Käfer mögen kleine Schlupfwinkel, Frösche und Kröten feuchte Ecke und Spitzmäuse und Igel größere Höhlen. Gleichzeitig kann solch ein Haufen auch Lebensraum für Pflanzen, Moose, Pilze, Farne und Flechten sein.

Lebensraum für viele Tiere

Tinz stellt in ihrem Buch „Haufenweise Lebensräume“ detailliert unterschiedliche Haufen aus Totholz, Blättern, Steinen und Sand vor. Die Varianten reichen von kleinen bis aufwendigen „Bauwerken“, die aber auch nach Belieben abgeändert oder miteinander kombiniert werden können. Natürlich geht sie auch auf Planung und Materialbeschaffung ein, damit man entsprechend seinem Garten eigene „wilde“ Ecken einrichten kann. Praktische Tipps und eigene Gartenerfahrungen der Autorin liefern dabei viele gute Hilfestellungen.

Damit Wildbienen, Käfer & Co ein neues Zuhause finden, plädiert Tinz für mehr Unordnung im Garten. Oft entstehen so einfach Zufallshaufen, die nicht geplant worden sind und im alten Holzbriefkasten nistet sich eine Fledermaus ein oder ein Rotkehlchen findet im zerfetzten Sattel des alten Fahrrades ein neues Zuhause. Akkurate Ordnung im Garten ist schlecht, ein bisschen Unordnung und sei es nur an einigen Stellen schafft neue Möglichkeiten. In einer To-do-Liste für alle Jahreszeiten zeigt die Autorin auf, dass ein naturnaher Haufengärtner mit klassischen Gartenarbeiten eher wenig zu tun hat.

Wenn man bestimmte Tiere im Garten haben möchte, sind die Kurzporträts zu Insekten, Vögeln und anderen Tierarten und ihren Bedürfnissen hilfreich. Sie zeigen, welche Vielfalt in einem naturnahen Garten möglich ist. Für Tinz ist ihr Garten „ein Ort voller Leben, ein Tierparadies“.

Praktische Tipps für die Umsetzung

Das Buch „Haufenweise Lebensräume“ ist ein praxisnaher Gartenratgeber für naturnahes Gärtnern. Mit viel Sachverstand und aus eigenen Gartenerfahrungen zeigt Tinz, wie man ohne großen Aufwand und ohne nennenswerte Kosten vielen Tieren ein Zuhause bieten kann. Dafür bedarf es keiner großen Fläche, viele kleine unterschiedliche wilde Haufen bieten eher unterschiedlichen Tieren einen neuen Lebensraum. Tinz gibt eine Fülle von Anregungen, damit jeder entsprechend der Größe seines Gartens eigene Haufen aus Totholz, Blättern, Stein und Sand einrichten kann. Man leistet damit nicht nur einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt, sondern ermöglicht sich auch Naturerlebnisse der ganz besonderen Art, wenn Wildbienen, Schmetterlinge und Igel wieder ein neues Zuhause gefunden haben.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein praktisches und ideenreiches Ratgeberbuch für mehr Natur und Artenvielfalt im eigenen Garten.

Sigrid Tinz
Haufenweise Lebensräume
Ein Lob der Unordnung im Garten
Naturschutzprojekte, Artenvielfalt, Gestaltung
Gebundenes Buch, 192 S.
pala Verlag, 2019

Sigrid Tinz, geboren 1975, ist freie Journalistin und Buchautorin für Umwelt-, Natur- und Gartenthemen. Die Geoökologin lebt mit ihren vier Kindern, Kater Rudi und Schäferhündin Mary im Münsterland. Ihre liebste Freizeitbeschäftigung: der kleine Familiengarten voller selbstständiger Blumen, die Groß und Klein viel gemeinsame Zeit für entspannte und spannende Naturerlebnisse lassen.

Ich danke dem pala Verlag für das Rezensionsexemplar.

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