Die Buch-Rezension „Die Alraune“ von Dr. Angela Fetzner

Fetzner Alraune, Quelle: Fetzner

Der Alraune werden magische Kräfte nachgesagt, die heilend oder zerstörerisch wirken können. In ihrem Buch „Die Alraune“ zeichnet Dr. Angela Fetzner ein facettenreiches Porträt der sagenhaften Zauberpflanze von der Antike bis heute.

Der Alraune haftet noch heute „eine ganz besondere Aura des Geheimnisvollen“ an. Sie gilt als die „Hexenpflanze“ schlechthin. Halb Pflanze, halb Mensch soll sie sein, denn die Alraunenwurzel hat oft eine menschenähnliche Gestalt. Aufgrund dieser Eigenschaft wurden der Pflanze viele magische Eigenschaften nachgesagt. Die Alraune gilt als Pflanze der Liebe, des Lebens und des Todes, wie die Apothekerin und Autorin Dr. Angela Fetzner in ihrem Buch „Die Alraune“ aufzeigt. Sie weist eingangs daraufhin, „dass die Alraune eine hochgiftige und gefährliche Pflanze ist, von eigenen Experimenten mit dieser Pflanze ist daher dringend abzuraten.“

Aphrodisiakum und Heilpflanze

Die Alraune (Mandragora officinarum) ist bei uns nicht heimisch, sie gedeiht nur in frostfreien Gegenden. Wild wächst sie im gesamten Mittelmeerraum, außer in Nordafrika und im Nahen Osten. Die Alraune gehört zur Familie der Nachtschattengewächse, zu denen wichtige Rausch- und Giftpflanzen, aber auch Gemüse- und Zierpflanzen gehören. Fetzner nähert sich der magischen Pflanze botanisch, erläutert die Herkunft der Namen und die pharmakologisch wirksamen Bestandteile. Besonders die Alkaloide hebt sie als bedeutende Inhaltsstoffe hervor, da sie seit alters her als Aphrodisiakum galten. Die Alraune wurde nicht umsonst auch als Liebesapfel und Liebeswurzel bezeichnet. Überliefert sind Rezepte von Alraunenwein, Alrauenbier und Alraunentee. „Der Grad zwischen erwünschtem Rausch und grauenhaftem Höllenritt war sehr schmal“, betont die Apothekerin und Autorin. Die Alraune ist „eine wunderschöne, aber gleichzeitig gefährliche Pflanze, die in den Händen von Unsachkundigen viel Unheil anrichten kann“.

In der Antike war die Alraune nicht nur ein beliebtes Aphrodisiakum, sondern auch eine hochgeschätzte Heilpflanze. Sie wurde gerne als Betäubungs-, Schlaf- und Schmerzmittel eingesetzt. Fetzner beschreibt die medizinische Anwendung der Alraune in Ägypten, Griechenland und im Römischen Reich. Im Mittelalter verlor der heilende Aspekt der Alraune an Bedeutung. Dämonische Geschichten und Legende standen im Vordergrund. Hildegard von Bingen wähnte sie sogar im Bunde mit dem Teufel.

Sagenhafte Zauberpflanze

Der alte Volksglaube, dass die Alraune bevorzugt unter Galgen wächst, stammt aber erst aus dem 15. oder 16. Jahrhundert, wie die Sage vom Galgenmännlein belegt. Besonders Sperma und Urin Gehenkter sollte die Wurzel recht üppig gedeihen lassen. Viele Sagen ranken sich auch um die Ernte der Pflanzenwurzel, wie die Sage vom Schwarzen Hund. Im 16. Jahrhundert war die Alraunenwurzel zu einer beliebten und teuren Ware geworden. Als Amulett getragen sollte sie Krankheiten abwehren und ihrem Besitzer zu Geld, Ruhm und Ehre verhelfen. Die große Nachfrage rief natürlich zahlreiche Fälscher auf den Plan, die leichtgläubigen Menschen geschnitzte Wurzeln als Alraunenwurzeln verkauften. In der Literatur findet sich die Alraune ebenfalls häufig wieder. Fetzner liefert zahlreiche Beispiele, von Grimmelshausen über Gebrüder Grimm bis hin zu Goethe und Heine.

Die Apothekerin und Autorin Dr. Angela Fetzner zeichnet in ihrem Buch „Die Alraune“ ein unterhaltsames und facettenreiches Bild der geheimnisvollen Pflanze. Sie versteht es, nicht nur den magischen Geist der Pflanze zu beleuchten, sondern beschreibt auch kompetent pharmakologische Aspekte und medizinische Anwendungen. Die vielen ausführlichen Zitate historischer Autoren vermitteln einen interessanten Einblick in die unterschiedlichen Sichtweisen der jeweiligen Zeit. Kleiner Wermuttropfen: Leider finden sich in dem Buch keine Abbildungen der Alraune, die ihre Besonderheiten anschaulich illustrieren. Das Buch „Die Alraune“ ist aber trotzdem ein faszinierendes Pflanzenporträt einer der berühmtesten Heil- und Zauberpflanzen zwischen Magie und Wissenschaft.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein vielschichtiges Porträt über die sagenhafte Alraune.

Angela Fetzner
Die Alraune
Pflanze der Liebe, Pflanze des Todes
Paperback, 128 S.
Dr. Angela Raab, geb. Fetzner, 2. Auflage, 2017

Auch als eBook erhältlich.

Dr. rer. nat. Angela Fetzner ist als Apothekerin, Autorin und Seminarleiterin international tätig. Von 2012-2018 Veröffentlichung von mehr als 50 Ratgebern und Fachbüchern v. a. zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Als Apothekerin der Praxis ist es ihr Anliegen, den Menschen komplexe medizinische und pharmazeutische Sachverhalte verständlich nahe zu bringen.

Ich danke Dr. Angela Raab, geb. Fetzner für das Rezensionsexemplar.